Wir waren für euch in Hamburg, um einen ersten Blick auf Napoleon, den neuesten Ableger der „Total War“-Reihe, zu werfen. Im Marschgepäck des wohl berühmtesten Korsen befinden sich einige Neuerungen: So spielen Generäle eine wichtigere Rolle als in den Vorgängern, die KI wurde spürbar verbessert und die Grafik der „Empire: Total War“-Engine wurde deutlich aufpoliert.

Doch wird das reichen, damit wir uns begeistert der Grande Armée anschließen und einen Sturm über Europa und Nordafrika entfesseln?

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Mit Empire: Total War verließ man bei Sega das finstere Mittelalter und widmete sich dem Übergang zum Zeitalter der Musketen und Kanonen. Glanz und Gloria prägten die Ära des Seekrieges und der Linieninfanterie. Doch der technische Fortschritt nahm den erbitterten Schlachten in Reih und Glied schnell die Magie, die sie anfangs verübten. Statt goldener Epauletten assoziierte man eiserne Bajonette mit den Schlachtfeldern und die Verlockungen des Ruhmes versanken im Realismus des Todes.

Napoleon: Total War - Total fortgesetzt: Der Imperator schlägt zurück

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Der neueste Teil von Total War nimmt sich des wohl berühmtesten Feldherrn der Geschichte an.
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Nichtsdestotrotz versank Europa im Krieg, und schuld daran war ein recht klein geratener Korse mit riesigen Ambitionen. Napoleon Bonaparte wollte nichts Geringeres als die Herrschaft über die gesamte bekannte Welt.

Mit dem Aufstieg des historischen Stehaufmännchens, das sich durch keinen noch so harten Rückschlag von seinen Vorhaben abbringen ließ, beginnt auch das Tutorial, das in der kurzen Demonstration nur am Rande erwähnt wurde. Doch schon dieses soll echtes Kampagne-Flair versprühen, denn Zwischensequenzen verbinden die Missionen, die aus uns einen großen Feldherrn formen sollen. Darauf folgen Kampagnen in Nordafrika, Italien und Europa, deren Verlauf je nach Geschick des Spielers nicht unbedingt den historischen Tatsachen folgen muss.

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Per Steam Drop-In können jederzeit echte Spieler die KI ersetzen.
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Spannend dabei sind die so genannten Drop-In-Games. Kommt es zu einer größeren Schlacht mit mindestens zehn Einheiten pro Seite, kann die Rolle der KI wahlweise über Steam online an einen anderen Spieler vermittelt werden. Doch das wird zumindest für Durchschnittsspieler nicht nötig sein, um den Schwierigkeitsgrad hoch zu halten, denn die KI in den Schlachten hat sich grundlegend verändert und wirkt wesentlich glaubwürdiger als in den vorhergegangenen Teilen.

Anstatt wie zuvor mit der Gesamtheit der Truppen nur ein großes Ziel zu verfolgen, teilt der Computer seine Armee neuerdings auf, um mehrere kleinere Aufgaben in Angriff zu nehmen. So werden Straßen, Deckungsmöglichkeiten und strategische Punkte wie Brücken erbittert umkämpft, während man jeder Zeit Flankenangriffe und ähnlich ausgefeilte Manöver erwarten muss.

Die Kanonen von Gizeh

Der Wiedererkennungswert der Schlachtfelder geht dabei immer wieder über bloße Landschaftdesigns hinaus: Während der Präsentation konnten wir beispielsweise eine Schlacht vor den Pyramiden von Gizeh bewundern, selbst die Sphinx steht an Ort und Stelle und lässt sich durch die Artillerie stilecht demontieren. Die Einschläge der Kanonen sehen noch deutlich beeindruckender aus als in Empire, Druckwellen breiten sich aus, Soldaten wirbeln durch die Luft und die Explosionen hinterlassen sogar kleine Krater, die Truppen auf ihrem Weg ausbremsen und die Moral senken, wie 23 andere Ereignisse auch.

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Die Schlachtfelder sind realen Vorbildern nachempfunden.
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Doch auch Sandstürme, die die Schussfrequenz und Zielgenauigkeit der Soldaten beeinflussen, machen einiges her. Nachteile wie extreme Hitze oder Kälte beeinträchtigen darüber hinaus viele Soldaten. Ausgenommen davon sind Spezialisten wie die Angehörigen der Legion Dromadaire oder auch Beduinen, die sogar Hinterhalte legen können.

Er kommt und sieht jetzt schon verdammt siegessicher aus: Der kleine Korse scheint die wichtigsten Kritikpunkte von Empire: Total War hinwegzufegen.Ausblick lesen

Auch im verschneiten Austerlitz spielt die überarbeitete Partikeldarstellung ihre Stärken aus. Wir werden Zeuge wie die Artillerie, der ein wesentlich höherer Stellenwert eingeräumt wird als noch in Empire, Kavalleristen aufreibt. Reiter können jetzt vom Pferd geschossen werden oder auch in den Steigbügeln hängen bleiben. Die Vielfalt an Animationen und Modellen wurde bei bis zu 10.000 Soldaten auf dem Feld noch einmal erhöht.

Von den insgesamt 355 Einheiten existieren jeweils 64 Varianten, wobei sich Uniformen und Gesichter von Soldat zu Soldat ändern. Sollte die bunte Truppe einmal so sehr demoralisiert sein, dass sie die Flucht antritt, könnte ein General helfen. Die Offiziere können auf Knopfdruck die eigenen Truppen zu Höchstleistungen anspornen.

Kein Waterloo zu erwarten

Im Gegensatz zu den früheren Spielen der „Total War“-Serie tauchen keine x-beliebigen Generäle auf, sondern jede Nation verfügt über eine begrenzte Zahl an Oberbefehlshabern, die es tatsächlich gab und die den realen Vorbildern nachempfunden sind. Wie gehabt lassen sich die wertvollen Offiziere auf dem Schlachtfeld niederschießen oder auf der rundenbasierten Kampagnenkarte per Attentat ausschalten.

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Die Seeschlachten sind wie immer ein Hingucker.
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Stirbt ein General, ist er tatsächlich endgültig tot, mit etwas morbidem Fleiß lässt sich so eine ganze Nation führerlos machen. Die einzige Ausnahme: Bonaparte selbst. Fällt der Mann mit Mantel und Hut vom Pferd, rappelt er sich einige Zeit später in Paris wieder auf.

Ob er dabei sein persönliches Waterloo erlebt oder nicht, liegt an euch. Versagt ihr in der Kampagne, reißen Wellington und Blücher euch den Allerwertesten auf, spielt ihr so gut, dass ihr einen Bogen um die Mutter aller Niederlagen in Belgien machen könntet, dürft ihr die Schlacht aufgrund ihrer historischen Tragweite trotzdem spielen – wenn ihr denn wollt. Die Kampagnenkarten im Rundenmodus zeichnen sich dank der kleineren Maßstäbe durch ihre Detailgenauigkeit aus.

So sind alle wichtigen Alpenpässe und Wälder vorhanden und ermöglichen strategische Manöver. Auf den Karten gibt es vier Jahreszeiten, wobei beispielsweise im tiefsten Winter oder in der Wüstenhitze Soldaten sterben, wenn sie sich nicht in Städten mit Nachschubgebäuden befinden.

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Generäle können dieses Mal endgültig sterben.
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Aufgefüllt werden die Truppenbestände nicht mehr wie bisher gegen Gold über zwei Runden, wobei eine Runde im Spiel zwei Wochen repräsentiert, sondern automatisch und je nach Ausbaustufe der Nachschubinfrastruktur der Stadt über mehrere Spielzüge. Neue Soldaten lassen sich im Ausland auch nicht so einfach ausheben. Statt mit spezialisierten Franzosen muss man in Ägypten beispielsweise mit afrikanischen Einheiten Vorlieb nehmen.

Eroberte Städte reagieren übrigens je nach Art der Eroberung auf ihre Besetzung. Plündert ihr die Siedlungen, sind Aufstände gewiss. Schickt man hingegen einen Gentleman, neben dem Spion, der jetzt über Informationsnetzwerke nach einiger Zeit ganze Provinzen ausspäht und Feinde sabotiert, eine Spezialeinheit aus intellektuellen Bildungsstätten, kann die Übernahme ganz anders aussehen.

Ottomanen? Find’ ich gut

Gentlemen nutzen Pamphlete, um in den Städten des Feindes für eine pro-napoleonische Stimmung zu sorgen. Ziehen unsere Truppen dann in die feindliche Stadt ein, werden wir als Befreier gefeiert. Neben intellektuell geprägten Städten kann man die Orte auch nach wirtschaftlichen oder industriellen Schwerpunkten ausbauen, Lage und Nutzen müssen geschickt abgewogen werden.

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Wie schon im Vorgänger sieht das Geschehen auch aus der Nähe sehr detailliert aus.
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Das Diplomatiemenü bleibt wie gewohnt verhältnismäßig statisch, dafür lassen sich jetzt auch negative Bedingungen vereinbaren. So sind Embargos und Allianzbrüche als Vertragsinhalt möglich und erstmals lässt sich ein Kriegsbeistand ohne bestehende Allianz aushandeln. Der Vorteil an diesem System: Man könnte beispielsweise England über Embargos auf dem Festland vom Nachschub abschneiden und so auf diplomatischem Wege zur Kapitulation zwingen.

Neben Frankreich sollen Preußen, Österreich, Russland und England spielbar sein, eventuell auch die Ottomanen. Ob letztere es tatsächlich ins Spiel schaffen, steht jedoch in den Sternen. Durch die Beschränkung auf wenige Nationen gibt es keine generischen Einheiten mehr. So hat zwar jedes Land seine Linieninfanterie, diese unterscheidet sich jedoch deutlich von der der Konkurrenten. Franzosen sind beispielsweise technisch besser ausgestattet, während die Briten eine bessere Moral im Kampf gegen den Erzfeind beweisen.

Auch die Einheiten einer Armee sind spezifischer. Kleine Grenadiergruppen dienen als Sturmtruppen und würden im offenen Feld gegen Linieninfanteristen unterliegen und Scharfschützen haben jetzt eine deutlich höhere Reichweite. Treffen die Verbände aufeinander, merkt man ganz deutlich, dass man sich bei Creative Assembly klassische Schlachtengemälde als optisches Vorbild genommen hat. Die Ölschinken wurden zum Beispiel zu Rate gezogen, um die Dichte des Pulverdampfes abschätzen zu können.