Wer auf Facebook unterwegs ist und Anime-Seiten geliked hat, der kennt diese Art der Werbung möglicherweise: Werbung für Browser- und Mobile-Spiele auf Basis größerer Anime-Marken. Digimon, Pokémon, One Piece – kein Franchise bleibt verschont. Alles muss verwurstet werden, was möglicherweise einen Nostalgie-Trip hervorbringt oder sonst einen Wiedererkennungswert bietet. In meinem heldenhaften Wagemut habe ich mich in diese Hölle der Videospiel-Fakes und hirntoten Browser-Games begeben, damit ihr es nicht müsst. Heute geht es um: Naruto Online!

Anime

- Das große Anime-Serien-Voting 2.1
Voting startenKlicken, um Voting zu starten (85 Bilder)

Zu Beginn des Spiels wähle ich zunächst einen von fünf Charakteren als meinen Helden aus. Diese sind genauso generisch und stereotypisch wie es zu erwarten war: Ein aufmüpfiges Mädchen, ein Hitzkopf, eine übersexualisierte 14 jährige, ein selbstsicherer Hauptcharakter und mein virtueller Vertreter, der Emoboy von der Stange. Weiße Haare, dunkles Outfit, grimmiger Blick - perfekt für Leute, die mit 13 Jahren zu viel Green Day und Linkin Park gehört haben. Sein Name? EdgeBoi69. Wenn man schon mit so einem Charakter spielt, dann muss man dieser Figur auch gerecht werden!

Naruto Online - Wir haben Naruto Online gespielt, damit ihr es nicht müsst!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 24/261/26
Aber bitte mit Weltschmerz: Nachtklinge sollte alle ehemaligen Emos zufriedenstellen
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nun macht sich EdgeBoi69 also auf, der beste Ninja des Landes zu werden. Das kommt einigen Naruto-Fans wahrscheinlich bekannt vor, denn mein digitales Abbild spielt Narutos Werdegang nach. Wobei, das ist nicht ganz richtig: Genau genommen spielt er mit Naruto zusammen seinen Lebensweg nach. Ich nehme im Verlauf des Spiels an der Auswahl- und Chu-Nin-Prüfung teil, trete gegen Zabuza und andere bekannte Gegner an. Wie es storytechnisch möglich ist, dass das berühmte Team 7 jetzt aus vier statt drei Mitgliedern besteht, darauf gibt das Spiel keine Antwort. Dafür schmeißt es mich zu mit Tutorials. Tutorials, die vollkommen unnötig sind.

Klick dich tot

Naruto Online spielt sich aus einer Top-Down-Perspektive und mit der Maus. Wie in einem Adventure klicke ich dorthin, wo sich EdgeBoi69 bitte hinbewegen soll. Kommt es zu einer Kampfsituation, könnte ich auch die Tastatur nutzen, um meine Angriffe per Hotkey auszuwählen, aber da Naruto Online sich vom Schwierigkeitsgrad her irgendwo zwischen dem Tutorial aus Pokémon und dem ersten Level aus Kirby und das Magische Garn ansiedelt, ist das gar nicht nötig. Zudem weil die normalen Angriffe automatisch ausgeführt werden, lediglich Spezialattacken muss ich selbst anklicken. Diese haben eine Wartezeit, verbrauchen Chakra und sehen, zugegeben, ganz nett aus. Allerdings sind sie von wenig nutzen.

Sehr positiv denkende Menschen würden behaupten, dass Naruto Online eben sehr intuitiv und einfach gehalten ist. Ich hingegen sage, dass es die strategische Tiefe von Cookie Clicker besitzt.

Naruto Online - Wir haben Naruto Online gespielt, damit ihr es nicht müsst!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Alles automatisch: Das Kampfsystem in Naruto Online
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sobald ich den Tutorial-Level verlasse, befinde ich mich in Konohagakure, dem Heimatdorf von Naruto und seinem Freundeskreis. Ich sehe doppelt, nein, dreifach, nein, fünfzigfach: Lauter Menschen die exakt den gleichen Charakter ausgewählt haben wie ich. Aus fünfzig echten Spielern haben in etwa 44 das Aussehen unseres EdgeBois ausgewählt. Auweia. Nachdem ich im Dorf umher renne um Quests anzunehmen und wieder abzugeben (Fetch-Quests waren ja schon immer das beliebteste Gameplay-Element eines jeden Rollenspiel-Fans), levele ich mich langsam nach oben. Zudem stoßen Naruto, Sasuke und Sakura zu meinem Team hinzu. Hurra.

Kennt ihr das, wenn ihr in einem Rollenspiel bei einer Herberge Halt macht und auf die A-Taste schmettert, damit der ewig gleiche, nervige Dialog endlich vorübergeht und ihr euch zurück in die spannenden Kämpfe stürzen könnt? Naruto Online ist genau das. Nur ohne den letzten Teil. Also, all das nervige Geklicke ohne Spaß. Mein Spielablauf besteht zu 80% daraus, irgendwo hinzurennen und Gegenstände abzuliefern. Ist das der Sinn eines Ninjas? Ein altertümlicher Postbote zu sein? Nein, hier breche ich hab. Gut zweieinhalb Stunden hat es gedauert, aber ich habe endgültig genug von Naruto Online. Die öden Kämpfe, das billige Gameplay – es gibt nichts, was mich an diesem Spiel fesselt. Da schaue ich mir lieber 100 Folgen Füll-Episoden des Naruto-Animes an!

Kurzgefasst: Naruto Online ist stinköde und würde ohne die Lizenz gnadenlos untergehen. Wenn ich meine Zeit sinnlos verschwenden will, dann kann ich auch genauso gut Farbe beim Trocknen oder dem Hamburger Sportverein beim Kicken zuschauen. Dieser Titel setzt die Messlatte für Online-Games in die Untiefen des Marianengrabens. Deshalb, liebes Naruto Online: Klick dich ins Knie!