Oft können sich Entwickler von Rennspielen nicht so richtig entscheiden: Machen wir eher eine Simulation oder einen Arcade-Racer? - und eiern dann mit einem schwammigen Mischmasch herum, der keinen befriedigt.

Techland hat es sich mit dem Offroader Nail‘d einfach gemacht und setzt voll auf die Fun-Schiene, auf Realismus pfeift das polnische Studio (u.a. Call of Juarez) und fackelt eine extrem rasante, vorweihnachtliche Spaßwunderkerze ab, die leider etwas zu schnell verglimmt.

nail’d - Über Stock und Stein

Wahnwitzige Parcours

Fangen wir daher mit den Negativpunkten an, denn der Grund für diese Kurzlebigkeit liegt im viel zu geringen Umfang des Spiels sowie den variationslosen Strecken und Rennen. Insgesamt gibt es beispielsweise nur zwei Vehikel: einen ATV-Quad und ein MTX-Bike, die sich spielerisch auch nur marginal voneinander unterscheiden. Im Verlauf der Wettkampf-Kampagne schaltet ihr zwar für beide Fahrzeuge neue Teile und Lackierungen frei, mit denen ihr die Fahrzeuge in bestimmten Kategorien aufpimpt. Aber dieses Tuning beeinflusst die Fahrleistungen kaum.

nail’d - Nageln mit Köpfen: Hauptsache Spaß dabei

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Bei einigen Abfahrten kann empfindlichen Naturen ganz schön schwummrig werden.
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Auf der anderen Seite wären die extrem variantenarmen Strecken zu nennen. Lediglich vier Hauptkurse in leicht abgewandelten Ausgestaltungen bietet Nail‘d an, das ist einfach zu wenig, um über längere Zeit motivieren zu können. Allerdings machen die Pisten, die euch nach Arizona, Griechenland, Yosemite und in die Anden führen, mit ihrer halsbrecherischen und sehr hübschen Gestaltung einiges wieder wett: Ihr brettert nicht nur plump durch Matschpfützen und über steinige Felshänge hinweg. Nail‘d jagt euch über eine wahnwitzige, teils lebendige Landschaft.

Plötzlich fahren euch Schwerlasttransporter entgegen, ihr springt über von Hubschraubern getragene Plattformen, über Heißluftballons und Windräder, rast mit unglaublicher Geschwindigkeit über Aquädukte und dichte Wälder, fahrt durch Belüftungs- und Eisenbahntunnel und weicht dabei entgegenkommenden Zügen aus - ganz großes Kino! Aber ich will mehr davon, denn nach einigen Stunden habe ich praktisch schon alles gesehen, alle Wettkämpfe ähneln sich von wenigen Ausnahmen abgesehen (Rennen mit Modifikatoren, wie unendlich Boost), die Kampagne wirkt künstlich in die Länge gezogen.

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Die Strecken sind hübsch und organisch gestaltet und bieten zahlreiche Alternativrouten, leider gibt es insgesamt zu wenig Abwechslung.
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Ich will mehr Momente wie diesen, in dem ich mit einem der wirklich unglaublichen Sprünge nicht nur Hunderte Luft- und Höhenmeter zurücklege, sondern plötzlich ein Jumbojet neben mir auftaucht oder ein Hubschrauber quer ins Bild fliegt, nur damit ich durch einen flammenden Kreis springen kann, der mir einen Extraboost verschafft.

Vor allem in den ersten Stunden bereiten die halsbrecherischen Sprünge und wahnwitzigen Parcours mächtig Spaß!Fazit lesen

Wer aber auch nur eine Zehntelsekunde zu spät kommt, knallt mitunter voll in eine Felswand, in einen Baum oder eben in den Truck. Und da kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Die Fehlerabfrage für Kollisionen ist viel zu sensibel, gelegentlich genügt schon ein imaginäres Steinchen, um das Gefährt zur Explosion zu bringen oder an der Wand zerschellen zu lassen.

Irgendwas fährt schief…

Für sich genommen wäre das noch nicht einmal so schlimm, denn die Bestrafung für Unfälle ist in Nail‘d ziemlich mild. Doch es geht auch andersherum: Im Wirrwarr der vielen Alternativwege und Hindernisse, monströser Sprünge und plötzlicher Abzweigungen verpasst man auch schon mal eine Durchfahrt und landet abseits der Strecke. Anstatt nun aber in einem Feuerball zu vergehen und wieder auf der Piste zu landen, eiert das Gefährt sekundenlang über Felsen oder Gräser, bis das Spiel endlich merkt, dass irgendwas schiefläuft.

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Die waghalsigen Sprünge sind absolut sehens- und spielenswert.
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Hier ärgert ihr euch dann wirklich über die Crashs und sinnlos verplemperte Zeit, denn die KI-Konkurrenten sind meist nicht allzu weit entfernt und bieten auf dem normalen Schwierigkeitsgrad eine beachtliche Gegenwehr (auf „leicht“ gewannen wir hingegen auch Rennen, ohne je den „Boost“ einzusetzen).

Glücklicherweise bietet Nail‘d deutlich mehr Spaß als Verdruss, Momente wie diese sind zwar ärgerlich, dominieren jedoch nicht. Im Gegenteil - das abstruse Racing fesselt, solange die Tracks frisch sind, mit seiner phänomenalen Geschwindigkeit und den wirklich tollen Sprungpassagen, in denen wir nicht nur sehr große Distanzen überwinden, sondern auch schon mal „um die Ecke“ springen. Erst nach einigen Runden offenbart sich uns die beste Route für unseren Fahrstil, entdecken wir plötzlich Nebenwege, die uns schneller zum Ziel führen.

All das bleibt beherrschbar, weil Techland den beiden Vehikeln eine sehr eingängige Steuerung verpasst hat und gleichzeitig größtenteils auf Fahrphysik verzichtet. So brettern wir zwar teilweise mit einem treibenden (aber sich zu häufig wiederholenden) Rocksoundtrack der Marke Rise Against und Slipknot wie bei Mario Kart über die Buckelpisten, verlieren aber auch in der Luft praktisch nie die Kontrolle über die Fahrzeuge.

Zeitweise verkommt das Rennspiel mehr zu einer Art Reaktionsspielchen, weil die Hindernisse mit einem Höllenspeed auf uns zuschießen und wir uns nur noch darauf konzentrieren, „am Leben zu bleiben“. Aber das macht trotzdem eine Menge Laune.

Das gilt auch für den Mehrspielermodus, der bis zu zwölf Rasern gleichzeitig Raum für extravagante Sprünge und ein paar simple, oberflächliche Tricks bietet. Schließlich ist es auch möglich, sich gegenseitig von der Strecke zu schubsen und damit ein paar Sekunden auf die Konkurrenz gutzumachen. Aber auch hier bieten drei Modi letztendlich zu wenig Abwechslung, um länger vor den Bildschirm zu fesseln.