Sexuelle Belästigung bei Naughty Dog? Das zumindest behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter. Was ist dran an dieser Anschuldigung?

Naughty Dog - Ehemaliger Mitarbeiter klagt an: Er wurde sexuell belästigt und daraufhin gekündigt

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Sexuelle Belästigung bei Naughty Dog?
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Gerade erst gehen die Schlagzeilen mit Harvey Weinstein um, dem in mehreren Fällen und über mehrere Jahrzehnte sexuelle Belästigung vorgeworfen werden, da trifft es nun auch die Gaming-Industrie. Die Anschuldigungen kommen aber nicht von einer Frau, sondern von einem Mann.

Bis Februar 2016 arbeitete David Ballard bei Naughty Dog als Environment-Artist und Multiplayer-Level-Layout-Artist beim kalifornischen Spielestudio Naughty Dog, eines der Top-Adressen aktueller Blockbuster-Games. Dann wurde er von einem Tag auf den anderen gefeuert. Nun brach Ballard sein Schweigen und offenbart eine heftige Anschuldigung gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber:

"Ende 2015 wurde bei Naughty Dog von einer Person in leitender Position sexuell belästigt", enthüllt Ballard über Twitter. "Danach wurde mein Arbeitsumfeld immer schwieriger. Im Februar vergangenen Jahres hatte ich einen mentalen Zusammenbruch auf der Arbeit. Das brachte die Personalabteilung von Sony PlayStation auf den Plan. Als ich ihnen von der sexuellen Belästigung erzählte, beendeten sie das Telefongespräch und ich wurde am nächsten Tag gefeuert. Als Begründung nannten sie einen Richtungswechsel bei Naughty Dog, ich würde nicht mehr länger gebraucht."

Schlimmer noch, laut Ballard versuchte man ihn mundtot zu machen. So bot man ihm 20.000 Dollar Schweigegeld an, wenn er die Kündigung unterschriebe, was aber auch mit einer Schweigepflicht verbunden war.

"Ich weigerte mich, zu unterschreiben. Ich bin seit 17 Monaten arbeitslos. Wenn man mich im Bewerbungsgespräch fragt, warum ich Naughty Dog verlassen habe, sage ich immer, dass ich durch die ganzen Crunches ausgebrannt war, aus Angst, die sexuelle Belästigung als wahren Grund zu nennen", so Ballard weiter. In gewisser Hinsicht ist das ein Tabuthema, vor allem bei Männern.

"Ich spreche nun darüber, weil ich gesehen habe, wie mutig andere aus der Filmindustrie den Schritt wagen und über ihre Erfahrungen sprechen. Das ist das Schwierigste, was ich jemals getan habe. ich werde nicht mehr zulassen, dass irgendjemand meine Liebe für die Videospieleindustrie, meine Leidenschaft oder mein Leben zerstört."

Naughty Dog antwortet

Naughty Dog hat ziemlich schnell auf diese Aussagen reagiert und bereits ein Statement veröffentlicht:

"Wir haben vor kurzem in den sozialen Medien davon erfahren, dass ein ehemaliger Mitarbeiter bei Naughty Dog, Dave Ballard, behauptet, während seiner Zeit bei Naughty Dog sexuell belästigt worden zu sein. Wir haben keine Belege dafür, dass Herr Ballard eine sexuelle Belästigung angezeigt hat - weder bei Naughty Dog noch bei Sony Interactive Entertainment. Für Belästigungen und unangebrachtes Benehmen gibt es keinen Platz bei Naughty Dog und Sony Interactive Entertainment. Wir haben und werden auch weiterhin Meldungen über sexuelle Belästigung und andere Beschwerden am Arbeitsplatz ernst nehmen. Wir schätzen jede einzelne Person, die bei Naughty Dog und Sony Interactive Entertainment arbeitet. Es ist von allergrößter Bedeutung für uns, eine sichere und produktive Arbeitsumgebung zu bieten, die es uns erlaubt, unsere gemeinsame Leidenschaft für die Videospieleentwicklung zu verfolgen."

Auch wenn die Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters David Ballard, wie bei vielen Fällen sexueller Belästigung, nicht ohne Weiteres mit Beweisen hinreichend belegt werden können, würde ein Unternehmen niemals öffentlich bekannt machen, dass es jemals zu so einem unschönen Zwischenfall gekommen ist. Es bleibt also abzuwarten, ob und was noch geschehen wird in diesem Zusammenhang.

Naughty Dog hat in den letzten Jahren einige wichtige Personen verloren. Neben Amy Hennig, Justin Richmond und Nate Wells, die 2014 das Studio verließen, sind in diesem Jahr auch Co-Präsident Christophe Balestra und Bruce Straley gegangen. Was auch hinter den Kulissen passiert, es liegt wohl einiges im Argen.