Nachdem sie mit ihren MMO-Vorstößen reihenweise baden gegangen sind, versuchen die großen Publisher ihr Glück nun in ganz anderen Genres. Die Masse freut das und die Nischenspieler haben ohnehin in der Indie-Ecke längst neue Favoriten gefunden, auf die sie zu warten bereit sind.

Als das MMO-Genre vor gut zehn Jahren quasi über Nacht aus der Nische heraus ins Rampenlicht trat und zu einem Massenphänomen wurde, überraschte das sowohl die MMO-Publisher als auch die damals recht familiäre Community. Woher kamen all die neuen Spieler so plötzlich und was wollten sie? Als Antwort auf diese Frage genügt ein Wort: Diablo.

Würdiger Nachfolger gesucht

Blizzards Action-Rollenspiele gehörten zu den populärsten Computerspielen der damaligen Zeit und hatten eine neue Generation von Gamern geschaffen. Spieler, die auch gerne mal mit oder gegen andere kämpften. Und weil sich zu dieser Zeit auch gerade die Internet-Flatrate durchsetzte und man kein Vermögen mehr für eine Stunde im Internet zahlen musste, tat man das am liebsten online.

World of Warcraft war für eine nicht geringe Zahl von Spielern zuallererst nur ein Ersatz für ein neues Diablo mit ordentlichen Online-Funktionen und Langzeitspielwert. Hier und da gab es Parallelen, insbesondere befriedigte es die Sammelleidenschaft der Diablo-Fans. In weiten Teilen erinnern die sich jedoch noch heute mit Wehmut an die alten Tage und all die unerfüllten Hoffnungen auf einen zeitgemäßen Nachfolger.

Bitte keine halben Sachen

Zeitgemäß, das bedeutet auf jeden Fall einen gewaltigen Schritt in Richtung MMORPG samt tiefgreifendem Meta-Game und zumindest teilweiser offener Welt. Dazu vielleicht Housing, Crafting und die Möglichkeit, Territorien zu erobern und zu kontrollieren. Elemente auf jeden Fall, die Veteranen über Tausende Spielstunden hinweg begeistern und fordern.

Gleichzeitig gilt es jedoch auch, gewisse Traditionen zu wahren und die Essenz der beiden Diablo-Teile nicht zu gefährden. Diablo 3 ist auf jeden Fall weit hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben und auch beim kostenlosen Path of Exile gibt es noch Luft nach oben. Und so versuchen nun andere Studios ihr Glück damit, einen neuen Standard zu setzen und die riesige Community zu bedienen.

Konkurrenz belebt die Isometrie

NCSoft zum Beispiel arbeitet mit Volldampf an Lineage Eternal, das zwar so aussieht wie Diablo, jedoch ein vollwertiges MMORPG mit allem Drum und Dran werden soll. Oder Lost Ark von den südkoreanischen Tripod Studios, das noch mal eine Nummer besser aussieht und in die gleiche Kerbe schlagen soll.

Konkret bedeutet das: Mehr Action durch Isometrie, mehr echte spielerische Herausforderungen, weniger Grind und das alles bei vollem MMORPG-Umfang. Ob das wirklich klappt, bleibt abzuwarten. Da jedoch beide Studios mit ihrer Arbeit ziemlich gleichauf sind, dürfte die Konkurrenz mit Sicherheit für bessere Ergebnisse sorgen.

Das faszinierende daran ist, dass die Spielerschaft in Südkorea gar nicht sonderlich auf Spiele im Diablo-Stil abfährt. Das mussten auch die Jungs von Bluehole Ginno lernen, nachdem sie ihre Diablo-MMO-Variante Devilian in Südkorea veröffentlicht hatten. Im Westen, wo die Diablo-Fans auf Nachschub warten, so glauben die Entwickler, sähe das schon wieder ganz anders aus.

Devilian inside

Auch bei Trion Worlds glaubt man das und hat sich entsprechend die Rechte an einer Veröffentlichung des Titels im Westen gesichert. Da das Spiel an sich in Südkorea bereits veröffentlicht ist, ist es vor allem die Lokalisierung, um die man sich kümmern muss - Devilian soll komplett auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheinen.

Versprochen wird nicht weniger als ein MMO-ARPG mit all den “Features, von denen man schon immer geträumt hat”: “Massive 20 gegen 20 Battlegrounds, herausfordernde Bosse, um die in der offenen Welt gekämpft werden muss, dazu Gilden-Allianzen und -Kriege. Hört sich nicht schlecht an, wenngleich 40 Mann auf dem Schlachtfeld nicht sonderlich “massive” sind.

Der Teufel steckt im Detail

Was uns konkret erwartet, will Trion Worlds dann im Laufe der kommenden Woche in einem Live-Stream vorführen. Darin will man dann auch diverse Fragen beantworten. Wohl am wichtigsten dürften wohl die nach dem Geschäftsmodell sein. Wahrscheinlich ist, dass Trion wie bei allen anderen Titeln auch auf das Free-To-Play-Modell setzen wird.

Doch genau da liegt das Problem, denn nicht nur hat Trion ArcheAge durch offenkundige Pay-To-Win-Elemente ruiniert, auch bei Rift hat man mittlerweile alle Hemmungen verloren und längst seine eigenen Versprechen gebrochen, nach denen man stets einen fairen Shop ohne Experimente, Tricks und Fallen betreiben wollte. Wenn man dieses Geschäftskonzept bis zum Release von Devilian - geplant gegen Jahresende - nicht kräftig überarbeitet hat, wird es auch im Westen nicht sonderlich gut ankommen, denn hier gibt noch immer Path of Exile den Ton an und zeigt, wie Free-To-Play auszusehen hat.

HiRez Studios - der zweite Anlauf?

Ebenfalls unter Entwicklern derzeit ungemein beliebt sind Shooter-MMO-Hybriden. Und auch dort ist es noch keinem Studio gelungen, den MMORPG-Aspekt wirklich genügend zur Geltung zu bringen und für Langzeitmotivation zu sorgen. Am Ende herrscht zumeist Eintönigkeit und man schießt sich durch immer wieder gleiche oder zumindest recht ähnliche Instanzen oder Gegnerhorden. Ob sie nun Defiance, Destiny, Warframe oder Firefall heißen - sie mögen sich für die Publisher rechnen, das gewisse Etwas fehlt ihnen dennoch.

Die HiRez Studios waren mit ihren Versuchen gleich komplett gescheitert, ein Spiel dieser Art am Markt zu etablieren. Mit Global Agenda hatte man sich seinerseits sogar derart verausgabt, dass das Studio kurz vor der Insolvenz stand. Die PvP-Instanz, die man zuletzt noch für Global Agenda vorbereitet hat, sollte es nie ins Spiel schaffen.

Doch man machte die Not zur Tugend und veröffentlichte genau jene Instanz in leicht abgewandelter Form als Standalone-Game und nannte sie SMITE. Der aus der Verzweiflung geborene Plan ging auf, SMITE begann als drittgrößtes MOBA-Game seinen Erfolgszug und ernährt heute die Jungs von den HiRez Studios komplett.

Neuer Titel auf der Agenda

So gut, dass man mittlerweile offenbar wieder Raum hat, an neuen Projekten zu arbeiten. Zumindest an einem neuen, wie sich während eines Charity-Streams aus dem Studio herausgestellt hat. Das Spiel, das man auf den Monitoren kurz zu sehen bekommt, erinnert frappierend an Global Agenda und könnte ein zweiter Versuch von HiRez sein, doch noch ein ordentliches MMO mit Shooter-Mechaniken abzuliefern.

Den Fans von SMITE haben die Entwickler auf jeden Fall versichert, dass man das MOBA keineswegs deswegen aus den Augen verlieren und weiterhin wie gewohnt daran arbeite. Tatsächlich dürfte das Budget, über das man durch den Erfolg von SMITE seit einiger Zeit verfügt, locker ein zweites Team ernähren. Und mit dieser finanziellen Sicherheit und ordentlich Ruhe klappt es vielleicht auch mit Global Agenda 2.

The Division - die dunkle Seite

Allen Schwierigkeiten und negativen Leaks zum Trotz versucht auch Ubisoft weiterhin sein Glück damit, The Division bei der Zielgruppe ins Gespräch zu bringen. Mit einer Reihe von Interviews und Videos ist das aktuell auch gelungen - allerdings mit nicht ganz so positivem Resultat. Die Ankündigung, dass man als Agent in der Dark Zone die Möglichkeit bekommen soll, seine Mitspieler bei der Beuteverteilung zu töten und zu berauben, sorgte für einigen Wirbel in der Community.

Entsprechend bemüht sind die Entwickler jetzt, die Sache etwas näher zu erklären. Wer seinem Team Schaden zufügt, wird öffentlich als ‘Rogue’ geflaggt. Er bekommt ein Kopfgeld verpasst und wird zum Gejagten. Sofern die Mechanik wie geplant greift, bringt das zumindest etwas frischen Wind in die oft öde Phase der Beuteverteilung und ein wenig Raum für Rollenspiel. Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit, mit Leuten zu spielen, die man kennt und denen man vertraut. Das sollte man sich als Online-Gamer ohnehin mal wieder angewöhnen.

Ausblick

Und weil das Thermometer mittlerweile in kritische Bereiche vordringt und die Luft, die aus dem Computer bläst, immer heißer wird, wollen wir diesmal besser keine Empfehlung fürs Wochenende abgeben. Und bis dann Skyforge am 16. Juli in die Open Beta geht, dürfte sich das Wetter auch schon wieder ein wenig beruhigt haben.