Electronic Arts hat sich in den letzten Jahren schwer damit getan, der Wucht der 2K-Basketball-Simulationen ein wettbewerbsfähiges Produkt entgegenzusetzen. Teilweise wurde gar kein Konkurrent mehr ins Rennen geschickt, erst mit NBA Live 14 wagte man quasi einen Neuanfang. Doch der Herausforderer schaffte es in der jüngsten Vergangenheit nicht ansatzweise, dem Platzhirsch Paroli zu bieten. Ob NBA Live 16 an dieser Dominanz rütteln kann? Wir haben den Test gemach.

Eine Maxime gilt für praktisch jede Sportart: Man kann so viel Talent haben, wie man will - wenn man nicht ständig an den Grundlagen arbeitet, seine Technik verfeinert und sich weiterentwickelt, wird es nichts mit dem großen Wurf. Das Gleiche lässt sich auch auf NBA Live 16 übertragen: Eine gewisse Begabung ist den Entwicklern nicht abzusprechen, aber sie versauen es, weil bei den Basics geschludert wird. Vielleicht verlässt man sich zu sehr darauf, dass der bekannte Name allein zum Erfolg führen wird? Ich kann euch sagen: Nee, klappt nicht.

Seine Hausaufgaben hat Electronic Arts bei der durchweg gelungenen Präsentation gemacht. Die Gestaltung der Arenen und Sportplätze hat man erstklassig umgesetzt - hier kommt ein gutes Sportfeeling rüber. Wer darauf steht, dass Spiele genauso aussehen wie etwa eine ESPN-TV-Übertragung, wird ebenfalls glücklich. Die entsprechende Lizenz wird dazu genutzt, eine tadellose Umsetzung und Darstellung auf den Bildschirm zu bannen.

NBA Live 16 - Ohne Grundlagen keine Meisterschaft!

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Optisch machen die Partien einiges her, doch leider kann das Spiel spielerisch nicht mit der Präsentation mithalten.
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Aber nur, weil man ein schickes Trikot trägt, gelingt noch lange keine Karriere als Profispieler. Und, lasst mich kurz bei dieser Analogie bleiben, selbst hier sind ein paar unschöne Flecken auf dem Shirt. Ja, die Spieler sind hervorragend modelliert, vor allem die Gesichter der großen NBA-Stars kommen ihren Vorbildern sehr nah. Mitverantwortlich ist eine im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbesserte Beleuchtung der Figuren. Dumm nur, dass offenbar nicht alle NBA-Cracks einen Face-Scan durchlaufen haben, sondern nur die Top-Player. Während ein LeBron James durchaus als Doppelgänger seines realen Vorbilds durchgeht, sind Spieler aus der zweiten Reihe kaum zu erkennen.

Doch wer sich nur ein bisschen mit NBA-Basketball auskennt, sieht sofort, dass gerade die Animationen mit den realistischen Modellen nicht mithalten können. Sie erscheinen merkwürdig hölzern, von Geschmeidigkeit ist oftmals nichts zu sehen. Mit dem Stock im... ihr wisst schon... lässt sich kein Profisport betreiben! Zudem scheint sich auf dem Parkett eine Basketball-Roboterarmee herumzutreiben, weil es offenbar nur ein begrenztes Set an Bewegungsmodellen gibt und viele Spieler sich in ihren Aktionen deshalb extrem ähneln - von Individualität keine Spur.

NBA Live 16 - E3 2015 - TrailerEin weiteres Video

Aber ich hab doch...!

Über all diese Unzulänglichkeiten könnte ich noch hinwegschauen. Doch NBA Live 16 scheitert letztendlich nicht am Gesamtumfang oder seiner Präsentation. Es sind viel grundlegendere Dinge, die das Spiel in die Mittelmäßigkeit verbannen. Die Steuerung fühlt sich schwammig an, scheint nicht immer sofort auf meine Eingaben zu reagieren - es gibt offensichtlich ein deutlich fühlbares Input-Lag, das zu häufigen Fehlpässen oder Fehlwürfen führt - kein Wunder, dass da eher Frust als Lust aufkommt.

Packshot zu NBA Live 16NBA Live 16Erschienen für PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Es ist darüber hinaus extrem schwierig, zu verteidigen. Ihr kennt den Spruch: „Offense wins games, defense championships“, oder? Dann könnt ihr euch sicher vorstellen, was dieses Problem für eine Basketball-Simulation bedeutet. Die ballführende Mannschaft hat einen viel zu großen Vorteil, der Defensiv-Aktionen oft beinahe obsolet macht. Was nutzt es mir, dass ich den Gegenspieler theoretisch per L2 aufhalten kann, wenn er trotzdem einfach an mir vorbei rennt, ohne dass ich viel dagegen machen könnte (außer zu foulen). Dieses Manko führt zu ständigen leichten Gegentreffern, was man ja eigentlich unbedingt verhindern möchte: dass Rivalen direkt zum Korb ziehen können, um den Ball zu versenken.

NBA Live 16 - Ohne Grundlagen keine Meisterschaft!

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Ja, wenn doch wirklich alles „okay“ wäre - leider fehlt dem Spiel die Dynamik und Präzision, die ein gutes Basketball-Spiel benötigt.
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Selbst wenn ich es irgendwie schaffe, am Kontrahenten dran zu bleiben, stoße ich auf das nächste Problem: Die KI-Mitspieler schauen meist nur teilnahmslos zu, anstatt Pass- oder Laufwege zu versperren - Basketball funktioniert so nicht - und von den KI-Gegnern werden solche Fehler massiv für Punkte ausgenutzt. Kein Vergleich zu der hervorragenden Defensive, die man in NBA 2K16 spielen kann! Immerhin funktionieren zumindest offensive Standards wie Pick-and-Roll vernünftig genug, damit die Partien nicht in reinen Shootouts von der 3er-Linie enden. Ich will aber nicht nur meckern: Ja, viele der Grundlagen sind schludrig implementiert. Aber zugegebenermaßen bekomme ich mithilfe des neuen „Shotmeter“ ein ziemlich gutes Feedback darüber, was bei eigenen Würfen richtig oder falsch gelaufen ist (z. B. zu früh/spät geworfen) und eine Prozent-Angabe über die Wahrscheinlichkeit eines Treffers.

Wie gesagt: Das Problem von NBA Live 16 sind nicht etwa fehlende Inhalte, die gibt es zuhauf: In RisingStar baut ihr einen selbst erstellten Spieler auf und lasst ihn über mehrere Spieljahre hinweg zum NBA-Superstar reifen. Das funktioniert genau so solide wie die Pro-Am-Modi, in denen ihr mit eben dieser Figur antretet. Zum Beispiel im Live Run, einem 5vs5-Online-Modus. Und natürlich gibts auch wieder den Ultimate-Team-Modus, den die meisten so ähnlich aus FIFA kennen dürften. Die Herausforderungen beim Kartensammeln sind jedoch recht happig und könnten vor allem Anfänger ziemlich schnell frustrieren. Würden doch nur die Basics stimmen, dann könnte dieser Modus viel Spaß machen. Gerade weil man häufig mit unterschiedlichen Spielern antreten muss, wenn bestimmte Karten abgelaufen sind, was natürlich eine zusätzliche Herausforderung ist.