Warum muss man sich eigentlich jedes verdammte Jahr das gleiche Spiel noch einmal kaufen? Na klar, ein wahrer Fan kann natürlich nicht ohne Rookies und mit veralteten Rostern in die virtuelle Saison starten. LeBron in Miami und Jordans Jungs aus Charlotte noch ohne Hornissen auf den Trikots? Das ist ja mal so was von 2013. Spaß beiseite, die fleißigen Bienchen von 2K Sports haben sich auch in diesem Jahr wieder um weit mehr als nur die Beflockung der Jerseys Gedanken gemacht.

LeBron jetzt in Cleveland. Und sonst so?

Wenn die Sport-Simulationen von 2K eines gemeinsam haben, dann sind es die unübersichtlichen Menüs. Umso überraschender, sich nach dem Starten des Spiels zur Abwechslung mal in einem klar strukturierten Hauptbildschirm wiederzufinden. Oh, was ist das denn, 2KTV? Aha: Kevin Durant hat damals also schon auf der Dreamcast NBA 2K gespielt – wusste ich’s doch!

Dann muss ich wohl mal fleißig zocken, vielleicht werde ich dann ja später auch einmal zum besten Spieler der Liga gewählt. Ein paar Tutorials wären da sicher hilfreich. Aber die versteckt der clevere Kevin natürlich vor mir. Das einzige, was man findet, sind eine Handvoll Videos, in denen ein paar NBA-Stars erklären, wie man das orangene Leder am einfachsten durch die Reuse befördert. Schade, dass ich nicht versuchen kann, ihre wertvollen Tipps in die Tat umzusetzen, wie das noch bis zur letzten Edition üblich war.

NBA 2K15 - Der nächste große Wurf

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Wenn der Schweiß noch realistischer aussieht, fängt er an zu riechen.
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Zugegeben, so viel Neues gibt es auch nicht zu erlernen. Die auffälligste Neuerung, der „shot meter“, erklärt sich von selbst, da er mit einer unauffälligen kleinen Leiste anzeigt, ob das Timing beim Wurf stimmt. Des Weiteren macht der „shot meter“ auch schon vor dem Wurf deutlich, wie hoch die Trefferquote von der Abwurfstelle denn überhaupt wäre. Sicherlich besonders für diejenigen eine Erleichterung, die (unverständlicherweise) kein Interesse daran haben, Stärken und Schwächen eines jeden NBA-Akteurs aus dem Effeff zu kennen.

Mein GM, Mein Team, Meine Karriere, meine Fresse!

Aber glaubt mir: nach ein, zwei Monaten werdet ihr das sowieso tun. Denn die bekannten Spielmodi sind allesamt enorme Zeitfresser, die euch so schnell nicht loslassen. Dabei sticht der nur spärlich überarbeitete „My GM“-Modus jedoch negativ heraus. Die extreme Tiefe, die der Modus bietet, schreckt eher ab, als dass sie zum Erforschen einlädt. Schuld sind hier die 2K-typische schwache Einführung sowie die fehlende Übersicht im Menü. Dennoch ist es beachtlich, wie nah die Basketball-Simulation sich am tatsächlichen NBA-Alltag orientiert. Nicht umsonst gab Kevin Durant in jener 2KTV-Folge auch zu Protokoll, dass er sich mit „My GM“ bereits jetzt auf die Zeit nach der aktiven Sportlerkarriere vorbereiten würde.

Solltet ihr weniger ambitionierte Pläne für die nächsten Jahre haben, aber trotzdem gerne mit einer kompletten Mannschaft fünf gegen fünf spielen wollen, dann sei euch der „My Team“-Modus ans Herz gelegt. Ähnlich wie in EAs „Ultimate Team“ hortet ihr hier In-Game-Währung, um euch einen Booster nach dem anderen zu kaufen. Es gibt kreative Challenges, wie das Duell mit den tätowiertesten Spielern der Liga, Online-Partien innerhalb eines motivierenden Ranglistensystems sowie den etwas stumpfen „Domination“-Modus. Dazu kommt eine übersichtliche Aufbereitung mitsamt erstklassiger Einführung. Warum nicht gleich so, 2K?

NBA 2K15 - Der nächste große Wurf

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Die Karriere wurde wieder ordentlich ausgebaut und ist ein absoluter Zeitfresser. Hier können sich andere Sportspiele ruhig ein bisschen was abschauen.
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Ebenfalls wenig zu bemängeln gibt es im Be-A-Pro-Modus „My Career“, welcher eine komplett neue Geschichte für euch bereithält. Diese wird insgesamt runder präsentiert als noch zuletzt und bietet eine Menge Abwechslung. Ob spontan einberufenes Mannschaftstraining, Gespräch in der Umkleide oder sogar Halbzeitanalyse. Allgemein steht der Kontakt mit dem Coach nun mehr im Vordergrund. Bei fast jeder Ein- und Auswechslung gibt euch der Gute ein paar Worte mit auf den Weg.

Was auch cool ist, ist das neue Plaketten-System. Je nachdem, was für eine Spielweise ihr aufs Parkett legt, schaltet ihr neue Attribute frei, die dann wiederum mit der verdienten In-Game-Währung aufgewertet werden können. Dieses Geld könnt ihr alternativ natürlich auch wieder für das Aufwerten eurer Fähigkeiten und Outfits ausgeben. Das Skill-System ist allerdings weniger kleinteilig als in der letzten Edition. Ihr könnt z.B. auf den Wurf gehen, nicht aber separat den Dreier oder beispielsweise den Freiwurf verbessern.

Mobbing auf der Parkbank

Falls euch bei den ganzen Upgrades die Ressourcen ausgehen, könnt ihr auch mal im Online-Modus „My Park“ auf Monetenjagd gehen. Dort gibt es nämlich jetzt Turniere mit festgeschriebenen Preisgeldern. Außerdem hat man den Park in drei Teile geteilt. Die verschiedenen Orte unterstützen aufgrund unterschiedlicher Attribute-Boni jeweils bestimmte Spielweisen. So richtig freundlich willkommen geheißen wird man auf den neuen Plätzen aber nicht. Aufgrund des fehlenden Matchmaking-Systems werden Einsteiger oft konsequent ausgegrenzt. Wer will schon einen Rookie in seinem Team haben?

Diesem Spiel gibt man keinen Korb!Fazit lesen

Wer sich also mit Freude an den Rivalen-Meisterschaften, die regelmäßig zwischen den drei Standorten ausgetragen werden, beteiligen will, sollte sich vorher einen Squad zusammensuchen. Mitglied der siegreichen Fraktion zu sein, hat nämlich durchaus seine Vorteile. An die Gewinner werden verschiedenste In-Game-Preise ausgeschüttet sowie der Zugang zu einem exklusiven weiteren Ort gewährt.

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Echte Männer stehen zu ihren Gefühlen.
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Schöne bekannte Welt

Aber auch das gewohnte Basketball-Umfeld in den NBA-Arenen weiß noch zu überraschen. Die atmosphärische Schraube wurde noch mal deutlich angezogen. Das merkt man schon vor dem Tip-Off. Unter perfekter Beleuchtung marschieren die Spieler einzeln aufgerufen in die Arena ein. Und davor verliert das sympathische TV-Duo, bestehend aus Ernie Johnson und Shaquille O’Neal, noch das ein oder andere Anekdötchen.

Etwas weniger humorvoll, aber dafür umso kompetenter geleitet euch das bewährte Moderatoren-Trio Kerr, Harlan und Kellogg durch die Partien. Deren präzise Ausführungen können gerade so noch mit der inzwischen fast fernsehreifen Optik standhalten. Nur diese Clipping-Fehler, die haben sie im TV natürlich nicht. Dennoch bietet 2K hier ein, vor allem für Basketball-Fans, unfassbar immersives Erlebnis. Ein Beispiel: Die Kommentatoren gehen im „NBA Today“–Modus sogar darauf ein, welche Ergebnisse euer Team bislang in der Preseason (den Saisonvorbereitungsspielen) einfahren konnte.

Bei einer derartigen Präsentation, die nah wie nie an der Realität ist, darf natürlich auch das spielmechanische Geschehen nicht auf der Strecke bleiben. Und die Gameplay-Verbesserungen machen die Simulation in diesem Jahr wirklich rund. Die Verteidigung weiß nun klüger Lücken zu schließen, der Kampf um den Rebound fühlt sich nun auch nach einem solchen an und insgesamt bewegen sich die Spieler auf dem Parkett mehr, wie sich Basketballer zwischen 1,80m und 2,20m eben bewegen. Ein kleiner Spieler, der zum Korb zieht, schmeißt den Ball z.B. lieber von unten gegen das Brett. Früher war man hier wegen der immer gleichen Korblegeranimation den Verteidigern zu deutlich unterlegen.

Und wenn es ein Foul gibt, erkennt man mittlerweile sogar in der Wiederholung, an welcher Stelle die Berührung stattgefunden hat. Sollte ein Pfiff ertönen, gibt es in NBA 2K15 im Gegensatz zu anderen prominenten Sportsimulationen an der Außenlinie auch Trainer, auf die die Kamera während der Spielunterbrechungen schwenken kann. Auf dem Wunschzettel für das kommende Jahr stehen höchstens noch etwas intensivere Auszeiten.

NBA 2K15 - Shaq and Ernie Watching Your Every Move5 weitere Videos

Europa? Wo liegt das?

Und wo wir schon bei Wünschen sind. Abseits des heiteren NBA-Trubels gibt’s natürlich noch andere Mannschaften. Dass es ein paar Wochen nach der Basketball-WM keine Nationalteams gibt, ist schade. Immerhin wurden im letzten Jahr schon mal die Euroleague-Teams eingeführt. Davon gibt es in NBA 2K15 sogar noch einmal acht mehr. Deutsche Fans können ihre Allmachtsphantasien mit den Klubs aus Bamberg, Bayern und Berlin ausleben.

Im Vergleich zu den NBA-Spielern sind die Akteure der insgesamt 24 europäischen Vereine allerdings wesentlich detailärmer visualisiert worden. Wundert euch also nicht, wenn ihr eure „Local Heroes“ auf den ersten Blick gar nicht wieder erkennt. Auch mangels eigener Hallen (inklusive frenetischer Anhänger) bieten die europäischen Duelle ein eher biederes Flair. Bei so wenig Liebe zum Detail wundert es nicht, dass auch die Spielerkader noch aus der letzten Saison stammen.