Es war einmal ein kleiner, blonder Rotzlöffel, der in seinem Heimatdorf unbedingt der oberste Ninja werden wollte. Allerdings hatte der Bursche nichts als Flausen im Kopf und eine große Fresse. Hinzu kam die Tatsache, dass Mr. Großmaul von den Erwachsenen seines Dorfes gemieden wurde, denn in seinem Körper war einst ein fieses Monster eingeschlossen worden, vor dem sich alle fürchteten.

Schlechte Voraussetzungen also, um Karriere zu machen, sollte man meinen. Doch was in der amerikanischen Politik möglich ist, sollte in einem japanischen Comic nur Recht und billig sein. Und so hat sich Naruto Uzumaki denn auch zu einem der beliebtesten Manga-Helden entwickelt. Und mit »Naruto Uzumaki Chronicles« hat zwei Jahre nach seinem Erscheinen in Japan nun auch ein weiteres PS2-Spiel seinen Weg nach Europa gefunden.

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Natürlich handelt es sich bei den Uzumaki Chronicles nicht um die erste Versoftung der beliebten Mangaserie. »Mit Naruto: Ultimate Ninja« für die PS2 und »Naruto: Clash of the Ninja« für den Gamecube sind bereits Ende 2006 zwei Beat-'em'-up-Titel zur Serie in Deutschland erschienen. Auch die Comicreihe boomt. Derzeit sind - auf Deutsch - 24 Bände beim Carlsen Verlag erschienen, weitere Ausgaben sowie zwei Extrabände sind angekündigt.

Naruto: Uzumaki Chronicles - Der kleine Blonde mit dem festen Schlag ist zurück: Naruto ist ein Prügelfest für PS2

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Neulich in der Kinderdisco: peinlicher Ausrutscher auf der Tanzfläche.
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Wer die Serie kennt, weiß, dass Freund Rotzlöffel der Bad Guy seines Dorfes und seiner Ninja-Akademie ist. Im Spiel wird er diesem Ruf mehr als gerecht. Großmäulig, rotzfrech und voller arrogantem Stolz kennt der blonde Blödhammer nur ein Ziel: Er will Hokage werden, ranghöchster Ninja seines Clans. Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, und so muss sich Captain Peroxyd erst einmal vom Ge-Nin, dem rangniedrigsten Ninjastand, zum geachteten Mitglied des Clans hocharbeiten.

Im Spiel gilt es, das Heimatdorf von Naruto vor dem Untergang zu bewahren. Denn dort passieren beunruhigende Dinge. Da die Dorfältesten nicht genügend Kämpfer zusammenkratzen können, um die Gefahr zu bannen, werden erstmalig auch die Ge-Nin zur Hilfe herangezogen. Naruto sieht darin seine große Chance, dem Traum vom Hokage einen großen Schritt näher zu kommen.

Packshot zu Naruto: Uzumaki ChroniclesNaruto: Uzumaki ChroniclesErschienen für PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Voller Elan macht man sich also daran, zahlreiche Missionen zu erfüllen und diverse Finsterlinge um mindestens einen Kopf kürzer zu machen. Unter anderem muss man eine wichtige Pflanze finden, suspekte Gestalten überprüfen, oder es müssen Freunde bei deren Missionen unterstützt werden. Im Laufe der Handlung trifft man dabei auf zahlreiche bekannte Gesichter der Serie. Unter anderem geben sich Sasuke, Neji oder Kakashi die Ehre. Nicht-Auskenner werden angesichts dieser Aufzählung vermutlich nur gelangweilt mit den Schultern zucken, wahre Manga-Fans hingegen werden begeistert in die Hände klatschen und kreischen, als gelte es, ein Tokyo-Hotel-Konzert zu übertönen.

Schlag mich
Naruto Uzumaki Chronicles versteht sich selbst als 3D-Action-Adventure, ist aber streng genommen ein lupenreines Beat'em'up. Und das äußert sich auch im sehr linearen Spielgeschehen, in dessen Verlauf man zwar unterschiedliche Aufgaben zu lösen hat, der Schwerpunkt aber eindeutig auf Schlägereien liegt.

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"Wer von Euch Lümmeln hat meinen Schnuller geklaut?"
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Das Programm kann denn auch leider nicht mit den wendungsreichen, gut erzählten Comics mithalten, da die Handlung zu eindimensional aufgebaut ist und stets nach dem gleichen Muster verläuft. Ausgangspunkt der Missionen ist das Dorf, in dem man entweder Gegenstände tauscht oder kauft, oder man lässt sich vom Hokage mit neuen Aufträgen versehen. Bedauerlicherweise geschieht dies über öde Menüs. Animationen oder Videosequenzen sucht man vergeblich. Danach verlässt man den Ort wieder und klickt auf der eingeblendeten Übersichtskarte das Ziel an. Naruto macht sich umgehend auf die imaginären Socken, was in einer dürftig animierten Bewegungssequenz auf der Map gezeigt wird.

Seine Reise wird durch zahlreiche Zufallskämpfe unterbrochen, die jedes Mal, ähnlich wie zum Beispiel bei Final Fantasy, durch eine kurze Cutscene eingeleitet werden. Daraufhin findet man sich in der nett gestalteten Landschaft wieder, zumeist umgeben von vier oder mehr Gegnern, die dringend darauf warten, eine Abreibung vom Rotzlöffel zu kassieren. Die Kämpfe sind in aller Regel keine wirkliche Herausforderung, machen aber trotzdem Spaß und sehen nett aus. Außerdem gehen so die möglichen Kombos, Spezialangriffe und Ausweichtechniken in Fleisch und Blut über, was für die Bosskämpfe von großer Wichtigkeit ist. Und da Naruto für jeden besiegten Lümmel ordentlich Tugendpunkte erhält, macht's gleich noch mal soviel Freude, den garstigen Burschen ihre virtuellen Kauleisten zu verbiegen. Denn die Punkte dienen als Währung, mit der man Naruto nach und nach bessere Items kaufen kann.

Partnerwechsel
Das Kampfsystem sorgt für Kurzweil, denn es ist einfach zu lernen, bietet aber genug Abwechslung, um nicht schon nach kurzer Zeit den Gähnreflex auszulösen. Neben den gängigen Schlagabfolgen hat jeder Charakter seine besonderen Fähigkeiten aufzuweisen. Naruto beispielsweise kann durch gleichzeitigen Druck auf Dreieck- und Kreistaste buchstäblich zum Tier werden, sobald er mehr als die Hälfte seiner Lebensenergie verloren hat. Dann werden nämlich die Kräfte des in ihm schlummernden Dämons kurzfristig aktiviert, was aus dem unverschämten Bengel eine wahre Kampfmaschine werden lässt.

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BILD enthüllt: Bill K. (unten) bei der Bundeswehr.
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Umsicht ist allerdings geboten, denn die Kräfte lassen sich natürlich nicht inflationär oft aktivieren. Und wenn die Luft raus ist, wird Naruto unvermittelt wieder zum Normalo. Hat man sich dann verkalkuliert, verliert er schneller sein virtuelles Leben als Paris Hilton die Nerven im Knast. Dann heißt es »Game over«, zurück zum letzten Speicherpunkt.

Im Laufe der Missionen wird es deshalb auch immer wichtiger, seinen Partner zu nutzen, sofern einer zur Verfügung steht. Insbesondere einige der Bossgegner lassen sich nur durch geschickten Wechsel der Kombattanten erledigen. So tritt man während einer Übungsmission im ersten Abschnitt beispielsweise mit seinem Partner Shikamaru gegen Sasuke und Choji an, um den fliegenden Wechsel zu üben.

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Ein Vermummter im Computerspiel? Sofort verbieten!
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Wichtig ist, die jeweiligen Special-Moves der pubertierenden Möchtegern-Ninjas richtig einzusetzen - und möglichst zu wissen, an welcher Stelle der Gegner seinen Schwächen hat. Der Fleischklops Choji beispielsweise rockt kurzzeitig als menschlicher Felsbrocken nahezu unverwundbar durch die Gegnerscharen. Muss man, wie in diesem Fall, gegen ihn antreten, so sollte man seiner alles plattwalzenden Rollerei ausweichen und ihm dafür feste Moppen verpassen, wenn er wieder seine Normalgestalt hat.

Vorsicht Kamera!
Ein Schwachpunkt insbesondere bei Massenschlägereien stellt die zeitweise arg unübersichtliche Kameraführung dar. Zwar kann man per Knopfdruck einen Gegner fixieren, so dass die Kamera stets dessen Bewegungen folgt. Da Naruto jedoch zeitweise von mehreren Schergen attackiert wird, ist dies manchmal eher hinderlich, weil dann hinter ihm stehende Unholde fast nicht zu sehen sind. In solchen Fällen hilft nur ein beherzter Rundum-Kick, der Naruto die nötige Luft verschafft.

Auch wenn der kleine Steppke getroffen wurde und zu Boden geht, rotiert die Kamera zuweilen etwas unberechenbar. Immerhin ist das Schlägerterrain begrenzt, so dass man nicht befürchten muss, dass Gegner aus entlegenen Winkeln der Botanik auftauchen.

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Na toll. So'n Cos will natürlich wieder keine machen!
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Wenn alle Stricke reißen, kann Naruto aus einem geringen Vorrat an Wurfwaffen wie zum Beispiel Brandbomben oder Schuriken schöpfen, die zumindest kurzfristig für Freude unter den Gegnerscharen sorgen. Derlei Mordgeräte werden entweder von besiegten Gegnern gedroppt oder Blondie besorgt sie sich vor Missionsbeginn im Dorfladen. Einigen Gegnern ist allerdings auch mit Massenvernichtungswaffen nicht beizukommen. Speziell die Bossgegner erfordern anstelle einer Materialschlacht die richtige Taktik - und das macht eindeutig mehr Spaß als sinnloses Draufgekloppe. Insofern sollte man die Übungsmissionen sehr ernst nehmen und besonders die Ausweichtechniken üben. Ansonsten macht sich schnell Frust breit.

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"Hey, kennste schon die Pizza Emo? Die schneidet sich selbst!"
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Technisch geben die Uzumaki Chronicles zumindest grafisch kaum Anlass zur Kritik und zeigen, dass auch PS2-Games noch lange nicht zum alten Eisen gehören müssen. Die Kampfanimationen sind ebenfalls gelungen, lediglich die sehr lieblose 2D-Ansicht der Übersichtskarte sticht hier negativ heraus. Akustisch hat sich Atari mit der extrem hemdsärmligen amerikanisch-englischen Sprachausgabe keinen Gefallen getan. Warum hier nicht das japanische Original beibehalten wurde, ist unverständlich. Auch die deutsche Version ist mit dem verrotzten Amislang gesegnet, allerdings untertitelt. Trotz der genannten Nachteile sollten Fans der Reihe unbedingt einen ausgiebigen Blick riskieren. Wer allerdings mit Comicadaptionen und Mangas nichts anfangen kann, der lässt besser die Finger von dem Spiel.