Die wichtigsten Fragen bei jährlich erscheinenden Sportspielen sind doch: Was ist neu? Was ist besser? Und was vielleicht auch gleich schlecht? Die Antworten darauf lauten: vieles, vieles und leider das Gleiche. Die Jubiläumsausgabe zum 20. Geburtstag der Basketball-Simulation überzeugt dank spielerischen Veränderungen, Spielmodi-Verbesserungen und einer hochwertigen Präsentation auf TV-Niveau. Wenn da nur nicht derselbe Minuspunkt wie beim Vorgänger wäre: die bei Fans unbeliebten Mikrotransaktionen.

In Sachen Grafik spielt NBA 2K19 in der obersten Liga:

NBA 2K19 - Take The Crown

Was letztes Jahr im Rahmen des Vorgängers NBA 2K18 passiert ist, wollte Hersteller 2K Sports dieses Jahr unbedingt vermeiden: der nach mehreren Hochglanz-Trailern und unzähligen Versprechungen entfachten Fan-Vorfreude folgte nach Veröffentlichung tiefgreifende Ernüchterung.

Die hohen Gameplay-Erwartungen konnte Entwickler Visual Concepts nicht erfüllen. Stattdessen gab es in der Offensive überrumpelnde Animationen, die jeder Defensivaktion jeglichen Sinn und damit Motivation raubten. Zusätzlich fühlten sich viele Spieler von der Mikrotransaktionen-Invasion im Karriere-Modus betrogen, welche stundenlanges Spielen für ein paar virtuelle Kröten nach sich zog. Wie verhält sich all das bei NBA 2K19?

NBA 2K19 überzeugt durch seine detailreiche Optik. Inklusive der Darstellung von Hautporen, Schweiß und einem authentisch animierten Publikum im Hintergrund.

Mein Weg nach oben

Im Einzelspielermodus „Meine Karriere“ starte ich meine angehende NBA-Karriere als Spieler, der gerade vom College kommt. Leider möchte mich kein amerikanisches Profi-Team haben und ich muss einen Umweg in Kauf nehmen, um meine Karrierechancen zu wahren. Dafür geht es nach China, um mich in der dortigen Liga doch noch für die NBA zu empfehlen.

Während der ersten Spiele fühlt sich dabei alles authentisch, weil schlichtweg fremd an: chinesische Zeichen überall, ein in der Mehrzahl asiatisch aussehendes Publikum und Kommentatoren, die Mandarin sprechen. Zusätzlich ist die Entwicklung meines Charakters in den Zwischensequenzen meine Hauptmotivation in diesem Modus. Ich entwickle mich von einem hochnäsigen Bengel zu einem sympathischen und mental starken Basketballspieler. Kurz gesagt: zu einem besseren Menschen. Und ich treffe Schauspieler wie Anthony Mackie aus Avengers: Infinity War. All das hilft mir, zunächst in die zweitklassige NBA G-League in die USA zu wechseln und danach meinen Traum in der NBA zu leben.

Packshot zu NBA 2K19NBA 2K19Erschienen für Nintendo Switch, PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Auf diesem Weg habe ich viele Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger gesehen: die Dramaturgie der Geschichte ist für ein Sportspiel mitreißend, der Charakter-Editor bietet wieder viel mehr Erstellungsmöglichkeiten (von der Frisur über die Armlänge bis hin zur Nasespitze) und jede Trainingseinheit ist jetzt der Verbesserung einer gezielten Fähigkeit zugewiesen. Ich weiß also im Vorfeld, wo sich mein Spieler verbessern wird.

Im spielerischen Bereich stärken die Entwickler die Defensive und die Attribute der einzelnen Spieler. Es ist herausfordernder zu punkten, aber auch weitaus realistischer.

Bei Geld hört die Freundschaft auf

Dennoch wiederholt sich eine ganz unglückliche Geschichte. Der größte Kritikpunkt am Vorgänger, die Achillesferse sozusagen, waren die omnipräsenten Hinweise auf den Erwerb der virtuellen Währung mit meinem Echtgeld. Und der große Zeitinvest in verschiedenen Aktivitäten, um meinen Spieler mit der generierten virtuellen Währung nur minimal verbessern zu können. Das dauerte zu lange.

2K versprach im Vorfeld von NBA 2K19, dass sie den Spielern zugehört hätten. Das Ergebnis: weniger häufig, aber immer noch oft vorhandene Hinweise auf Kaufmöglichkeiten. Und nach einem tollen, schnelllebigen Beginn mit vielen Statistikverbesserungen meines Charakters, ein auf Dauer langwieriges Hocharbeiten. Wichtig: zu keiner Zeit zwingt mich das Spiel, echtes Geld auszugeben oder zu investieren. Ich verdiene die virtuelle Währung aufgrund meines NBA-Vertrages, ausgetragener Spiele und absolvierter Trainingseinheiten.

Sobald es auf den Platz geht, ist NBA 2K19 die beste Basketballsimulation, die ich mir wünschen kann.Fazit lesen

Für mich ist es ein auf lange Zeit angelegter Einzelspielermodus, in welchem ich die Mikrotransaktionen-Fenster wegdrücke und weitermachen kann. Was nicht von der Hand zu weisen ist: Es bleibt ein komisches Gefühl, wenn ich stundenlange Spieleabende veranstalte, um mir mehr Währung zu erspielen. Und die teuerste Verkaufsversion meinen Spieler direkt von Level 60 auf 75 bringt – zu Beginn des Spiels wohlgemerkt.

Im Karrieremodus gestalte ich zu Beginn meinen eigenen Spieler und passe Werte wie Körpergröße, Armlänge und Gewicht an – die alle Auswirkungen auf dem Platz haben.

Auf gute Nachbarschaft

Die interaktive und offene Basketball-Online-Welt namens „Die Nachbarschaft“ bietet zahlreiche neue Funktionen. Was sofort auffällt: Das ganze Gebiet ist zentraler angelegt und dadurch ist alles leichter und schneller zu erreichen. Haarschnitte und Bartrasuren beim Friseur kosten kein Geld mehr. Hier hat 2K zugehört. Und es gibt mehr Ausrüstungsgegenstände zu erwerben, ja sogar Skateboards zum Umherfahren und diverse unterhaltsame Mini-Spiele wie Trampolin-Basketball.

Das Wichtigste: Wie spielt es sich?

Sobald es auf den Platz geht, ist NBA 2K19 die beste Basketballsimulation, die ich mir wünschen kann. Endlich fühle und sehe ich die Unterschiede bei den Spielerfähigkeiten in jeder Situation. Mit einem kleineren Spieler wie Stephen Curry von den Golden State Warriors ist es nun deutlich schwerer und damit realistischer, dass ich nicht locker flockig an einem riesigen, bulligen Gegenspieler vorbeidribbeln kann. Der Gegner blockt mich einfach konstant vom Korb weg. Keine Chance.

Das zeigt auch, wie die Entwickler die Defensive verstärkt haben, was dem Spiel unheimlich guttut. Denn in der Offensive muss ich jetzt umdenken. Meine Dribbling-Bewegungen ziehen mir die Ausdauerleiste leer. Pässe quer über den Platz sind viel riskanter, weil die Defensive diese gerne abfängt. Und die Beinarbeit eines jeden Spieler ist besser, wodurch die Verteidigung meine Angriffe gut antizipieren und somit verhindern kann.

Gameplay-Zwischenfazit: In der Offensive geht es herausfordernder zu als noch im Vorgänger. Aber sobald ich mich an die Änderungen gewöhne, fühlt sich jeder Korb wie eine Belohnung und Bestätigung an. Das lässt die Lernkurve gerade zu Beginn steiler ansteigen, aber es ist in einem Spiel auch klar erkennbar, wer der bessere ist und warum ich gerade verliere oder gewinne. Durchmogeln ist nicht mehr.

Ganz neu: die Takeover-Funktion. Füllt ihr diese visuelle Leiste dank guter Aktionen eines Spielers, könnt ihr via Knopfdruck seine ohnehin schon guten Fähigkeiten temporär nochmals verbessern. Ein guter Drei-Punkte-Werfer wie Stephen Curry geht dann für kurze Zeit so richtig ab. Aber keine Sorge: Er wird nicht zu Superman auf dem Platz.

Zu Beginn meiner Karriere spiele ich in der chinesischen Basketballliga. Erst später geht es in die NBA.

Abwechslungsreichtum

Neben dem erwähnten Herzstück „Meine Karriere“ gibt es zahlreiche klassischere Spielmodi. Ihr könnt Einzelspiele online und offline bestreiten, eine Saison mit einem Team absolvieren oder direkt in Play-Off-Spiele einsteigen. Auch Hinterhof-Basketball zieht ins Spiel ein: Egal ob zwei-gegen-zwei oder drei-gegen-drei – hier wählt ihr eure Lieblings-NBA-Spieler und habt einfach nur Spaß.

Wenn ich eine Saison lang als Manager eines Teams arbeiten möchte, kann ich das tun. Oder ich erstelle mir direkt meine ganz eigene Liga mit eigenen Regeln, meinem eigenen Team oder ich übernehme ein bestehendes NBA-Team. Letzteres geht nun auch als Online-Variante.

Wenn ich noch Fußballspieler- und Basketballkarten vom Schulhof kenne – oder Ultimate Team aus FIFA 18 – dann ist „Mein Team“ genau das Richtige. Hier erstelle ich mir aus Sammelkarten mein eigenes Team und trete gegen andere Mannschaften an. Mit dem Ziel neue Karten und damit bessere Spieler zu erhalten. In Sachen Abwechslung und Umfang kann kein Sportspiel auf dem Markt NBA 2K19 das Wasser reichen. Maximal als Wasserträger.

Die Präsentation vor, während und nach den Spielen ist schlichtweg wie die NBA: absolute Oberklasse. Die TV-Berichtvorerstattung punktet neben Analysen auch mit Humor.

Audiovisuelle Oberklasse

Neben den überzeugenden spielerischen Verbesserungen, rockt auch die Präsentation. Immer und überall. In der als TV-Sendung aufgezogenen Berichtvorerstattung gibt es neben treffenden Analysen auch viel Humor. Dann zum Beispiel, wenn das animierte Abbild von Ex-Basketballstar und NBA-Experte Shaquille O’Neal genüsslich bei laufender Kamera gähnt. Ich habe häufig geschmunzelt und Spaß gehabt.

Wenn danach die abgedunkelte Halle bebt, weil die Heimmannschaft vom Hallensprecher auf den Platz geholt wird und dazu basslastige Musik im Hintergrund läuft, möchte ich sofort losspielen. Das fetzt! Hinzu kommt ein umfang- und abwechslungsreicher Soundtrack mit 49 Songs aus den Genres Hip-Hop und Rock.

Welche Spiele erwarten euch diesen Monat? Seht selbst:

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Auch neben dem Platz ist während einer Partie viel los. Die eigene Auswechselbank springt nach spektakulären Körben auf, die Zuschauer auch. Es gibt Applaus und der Hallensprecher heizt dem Publikum immer wieder ein. Fotografen gehen ihrem Job an der Grundlinie nach und die Kommentatoren haben immer einen flotten und stets passenden Spruch auf den Lippen. Übrigens so viele, dass es auch auf Dauer nicht so schnell zu unzähligen Wiederholungen kommt.