Als Fan des rundenbasierten Strategierollenspiels begrüße ich es ja prinzipiell immer, wenn bald in unseren Gefilden ein neuer Genrevertreter ansteht. Obwohl es bei solchen Spielen weniger um schnelle Reflexe und alles entscheidende Millisekunden geht, kann man oft ins Schwitzen kommen. Gerade japanische SRPGs vom Schlage Fire Emblem, Tactics Ogre oder Valkyria Chronicles sind für ihre Herausforderungen bekannt, die von Try-and-Error-Momenten und dauerhaften Charaktertoden geprägt sind. Das demnächst erscheinende Natural Doctrine soll laut Entwicklern in Sachen Schwierigkeitsgrad das Ganze aber noch übertreffen.

Natural Doctrine - Adapt to Survive Trailer3 weitere Videos

Maximum-Level Asian?

Interessant erscheint dabei die Tatsache, dass der ursprüngliche Schwierigkeitsgrad der Missionen in Natural Doctrine von der japanischen Spielerschaft sogar als zu schwer und als nahezu unfair bezeichnet wurde. Aus dem Grund planten die Entwickler für die Vermarktung im Westen eine Überarbeitung des Schwierigkeitsgrads. Der Publisher NIS America legte jedoch Wert darauf, dass auch die Spieler im Westen die Möglichkeit hatten, dasselbe herausfordernde Spielerlebnis geboten zu bekommen, so dass neben den leichteren Schwierigkeitsgraden der ursprüngliche aus der japanischen Version als Option ebenso wählbar ist.

Kritische Stimmen sprechen gern bei solchen Design-Entscheidungen von einem Zugeständnis, das für eine unausgeglichene Spielbarkeit spricht. Doch was hat man sich überhaupt unter dieser Schwierigkeit vorzustellen?

Natural Doctrine - Natürlicherweise knallhart?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 11/141/14
Bei dem Durcheinander kann man sehr leicht den Überblick verlieren, oder?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schließlich wirkt das Spiel zumindest rein optisch und vom Rundensystem her auf dem ersten Blick nicht anders als andere besagte rundenbasierte Strategiespiele. Auf dem Kampffeld bewegen sich eure einzelnen Einheiten beziehungsweise Charaktere innerhalb ihres blau markierten Bewegungsradius, sobald sie am Zug sind. Das Prinzip ist an sich nicht schwer zu verstehen und dürfte der eine oder andere eventuell bereits von Titeln wie X-Com oder Valkyria Chronicles kennen.

Bei genauerer Betrachtung der Charakterkonstellation fällt aber das sich erstreckende Netzwerk aus Pfeilen und Textanzeigen auf. Von jenem Wirrwarr aus farbige Linien, der die Kampf- und Status-Verhältnisse sämtlicher Einheiten zueinander veranschaulichen soll, kann man sich zunächst regelrecht erschlagen fühlen. Ein Gesichtspunkt der Herausforderung des Spiels stellt tatsächlich das Verständnis jenes Anzeigegeflechts dar.

Packshot zu Natural DoctrineNatural DoctrineErschienen für PlayStation Vita, PS3 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Dieser steht nämlich eng in Zusammenhang mit dem Linking-System: Jede Kampfeinheit kann zu einem Verbündeten, der sich in der eigenen Sichtweite befindet, eine Verbindung aufbauen, die euch Status- und Kampfeigenschafts-Boni beschert. Zudem kann eine Einheit vor Gegnern auf naheliegenden Feldern warnen, sodass manche eurer Charaktere früher zum Zug kommen können

Natural Doctrine - Natürlicherweise knallhart?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 11/141/14
Links mit anderen Charakteren verbessern die Treffsicherheit, die Abwehr und sonstige Statuseigenschaften eines Teamkameraden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Learning by Dying?

Was für euch gilt, gilt auch für die gegnerische KI, und die nutzt diese Vorteile soweit es geht aus. Da kann es öfter vorkommen, dass eure an vorderster Front stehende Einheit von allen Seiten unter Beschlag genommen wird und stirbt. Als wäre das nicht schon frustrierend genug, nachdem ihr kaum zum Zug kamt, heißt es auch schon Game Over für euch. Stirbt nämlich auch nur ein einziger Charakter in eurem Team, gilt die Mission als gescheitert.

Ihr müsst sie aber nicht komplett von Neuem beginnen, sobald ihr einen gewissen Spielfortschritt gemacht habt. Dank einzelner Checkpoints erspart euch das Spiel den zu großen Verlust wertvoller Spielstunden. Teilweise scheint es unvermeidlich, dass ihr mit unvorhergesehenen Situationen konfrontiert werdet, bei denen euch die gegnerischen Angriffsinitiativen überraschen oder sonstige unscheinbare Faktoren euch eine blitzartige Niederlage bescheren. Die eine oder andere Cutscene reicht schon, um eure sorgfältig geplante Strategie über Bord zu werfen, nachdem die Einheiten neu aufgestellt wurden. Da kann es gelegentlich schon mal auf ein wenig Try-and-Error-Verfahren hinauslaufen.

Kampftaktik-Features und Multiplayer-Modus sprechen für den Titel. Es ist aber noch nicht abzusehen, ob das trotz potenzieller Frustfaktoren für einen dauerhaften Spielspaß spricht.Ausblick lesen

Soviel ist klar: Natural Doctrine ist nichts für Ungeduldige und Gelegenheitszocker. Zwar kann idealerweise die Spielgeschwindigkeit der gegnerischen Züge erhöht werden, trotzdem brauchen die einzelnen Missionen definitiv ihre Zeit – besonders aufgrund des mehrmaligen Wiederholens nach einem Game Over.

Natural Doctrine - Natürlicherweise knallhart?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 11/141/14
Eure Magie reicht solange wie ihr an Pluton besitzt: Ein seltenes Mineral, dass im ganzen Spiel rar vorhanden ist.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Garant für dauerhaften Spielspaß?

Die eigentliche Handlung, die in einer ins Chaos gestürzten Welt spielt, in der die Menschen um die letzten Ressourcen kämpfen, ist von der bisherigen Präsentation her kaum erwähnenswert. Das Herzstück der japanischen Strategie-Rollenspiele bildet oftmals ohnehin das taktische Kampf-fokussierte Gameplay, während die meist nicht allzu komplexe Geschichte von ihrer häppchenweise präsentierten Narrative zwischen den einzelnen herausfordernden Missionen lebt.

Der Multiplayer-Modus in Natural Doctrine verdient da schon mehr Erwähnung. Für diesen spricht definitiv die plattformübergreifende Möglichkeit, sich mit anderen Spielern ein strategisches Gefecht zu liefern oder gemeinsame Co-Op-Missionen zu bestreiten. Dass ihr dabei jede (auch gegnerische) Einheit für eure eigene zusammengewürfelte Mannschaft verwenden könnt, der ihr in der Kampagne begegnet seid, ist auf jeden Fall eine schöne Idee und liefert eine zusätzliche Spielmotivation. Auch für das Spiel sprechen Cross-Play und Cross-Save-Funktionen.