Autor: Nedzad Hurabasic

"NBA Live 07? Da habt ihr doch gerade erst einen Test gehabt!", mögt ihr vielleicht gerade denken. Stimmt! Doch dabei handelte es sich um die PlayStation 2-Variante. Diesmal haben wir uns die Xbox 360-Fassung vorgeknöpft.

Früher wäre so ein Doppeltest nicht unbedingt notwendig gewesen, auch bei unterschiedlichen Plattformen boten die Spiele meist ein vergleichbares Angebot und Gameplay. Doch diese einheitliche Produktpolitik scheint spätestens seit Einführung der Xbox 360 der Vergangenheit anzugehören. Warum sich gerade bei der Next-Gen-Fassung auch der Spielspaß verabschiedet, lest ihr nach dem Anspiel...

NBA Live 07 - NBA Live 2007 - E3 2006 Trailer

Ein Dirk Nowitzki allein gewinnt keine Spiele
Wer könnte sich hierzulande für ein Basketball-Spiel besser als Aushängeschild eignen als die Nummer 41 der Dallas Mavericks? Genau - keiner! Deshalb prangt der NBA-Profi Dirk Nowitzki auch auf der Verpackung von "NBA Live 07".

NBA Live 07 - Fieses Foul statt Slamdunk: Warum EA Sports auf der Next-Gen-Konsole versagt...

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Sieht euer Trainingsplatz auch so prächtig aus?
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Wenn dieser Aspekt doch nur richtungsweisend für den Rest des Spiels wäre - ist er aber nicht. Zwar gerät der Einstieg problemlos, finden wir uns doch anfangs gleich auf dem Trainings-Court wieder und werfen die ersten Bälle auf den Korb. Ab und zu landen die Bälle sogar drin. Schon hier zeichnet sich jedoch ab, dass es in Sachen Spielgefühl nicht so richtig passt. Vor allem merkt der Tester, dass sich das Spiel deutlich von der erst vor wenigen Wochen gestesteten PS 2-Fassung unterscheidet.

Zum einen betrifft das einige der Features und selbstverständlich die Optik. Aber auch die Steuerung lässt sich nur teilweise vergleichen. Vor allem aber das "Ballgefühl" und auch einige Details wirken stellenweise, als käme das Spiel nicht vom selben Hersteller. Doch der Reihe nach.

Beginnen wir mit dem Positiven: der Präsentation. Hier macht "NBA Live 07" auf den ersten Blick einen herausragenden Eindruck und kann den Vorgänger "NBA Live 06" nochmals überbieten. Vor allem die Spielermodelle sehen noch besser aus und sind ihren realen Vorbildern authentisch nachempfunden. Das betrifft nicht ausschließlich (aber vor allem) die Gesichter, die besser modelliert sind und jetzt nicht mehr wie maskenhafte Knetpuppen wirken. Ähnliches gilt für die butterweichen Animationen, die ziemlich beeindruckend sind.

Die Neuerungen
Abgesehen von den üblichen "Play Now"-Spielen und einem Saison-Modus bietet die Simulation nun auch einen Dynasty-Mode und das Allstar Weekend. In spielerischer Hinsicht wurde die Freestyle Control hinzugefügt, die schon aus anderen EA-Games in ähnlicher Form bekannt ist. Beim Dynasty-Modus dürft ihr in gewohnter Form als Manager eures Lieblingsklubs tätig werden und diesen zu allerhöchsten NBA-Ehren führen. Natürlich müsst ihr dabei nicht nur managen, sondern auch selbst tätig werden und den Ball durch die Reuse werfen. Nebenbei sorgt ihr noch dafür, dass Scouts talentierte Spieler für euch finden und ihr genug Kohle für weitere Investitionen besitzt.

Packshot zu NBA Live 07NBA Live 07Erschienen für PS3, PC, PS2, PSP und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Das Gegenteil von diesem eher auf lange Sessions angelegten Modus stellt das Allstar-Wochenende dar, bei dem ihr in verschiedenen kurzen Events antreten dürft: Das All-Star-Spiel, der Slam-Dunk-Wettbewerb und der 3-Punkte-Shootout. Außerdem gibt es noch die Rookie Challenge, bei der Spieler in der Rolle der besten Nachwuchsspieler antreten.

NBA Live 07 - Fieses Foul statt Slamdunk: Warum EA Sports auf der Next-Gen-Konsole versagt...

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I wish I could fly!
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Das spektakulärste dieser Events ist sicherlich der Slam-Dunk-Wettbewerb, in dem tatsächlich beachtliche artistische Leistungen aus den Spielfiguren herausgekitzelt werden. Sieht toll aus und macht Spaß, keine Frage. Die Frage ist eher, wie oft man dieses Feature wirklich nutzt? Irgendwann hat sich schließlich jeder an den teilweise wahnwitzigen Moves satt gesehen und will sein Können in richtigen Matches zeigen. Doch da fangen die Probleme an. So schön die Kulisse erscheint - die Framerate-Problematik hat EA nach wie vor nicht in den Griff bekommen. In regelmäßigen Abständen ruckelt das Spielgeschehen. Zwar meistens nur kurz, doch das genügt schon, um dem Spielspaß einen Dämpfer zu verpassen.

Das darf doch nicht wahr sein!
Das ist aber nur der Anfang und der unwesentlichste aller Kritikpunkte. Schlimmer ist das Gameplay an sich. Zum einen sind da die Würfe, die so unberechenbar aus den Händen der Akteure rauschen, dass es ein Graus ist. Keiner erwartet eine einhundertprozentige Wurfausbeute - das wäre ja langweilig. Aber egal was man macht, die Würfe scheinen völlig zufällig im Korb zu landen und gehen selbst dann häufig daneben, wenn die Spielfigur völlig frei zum Abschluss kommt. Das bringt den nervenstärksten Spieler zur Verzweiflung.

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Er geht rein, er geht nicht rein, er geht rein, er geht nicht rein...
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Doch es geht noch schlimmer! Was sich die Programmierer in Sachen Dunking geleistet haben, ist schlicht eine Frechheit. Ständig landen die Bälle am Ring und nicht im Korb. Selbst wenn ein Fastbreak völlig unbedrängt abgeschlossen werden soll, versemmeln Stars wie Shaquille O' Neal die Dunks serienweise. Entweder treffen sie den Korb gleich gar nicht, oder sie brechen mitten in der Bewegung ab!

Ganz schlimm sind in diesem Zusammenhang auch die Zeitlupen-Wiederholungen gelungener Aktionen. Die Animationen wirken hölzern, und es gibt Clippingfehler ohne Ende. Bälle schweben einen halben Meter von den Händen entfernt, gehen bei Dunks durch das Brett oder auch die Hände hindurch. Meine Güte, wer hat da die Endabnahme gemacht?

Die hätte auch der Spielmechanik insgesamt nicht geschadet. Die Defensiv-KI wirkt zwar auf den ersten Blick verbessert, sodass wir nicht die Dunk-Feste früherer Zeiten erleben. Das bezieht sich aber leider nur auf die Gegenseite. Die eigenen Spieler scheinen sich bei Ballverlust nicht so recht zum Zurücklaufen durchringen zu können. Auf diese Weise kassiert man einen Konter-Treffer nach dem anderen, wenn der Kontrahent den Ball schnell in die Spitze spielt. Auch das nervt gewaltig!

Autisten in der NBA?
Merkwürdig ist auch, dass die eigene Spielfigur mitten in der Bewegung festzuklemmen scheint, wenn sie im Angriff gedoppelt wird. Reagiert der Spieler dann nicht schnell genug, bestrafen die Schiris natürlich nach der 3-Sekunden-Regel. Ärgerlich und vermeidbar. Ebenso unverständlich: Warum bemühen sich die Spielfiguren der eigenen Mannschaft nicht selbsttätig um den Ball? Auch wenn er geblockt wird und ihnen vor die Füße rollt, heben sie ihn nicht auf. Selbst bei Rebounds stehen sie unbeteiligt in der Gegend rum - ganz im Gegenteil zu den Angreifern, die dann natürlich leichtes Spiel haben. Bei diesen ganzen spieltechnischen Mängeln kann auch die neue Freestyle-Kontrolle den Karren nicht mehr wirklich aus dem Dreck ziehen.

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So dynamisch präsentiert sich das Spielgeschehen leider nicht immer.
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Das Konzept, spezielle Bewegungen mit dem rechten Controller-Stick auszulösen, ist intuitiv und steuert die Special Moves der Superstars. Abhängig davon, welcher Star-Kategorie die Spielfiguren angehören (z.B. Shooter, Highflyer oder Playmaker), können sie spezielle Fähigkeiten in drei Qualitäts- bzw. Schwierigkeitsstufen ausführen. Dummerweise gibt das ziemlich dünne Handbuch gerade in dieser Hinsicht sehr wenige Tipps, sodass die meisten Moves per Trial and Error herausgefunden werden müssen.

Mit dem rechten Stick werden übrigens nach wie vor die Freiwürfe ausgeführt. Das geht zwar in dieser Version etwas einfacher als früher, zufriedenstellend ist das aber noch immer nicht. Genauso unbefriedigend gestaltet sich der Online-Modus. Der ist ziemlich blutleer und bietet außer einigen wenigen Spielmodi kaum etwas, um länger vor den Bildschirm zu fesseln. Darüber hinaus war im Testzeitraum kaum einmal ein lagfreies Spielen möglich.

Abschließend aber doch noch etwas Positives: Der Sound. Das englischsprachige Kommentatorenduo Marv Albert / Steve Kerr weiß mit unterhaltsamen Sprüchen zu gefallen und sorgt für authentische Basketball-Atmosphäre. Beim Soundtrack bekommen wir den auf gutem Niveau befindlichen New Rock-Lizenz-Mix von EA kredenzt.