American Football ist schon eine der uramerikanischen Sportarten, die zu den – sagen wir mal – regellastigeren Sportarten dieser Welt gehört. Gut, anders gefragt: Welche weltweit anerkannte Sportart kommt mit noch weniger Regeln als der Fußball aus?

NBA 2K12 - Legends Showcase TrailerEin weiteres Video

Basketball mit Sicherheit nicht, aber es bleibt trotzdem ein Rätsel, warum der körperlose Ballsport hier so lange so unbeachtet blieb. Am 12. Juni diesen Jahres schwappte erstmalig eine größere Welle an Begeisterung für diesen Sport auf, als Dirk Nowitzki („Dirkules“, „The German Wunderkind“) als erster Deutscher den NBA-Meistertitel gewann.

Vielleicht kann NBA 2K12 unter den Sportspielern eine ähnliche Begeisterung auslösen, das Potenzial ist definitiv vorhanden. Denn was Take Two und Visual Games hier voller Dampf auf den Court marschieren lassen, stellt an bisherigen Basketball-Simulationen plattformübergreifend alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass es sportübergreifend eine der besten Simulationen ist, die jemals auf die Sportspiel-Welt losgelassen wurde. Wäre ich gemein, könnte ich die Frage stellen, warum die sich überhaupt so viel Mühe geben bei ihrer derzeitiger Monopolstellung nach EA's derzeitiger Kapitulation vor dem Genre und dem zweiten „Lockout“-Jahr ihres ehemals „NBA Live“ und zukünftigen „NBA Elite“ in Folge.

NBA 2K12 - Slam Dunk auf den Basketballthron

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"Dirkules" setzt zum Dunk an.
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Jeder, der schon einmal selbst auf dem blankgewienerten Parkett stand und Basketball im Verein gespielt hat, kennt all die taktischen Finessen im Angriff und der Verteidigung, das Block stellen, die fließende Manndeckungsrotation der Gegner, den Sinn des taktischen Foulens in den letzten fünf Sekunden des vierten Viertels bei einem Zwei-Punkte-Vorsprung. Und natürlich den Nervenkitzel in solchen Situationen.

All das ist NBA 2K12 und noch viel mehr. Denn auch die passionierten FIFA- und PES-Spieler dürften auf den einen oder anderen Modus oder das eine oder andere Detail neidisch werden, wenn man hier vor Augen geführt bekommt, wie die Sportart mit all seinen Facetten zelebriert wird. Vorab sei gesagt, dass NBA 2K12 mit allen offiziellen NBA-Lizenzen daherkommt, es muss also nicht in allen Sport-Genres ein großflächiges Exklusivlizenznetz seitens EA befürchtet werden.

Packshot zu NBA 2K12NBA 2K12Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: ab 1,99€

Selbst für erfahrenere Konsolen-Basketballer ist ein Besuch des Trainingscamps absolut zu empfehlen, denn die schiere Menge an Würfen, Pässen, Täuschungsmanövern und Spielzügen kann auf den ersten Blick schon fast erschlagend wirken. Aber auch da führt euch das sehr gut gemachte Tutorial behutsam heran, denn auch an das komplett auf den rechten Stick zugeschnittene Wurf-System will erst einmal erlernt werden, was aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase eine absolute Bereicherung darstellt.

NBA 2K12 - Slam Dunk auf den Basketballthron

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Ein erfolgloser Block-Versuch
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Denn die K.I. wurde im Vergleich zum Vorgänger nochmal kräftig aufgebohrt, in manchen Situationen sogar fast schon hellseherisch-antizipierend. Aber auch solche Situationen lassen sich durch geschickte Passfinten lösen, durch Drehungen um das eigene Standbein mit abschließender Ablage auf den Mitspieler, der sich den Ball dann im Flug noch auf die andere Hand legt, um ihn so erfolgreich an den heranfliegenden Blocks der Gegner ins erlösende Netz zu stopfen.

Die größte Neuerung neben der noch komplexeren Spielmechanik ist der „Legenden-Modus“. Nicht nur, dass ihr die größten Basketballer von bis vor 40 Jahren spielen lassen könnt, nein, das Ganze macht auch optisch einen Sprung zurück in die schwarz/weiße TV-Welt inklusive früher häufiger auftretenden Bildfehlern, Farbschlieren oder der rauschender Bildqualität. Der Kommentar passt sich den nostalgischen Begegnungen auch an und versorgt uns während dem Spiel mit allem Wissenswerten, was bis zum heutigen Tage über den Superstar von vor 20 Jahren auch heute zu finden ist.

Dein Weg in die Hall of Fame

Allgemein gefallen mir die Kommentare außerordentlich gut, sie wirken absolut nicht aufgesetzt. Im Gegensatz zu den beiden Moderatorengespannen aus dem Hause EA und Konami. Dass jeder Superstar an seinen individuellen Signature-Moves zu erkennen ist, muss hier eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden, da das ja offensichtlich nicht erst seit dem diesjährigen Ableger eine Selbstverständlichkeit seitens Take Two und Visual Games zu sein scheint. Außerdem wurden die Herausforderungen für die Legenden-Matches etwas „humanisiert“, es reicht jetzt völlig, wenn ihr das Match gewinnt und nicht wie beim Vorgänger statistisch peinlich genau „His Airness“ Jordans Vorgaben erreichen.

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Online dürfen sich die Legenden-Teams zwar nicht gegen andere Mitspieler messen, dafür habt ihr jetzt die Möglichkeit, mit 29 anderen Freunden eine eigene Liga zu gründen. Mein persönliches Highlight ist der Karrieremodus, in dem man sein Alter Ego durch die Karriere eines NBA-Spielers begleitet. Zu Beginn habt ihr natürlich freie Hand über die optische Gestaltung eures Spielers. Leider manchmal etwas nervig ist die Tatsache, dass es in den Erstellmenüs kein Popdown-Menü gibt. Da kann man dann im „Herkunftsmenü“ schon mal den Stick 'ne halbe Minute lang gedrückt halten, bis man nach gefühlten 50 Amerika-Unis auf Deutschland landet. Dafür habt ihr aber auch in der Individualisierbarkeit eurer Bewegungsabläufe, ob nun im Dribbeln, Dunken, Freiwurf oder beim Fade-Away-Jump-Shot eine Flut an Optionen. Ist das geschafft, beginnt ihr auch schon mit einem Rookie-Match.

NBA 2K12 - Slam Dunk auf den Basketballthron

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"His Airness" Michael Jordan.
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Unter den prüfenden Augen der Talentscouts lässt man sich von den großen Vereinen draften und kämpft sich dann Spiel um Spiel an die Elite heran. Das ist so weit auch aus den Fußballablegern bekannt, aber mit welcher Detailverliebtheit man das hier zelebriert ist einfach nur, sorry, geil. Von persönlichen Sponsorenverträgen über Plakate in den Städten mit eurem Spieler bis hin zu Pressekonferenzen und Magazin-Shootings ist alles drin.

Außerdem werdet ihr regelmäßig nach den Matches um Statements gebeten und könnt somit auch aktiv beeinflussen, wie ihr in der Medienlandschaft wahrgenommen werdet, ohne natürlich die Konsequenzen innerhalb des Teams und in der öffentlichen Wahrnehmung außer Acht zu lassen. Es fühlt sich einfach „ich“ an. Und das überträgt sich auch auf die Langzeitmotivation.

Grafisch ist das Ganze wunderbar geworden. Was die Animationen betrifft, ist NBA 2K12 über jeden Zweifel erhaben. So manche Spieler sehen allerdings optisch noch etwas „zombiehaft“ aus und auch Dirk hat man nach kurzem Spielen verständlicherweise „Dirkiger“ in Erinnerung, aber irgendwas müssen die Entwickler ja auch noch auf ihrer Agenda für den 2013er-Ableger zu stehen haben.

NBA 2K12 - Slam Dunk auf den Basketballthron

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Double-Block-Versuch.
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Von den Spielergesichtern abgesehen steckt das Spiel voller kleiner Details: Zuschauer, die sich in den Rängen an ihren Platznachbarn vorbeidrängen, Maskottchen, Schweißwischer bis hin zu den Zuschauern in der „gefährlichen“ ersten Reihe, inklusive gelegentlicher Kollisionen.