Namco Museum Battle Collection (PSP Review)
von Jörg Pitschmann

Eigentlich ist es ja schon merkwürdig: da geben wir viel Geld aus, um spieletechnisch auf dem Stand der Dinge zu sein - und alles nur, um uralte Automatengames auf der neuesten Hardware zu zocken.

Doch der Wahnsinn hat Methode, und Retro ist in. So oder ähnlich dachten wohl auch die Jungs von Namco und beschlossen, der Zockerwelt die volle Dröhnung 80'er zu geben. »Namco Museum Battle Collection« heißt das Ergebnis, und wir haben unsere ältesten Mitarbeiter mal auf einen Museumsbesuch geschickt.

Geile Teile
Wir geben es zu. Auch wir haben unsere sentimentalen Seiten und verdrücken gelegentlich das eine oder andere Tränchen. Sei es, weil der Releasetermin von »Stalker« vermutlich mit dem von »Duke Nukem Forever« - Winter 2666 - zusammenfallen wird, oder sei es, weil wir angesichts von schon längst vergessen geglaubten Spieleklassikern in Erinnerungen an geschwänzte und in der Spielhalle verbrachte Schultage schwelgen.

Genau das passiert zumindest vermutlich bei den meisten reiferen Zockern, die Namcos kleine Gamescollection für die PSP in Händen halten.

Namco Museum Battle Collection - Geile Teile, reif für das Museum: Die alten Automatenhits auf der PSP!

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Und das verwundert auch angesichts solcher Perlen wie »Dig Dug«, »Galaxian« oder dem guten, alten »Rolling Thunder« nicht weiter. Daneben stehen auch Spiele auf der virtuellen Speisekarte, die weniger bekannt und zum Teil auch weniger gut sind. Wer beispielsweise bislang noch niemals etwas von »King and Balloon« gehört hat, sollte das nicht als Bildungslücke verbuchen, denn das Teil läuft eher unter der Rubrik »kann man mal anzocken« und ödet nach wenigen Minuten an. Davon einmal abgesehen, ist die Gesamtzusammenstellung aber gelungen. Neben den schon genannten Titeln finden sich noch »Dig Dug II«, »Bosconian«, »Rally-X« und »New Rally-X«, »Galaga«, das gute, alte »Pac-Man«, »Motos«, »Grobda«, »Dragon Buster«, »The Tower of Druaga« sowie »Mappy« und »Xevious« auf der UMD.

Packshot zu Namco Museum Battle CollectionNamco Museum Battle CollectionErschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Als besonderes Schmankerl haben die Entwickler übrigens noch neue, überarbeitete Versionen der Titel »Dig Dug«, »Galaga«, »Rally-X« und »Pac-Man« beigesteuert.
Dabei wurden jeweils Grafik und Sound runderneuert, die Spiele als solche allerdings unverändert belassen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben, denn altmodisch und spießig, wie wir nun einmal sind, fanden wir das unnötig. Stattdessen hätte man eher noch ein paar weitere Originale auf die UMD pressen sollen. So wirkt das Ganze eher wie Stückwerk und die Gründe, warum ausgerechnet nur die vier genannten Titel zusätzlich in neuer Fassung vertreten sind, bleiben wohl in den Untiefen der Entwicklergehirne verborgen.

Taschenspiele
Wahrscheinlich bräuchten wir für die älteren unter unseren Lesern keinerlei Inhaltsbeschreibungen der meisten Spielchen zu liefern. Denn wer ab 1980 nicht mehr aktives Mitglied einer progressiven Krabbelgruppe war, sondern seine freie Zeit damals schon in übel beleumundeten Spelunken mit Spielautomaten verbracht hat, wird vermutlich einige der Teile selbst gezockt haben.

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Bekanntester Vertreter der Spieleriege dürfte fraglos das gute, alte »Pac Man« sein. Es handelt sich um das unverschnittene Original. Damals wie heute frißt man sich mit einer kleinen, gelben Kugel durch labyrinthartige Levels und nimmt Reißaus vor bösen Gespenstern. Das funktioniert heute wie damals immer noch perfekt und garantiert kurzweiliges Spielvergnügen.

»Dig Dug« und sein Nachfolger sind sicherlich ebenfalls noch bestens bekannt. Spielziel in beiden Titeln ist es, kleine Monster zu erledigen, die in unterirdischen Höhlen wohnen.

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Dazu pumpt man die Biester entweder auf, bis sie platzen, oder man läßt ihnen Steine auf den Deckel dotzen, indem man unterirdische Wege so gräbt, daß die Felsen genau in dem Augenblick durchbrechen, wenn die Monsterchen darunter hindurchhuschen. Auch »Rally-X« dürfte vielen noch sehr bekannt sein. Es handelt sich um eine militante Raserei, bei der nur eins zählt: das eigene Überleben. Also ein Spiel, das auch zweieinhalb Jahrzehnte nach seinem Erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt hat. Zumindest, wenn man den Berliner Berufsverkehr als Maßstab nimmt. Andere Vertreter wie zum Beispiel der Weltraumshooter »Bosconian« oder das wenig erfolgreiche »Tower of Druaga« waren schon zu ihrer Zeit nicht unbedingt die Renner.Warum Namco neben den vielen echten Hits der Achtziger auch solche Gurken auf die Scheibe gepackt hat, will sich uns nicht erschließen. Doch, wie schon erwähnt, wirkt die Kollektion als solche stimmig, so daß auch einige weniger gute Titel zu ertragen sind. Erfreulich ist übrigens, daß die alten Spielregeln ebenfalls unverändert übernommen worden sind, und auch die Steuerung erweist sich dank des guten Handlings der PSP als absolut problemlos.

Natürlich verwundert es niemanden, daß sich alle Spiele komplett mit maximal vier Tasten steuern lassen, denn schließlich waren ja auch die Hallenkonsolen jener Zeit nicht gerade Komplexitätsmonster, was ihre Bedienung betraf. Die alte Tradition, daß man mit einem Kumpel gemeinsam die Games zockte, indem jeder zwei der Knöpfe bediente und man sich die Kommandos gegenseitig um die Ohren brüllte, kann man angesichts der Handheldgröße allerdings getrost vergessen.Das funktioniert bestenfalls bei jungverliebten Pärchen, die sich gemeinsam und kuschelig über eine PSP beugen und ein Spiel zusammen steuern. Und welches jungverliebte Pärchen käme schon auf die Idee, beim Kuscheln ausgerechnet mit einer PSP zu spielen? Eben, da werden wohl eher ganz andere Knöpfchen gedrückt und Dinge fest umklammert.

Mehr Spieler
Um den verwöhnten Neuzeit-Kids dennoch selbst bei Vatis Uraltgames ein Multiplayer-Erlebnis zu spendieren, haben die Jungs von Namco einigen Spielen einen WLAN-Modus spendiert. Das ist auch die echte einzige Neuerung gegenüber den Originalen. Beim Ausprobieren klappte das Zusammenspiel zweier Konsolen auch klaglos, allerdings nur miteinander. Wer seinem geschätzten Mitspieler mal so richtig historisch auf die virtuelle Nase geben möchte, geht leer aus. Denn für ein echtes Gegeneinander waren die Spiele damals nicht ausgelegt und sind es auch in ihrer PSP-Wiedergeburt nicht.

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Ebensowenig sollte man darauf spekulieren, irgendeines der Games bis zum Ende durchzuzocken, um vielleicht einen niedlichen Abspann zu sehen. Es gibt nämlich kein Ende. Die meisten Automatengames waren von jeher auf das Erzielen von Highscores ausgelegt, nicht auf Sieg oder Niederlage über andere Mitspieler oder das Durchlaufen einer Handlung. Insofern geht es beim gemeinsamen Zocken auch nur darum, wer die höchsten Punktzahlen erzielt. Aber gerade das macht einen Großteil des Reizes aus, denn spielerischer Erfolg wird hier nicht, wie so häufig, durch das Erledigen der verehrten Mitbewerber erzielt.

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Entscheidend ist ausschließlich, wer am längsten gegen den Automaten durchhält.

Negativ anzumerken ist allerdings, daß alle Teilnehmer einer gepflegten Multiplayer-Session die UMD in ihrem Laufwerk haben müssen. Das ist ärgerlich, denn Nintendo hat bereits vorgemacht, daß Multiplayerpartien bei Handhelds auch mit nur einem Modul möglich sind. Immerhin können auch zwei Spieler hintereinander an einer PSP spielen. Das lindert den Frust und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein weiterer Punkt der Kritik dürfte für viele Zocker die Grafikqualität sein. Der Grund ist ebenso einleuchtend wie unvermeidbar.Denn da es sich, wie gesagt, um unveränderte Originale handelt, wurde auch die seinerzeit übliche Klötzchengrafik übernommen. Das macht zum einen zwar den Charme der historischen Spielesammlung aus, hat aber auf der anderen Seite auch einen gravierenden Nachteil.

Denn die bunten Klötzchen kamen dereinst auf großen Bildschirmen zum Einsatz, auf dem vergleichsweise winzigen Display der PSP führen sie dazu, daß teilweise Dinge schwerer zu erkennen sind. Das wird besonders im Vergleich zu den vier Neuversionen deutlich, da sich diese natürlich an den technischen Gegebenheiten der Gegenwart orientieren. Gleiches gilt natürlich auch für die akustische Untermalung, denn die verwöhnte in seligen Acht-Bit-Zeiten mit quäkigem Gezirpe und Gefiepe nicht gerade unsere Trommelfelle. Auf der anderen Seite gehört eben auch das zu einer echten Reise in die Vergangenheit der Computerspiele. Und dafür nimmt man auch gerne mal einen kleinen Hörsturz in Kauf, oder?