Diesen Einleitungstext nutzen Kollegen gerne, um in einer lustigen Geschichte zu beschreiben, wie viel Spaß sie mit einem Spiel hatten. Bis in die tiefste Nacht, wenn die Augenringe blau leuchten und ein magischer Schimmer im dreiviertel geschlossenen Sehmuskel glitzert. Wir sahen ähnlich aus. Aber vor Langeweile. Ein Gähnen entweicht. Die Finger kribbeln. "Muss ich noch mal aufs Klo? Ich könnte mir ein Schinkenbrot machen... Heiliger Klabauter. Wann hören die endlich auf zu quatschen? Interessiert doch kein.... Aaaaargh!".

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Wenn Naruto mit Sasuke...

Was in den letzten Teilen bereits für den einen oder auch anderen Schmunzler gesorgt hat, wurde in "Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4" zu einer nervenzerreibenden Endlos-Tatsache ausgebaut. Wer den Story-Modus spielt, der sich ja - "Überraschung, Überraschung!" - einer sehr großen Beliebtheit erfreut, muss eine Menge Sitzfleisch mitbringen. Bestenfalls deckt ihr euch gleich mit 18 Dosen Red Bull ein, ernährt euch nur noch von Energieriegeln und hofft auf einen schnellen Tod durch Herzversagen.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 - Bla, bla, bla...

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Es gibt wieder schweinisch viele Charaktere.
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Ansonsten lauft ihr Gefahr, totgequatscht zu werden. Nicht falsch verstehen: Wir mögen Naruto. Gerade das Finale von Shippuden hatte es in sich und war spannend wie die achte Zahl im Lotto, wenn die ersten sieben bereits gestimmt haben. Aber es gibt einen kleinen Unterschied zwischen "spannend" und "Ich wünschte, ich wäre blind und taub". Die Menge macht's. Und im großen Finale wird nicht fein säuberlich dosiert, sondern in die Vollen gegriffen.

Packshot zu Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4Erschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Die Geschichte umspannt zwei Handlungsbögen, die ihr nacheinander oder abwechselnd angehen könnt. Entweder folgt ihr dem Heldenpfad von Naruto oder der Katharsis von Sasuke, dem gefallenen Ninja. Diese Stränge laufen immer wieder zusammen und trennen sich. Nette Idee. Aber unfassbar belastend weil langweilig.

Warum, fragt ihr? Nun, es wäre vielleicht spannender, wenn Kenner der Geschichte sich nicht auf eine Runde Prügeln eingestellt hätten und die Ereignisse bereits kennen, diese aber stets nur angerissen werden. Was komisch ist, denn man schafft es trotzdem gefühlte 99% der Spielzeit unentwegt zu reden. Und Einsteiger in die Welt von Naruto – jetzt sei mal dahingestellt, warum diese mit Teil 4 anfangen – verstehen kein Wort, da man zwar sehr viele Worte aus der Mundhöhle der Figuren dringen lässt, diese aber so begrenzt, dass ein Neuling einfach nichts begreift und unentwegt aussieht wie ein überraschtes Reh nachts auf der Landstraße, im Angesicht eines VW, dessen Fahrer hoffentlich nicht bis eben "Ultimate Ninja Storm 4" gespielt hat...

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 - Bla, bla, bla...

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Die Kämpfe sind fantastisch in Szene gesetzt worden. Also alles wie immer.
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Erschwerend kommt noch hinzu, dass nur die wenigsten Passagen animiert wurden und so folgt ihr acht Stunden lang hauptsächlich "Bla Bla" und Standbildern. Das ist alles andere als aufregend und wer für die gut inszenierte Geschichte gekommen ist, sollte sich die Möglichkeit vorstellen, lieber für die packenden Kämpfe zu bleiben und die Story zu überspringen...

Schönes Finale. Und schön, dass es vorbei ist.Fazit lesen

Kämpfe, bis der Gegner weint

Alte Hasen dieser Reihe brauchen sowieso kein Training mehr, da sich am Kampfsystem fast nichts geändert hat. Hier und dort hat man ein bisschen Feintuning betrieben und das Balancing wurde erneut minimal angepasst. Das mag bei einigen von euch jetzt für Jubelrufe sorgen und bei einem einfachen Ableger ist das auch überhaupt kein Thema, über das wir diskutieren müssten. Bei einem waschechten Nachfolger ist es allerdings etwas dreist. Um nicht zu sagen arm. Klar. "Never change a running system". Aber wenn ich das gleiche Spiel noch einmal spielen möchte, dann lege ich auch das gleiche Spiel ins Laufwerk. Dafür brauche ich kein weiteres Geld klingeln zu lassen.

Für Neulinge sei das Kampfsystem schnell erklärt: Ihr steht einem Gegner in einer recht offenen 3D-Kampfarena gegenüber. Im Normalfall verfügen beide Kontrahenten über zwei Helferlein, die ihnen im Kampf regelmäßig zur Seite stehen können. Ihr nutzt Fern- und Nahkampfattacken, die Möglichkeit des schnellen Sprints in jede Richtung und starke Spezialattacken, um eure Gegner in Bedrängnis zu bringen; außerdem gibt es bei vielen Charakteren das "Erwachen": einen unfassbar starken Modus, der durch unterschiedliche Voraussetzungen freigeschaltete wird und euch für einen Moment gigantische Kampfvorteile im Duell bringt.

Ihr könnt eine Zeit lang blocken und euch hinter den Feind teleportieren. Habt ihr diese Möglichkeiten zu oft genutzt, müsst ihr auf die Abklingzeit warten. In diesem Moment seid ihr Frischfleisch für den Gegner, der euch gnadenlos durch die Arena prügeln kann. Im Vergleich zu den Vorgängern läuft es in diesem Teil auch sehr viel stärker auf genau dieses Szenario hinaus.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 - Bla, bla, bla...

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Das Gequatsche in der Story-Kampagne hält leider keiner aus.
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Man umtänzelt sich so lange, bis einer den Fehler macht, seinen Tausch zuerst zu nutzen. Dann geht es los. Der Feind attackiert, und man teleportiert sich so lange hinter den anderen, jagt ihn via Sprint übers Feld und blockt, bis der, der zuerst eine solche Abwehr benutzt hat, keine Balken mehr hat. Dann wird er roh gefressen und wieder ausgespuckt und der Tanz beginnt von vorne.

Das war früher zwar bereits ähnlich, aber nie so deutlich der Casus knacksus wie im großen Finale der Naruto-Reihe.

Aber auch ein bisschen Lob

Abgesehen von den Selbstverständlichkeiten, wie den tollen Effekten und der unfassbaren Anzahl an spielbaren Charakteren, müssen wir auch mal mit Lob um uns werfen. Denn im Grunde sind die oberen Punkte auch schon die lautstärksten Vertreter der Contra-Sektion.

Die vielen spielbaren Figuren unterscheiden sich wieder erfreulich umfangreich. Sowohl in ihren Nah- und Fernkampfattacken, als auch in ihren Bewegungen, Reichweite, Geschwindigkeit, Jutsu, ultimativem Jutsu und ihrem Erwachen-Modus. Das macht Spaß. Wären die Kämpfe genauso vielfältig wie die Figuren es sind – dieser Teil könnte ein fantastisches Prügelspiel sein.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 - Bla, bla, bla...

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Dafür machen die Bosskämpfe wieder ordentlich Laune.
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Eine schöne Neuerung ist die Tatsache, dass wir mitten im Kampf unseren Anführer wechseln können und einen der Hilfscharaktere zum neuen Hauptstreiter machen. Das bringt eine Menge Dynamik in das Spiel und macht die Kämpfe wieder deutlich anspruchsvoller und abwechslungsreicher. Die Quick-Time-Events in den großen Story-Kämpfen sind allerdings auch wieder mit von der Partie. Aber hey, es gibt ja genügend Leute, denen so etwas gefällt.

Dank verschiedenen Modi wie den Turnierkämpfen und dem Überlebensmodus haben wir jedoch eine schöne Alternative zum Story-Modus, die wir auch sofort genutzt haben und bis jetzt nutzen, seit wir die Geschichte hinter uns gebracht haben. Hier liegt auch die wahre Stärke von "Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4".

Unterm Strich ist das Spiel fast so stark wie seine Vorgänger. Einige Sachen macht es besser, ganz wenige schlechter. Aber zwei Punkte müssen und werden hier noch einmal ausdrücklich betont: Anfänger laufen spielerisch dank des minimalistischen Tutorials vor eine große Ziegelwand und storytechnisch werden sie schlimmer zugequatscht als die X-Men bei einer Teeparty mit Deadpool. Und verstehen genauso viel. Auch das Finale dieser Reihe bleibt halt ein Leckerbissen für Naruto-Jünger und Prügelfans, die eine übersichtliche, fast schon einfache Steuerung bevorzugen, die jedoch bei den richtigen Spielern zu ungeahnter Komplexität finden kann.