N-Gage - Visionen oder Illusionen des Mobile Gaming?

Nokia hatte nach Barcelona gerufen um die Fachwelt und damit die Öffentlichkeit über zukünftigen Pläne und den derzeitigen Stand zum Gaming-Handy »N-Gage« zu informieren. Gekommen waren Journalisten und Entwickler aus über 30 Ländern und diese bekamen

eine geballte Ladung Informationen zur Next-Generation des Mobile Gaming sehen und zu hören, wie Nokia es sich vorstellt.

Im Mittelpunkt der Präsentationen stand natürlich die Gaming-Funktion des N-Gage, der zum Zeitpunkt des PR-Events seinen zweijährigen Geburtstag beging und bisher etwa

zwei Millionen Mal verkauft werden konnte. Das Event stand ganz im Zeichen von Evolution und Expansion, also der Weiterentwicklung der N-Gage-Plattform und wie dieses Ziel erreicht werden soll. Insgesamt soll es mittlerweile über 50 Spiele geben und 500.000 registrierte Nutzer der so genannten N-Gage-Arena, wo sich Gamer treffen können und gegeneinander antreten dürfen.

Nach einem kleinen Rückblick, der die immense qualitative Verbesserung des mobilen Gamings von der Snake-Ära bis hin zu Spielen wie "Call of Duty" veranschaulichte, wandte man sich auf der Veranstaltung vollkommen der Zukunft zu. Auch hier wird, wie bei den großen Konsolen-Brüdern, gerne das publikumswirksame Schlagwort "Next-Generation" verwendet, mit dem die Weiterentwicklung des N-Gage und dessen Expansion auf andere Mobile-Plattformen in den Blickpunkt gerückt werden soll. Bis zum Jahr 2007 peilt Hersteller Nokia als Zielgröße an, N-Gage Spiele mithilfe der Software-Portierung auf etwa 10 Millionen Handys

NGage-Event Barcelona

>> Die Spielevorstellungen auf dem Event

>> Interview mit Gerard Wiener (Vize-Präsident Games Business Programm Nokia)

>> Interview mit Timo Toivanen von Nokia (zur Civilization-Version für den NGage)

verfügbar zu haben, was sie als "Install-base" bezeichnen.

Dabei steht als Eckpfeiler vor allem die Entwicklung der N-Gage-Software als plattformunabhängiges System im Vordergrund. Damit soll erreicht werden, dass die N-Gage Spiele zukünftig nicht nur auf der Hardware des N-Gage abgespielt werden können, sondern auch auf möglichst vielen anderen Smartphones funktioniert. Auf diese Weise will das Unternehmen den potenziellen Käufer-Markt erweitern, ohne in die Weiterentwicklung der Hardware zu investieren. Auf der Hardware-Seite des Gerätes soll sich zunächst nicht
viel ändern, eine neue Version wird es vermutlich frühestens 2007 geben, bis dahin soll nur die Software weiter entwickelt werden. So wird es demnächst eine aktuelle Variante der Launcher-Software geben, die auf Versionsnummer 2.5 angehoben wird.

Der "Launcher 2.5" wird vor allem ein Feature unterstützen, das als "Always On" bezeichnet wird. Damit ist gemeint, dass auf Wunsch des Benutzers eine permanente Verbindung zur Arena hergestellt wird ("Extended Presence"), sodass auch neue Features wie Online-Alerts, (Group-)Chats, Friend-List, Rankings usw. genutzt werden können, ohne sich ständig einloggen zu müssen. Außerdem soll die neue Version das Abspielen von raubkopierter Software verhindern.

Ein weiterer Pfeiler der N-Gage Expansion soll in Zukunft unter dem Markennamen "SNAP" die Smartphones erobern. Damit will Nokia die Möglichkeiten von Java-basierten Online-Games ausweiten (Online Java Game Community) und

den Entwicklern eine kostenlose Plattform bieten, mit deren Hilfe nicht nur für Nokia-Geräte Spiele produziert werden sollen. Mit diesen einfachen, aber kurzweiligen Spielen wie z. B. Pool-Billard sollen die "Casual Gamer" - Gelegenheitsspieler - angelockt werden.

Diese sollen mit Features wie persönlichen Avataren, AI-Bots, mit denen man spielen kann, wenn gerade kein Partner erreichbar ist und Upload und Download von neuen Inhalten bei der Stange gehalten werden. Das kostet dann allerdings monatliche Abo-Gebühren. Das Branding kann von den Mobilfunkanbietern dabei Nokia-bzw. N-Gage unabhängig betrieben werden. Nokia möchte auf diese Weise am Lizenzhandel mitverdienen. Nicht nur der Launcher 2.5 und SNAP setzen vermehrt auf dauerhafte Onlineverbindungen fürs Gaming, auch einige neu vorgestellte Spiele benötigen eine solche Handy-Flatrate wie es sie in den USA schon seit längerer Zeit gibt, in Deutschland aber (noch?) nicht angeboten wird.

N-Gage Event Barcelona - N-Gage - Visionen oder Illusionen des Mobile Gaming?

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Drei dieser Games wurden näher vorgestellt, wobei sich aber alle noch in Entwicklung befinden und erst im nächsten Jahr veröffentlicht werden sollen. "Habbo Hotel" soll in 16 Ländern schon beachtliche Erfolge vorzuweisen haben und vier Millionen Besucher monatlich mit über 30 Millionen Charakteren verzeichnen. Der Ableger "Habbo Island" wird das erste mobile Game, das sich mit der bekannten Habbo Hotel Community verbinden kann.

"Habbo Islands ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Nokia sein Spiele-Portfolio hin zu neuen, innovativen und aufregenden Gebieten erweitert. Da Habbo Hotel eine außerordentlich erfolgreiche Online-Community ist,

glauben wir, dass diese Zusammenarbeit neue Fans für N-Gage begeistern wird", sagte Gregg Sauter, Director, Games Publishing bei Nokia, in Barcelona.

Als weitere Neuerung wurde "Hinter Wars" (kein Schreibfehler) vorgestellt, das als ein RPG in einer Art Manga-Style entwickelt wird. Das Spiel wird sowohl als PC als auch in einer N-Gage-Version erhältlich sein und von beiden Plattformen gleichzeitig als Online MMO spielbar sein. N-Gage Gamer werden allerdings mit einem deutlich kleineren Ausschnitt der Spielwelt vorlieb nehmen müssen - kein Wunder, ist der Handheld-Screen doch deutlich kleiner als der Bildschirm eines PCs.Die wichtigsten Game-Anzeigen sollen jedoch für beide Plattformen ähnlich sein. Mit diesem Spiel will Nokia den mehr als eine Mrd. Dollar schweren MMO-Markt in Asien knacken. Dabei wird der Client kostenfrei downloadbar sein, für das Spielen wird jedoch gezahlt werden müssen.

Last, but not least wurde ein kleiner Vorgeschmack auf "Shadow Born" gegeben, das den Spieler in die Welt der Mitternachtsgestalten eintauchen lassen wird. Vampire, Werwölfe und andere finstere Gestalten werden auf dem N-Gage ihr Unwesen treiben. Als Neuheit wird das Rollenspiel die Gamer auf Wunsch über fortlaufende Ereignisse hinweisen, wenn er das Spiel im Hintergrund weiterlaufen lässt. Per Messenger oder Kalenderfunktion wird dieser dann auf verschiedene Geschehnisse hingewiesen und kann darauf reagieren.

Andere, zum Teil auch von der anwesenden Medienzunft eher belächelte Zukunftsperspektiven des Mobile-Gaming wurden von demNokia Research Center aufgezeigt. Dazu gehören z. B. Interaktionen, die die Kamerafunktion des Handys ins Gameplay integriert (z. B. Drehen des Handys, um Bewegungen zu imitieren) oder auch Wireless Gamepads oder Wireless Motion Bands.

Letztere stießen in ersten Reaktionen jedoch eher auf Ablehnung, ist doch schwer vorstellbar, wozu man am Handy einen Wireless-Kontroller benötigt. Andere N-Gage Features sind aber keine Zukunftsmusik. So hat Nokia einen Webshop aus dem Boden gestampft, der speziell auf die Bedürfnisse des N-Gage zugeschnitten ist und nur Accessoires für das Gaming Handy anbietet. Zum Start des Shops wurden neun käufliche Produkte eingestellt, die aber auch im herkömmlichen Handel erhältlich sein sollen. Im Webstore finden die Mobile Gamer als interessanteste Goodies das nagelneue N-Gage Wireless Dual Headset (Bluetooth!) und den N-Gage QD MMC Expander, der den Wechsel von Cartridges deutlich vereinfacht und zudem erlaubt, gleich zweiverschiedene Medien eingelegt zu halten und zwischen ihnen zu wechseln. Zu den fünf Staaten, in denen der Shop zunächst verfügbar ist, gehört auch Deutschland.

Wie man den obigen Ausführungen entnehmen kann, prasselten eine Unmenge von Eindrücken auf die Beobachter ein. Doch was nehmen wir wirklich als Essenz mit aus Barcelona nach Hause? Nokia will sich aus der Sackgasse befreien, die die Hardware N-Gage derzeit zweifelsfrei darstellt, auch wenn man das dort sicher nicht gerne hört. Technisch ist das Gerät als Gaming-Plattform im Vergleich zu Sonys PSP und Nintendo DS nicht konkurrenzfähig. Was es hervorhebt, ist lediglich die Telefonie-Funktionalität. Für Zocker, die ohnehin meist schon ein Handy besitzen, wird dies kaum als Kaufargument genügen. Mit dem Fokus aufs Gaming ist damit eigentlich kaum noch ein Blumentopf zu gewinnen.

Daher ist die Ausrichtung Nokias auf die Smartphones und die Portierung des N-Gage auf weitere Plattformenmehr als logisch und auch absolut nachvollziehbar. Hier wird abzuwarten bleiben, inwiefern es gelingen wird, die ergonomischen Probleme, die dabei auftreten, zu umschiffen.

Das Ausweiten des Geschäfts auf javabasierte Minispiele erscheint unter diesem Gesichtspunkt ebenso nachvollziehbar und könnte vielleicht zum Erfolg werden, wenn - ja wenn, es in Deutschland endlich eine Gaming Flatrate für Handys gäbe.

Warum Nokia sich aber der Konkurrenz von PSP, DS und demnächst auch noch Gizmondo nicht Hardware-seitig direkt stellen will (oder kann?) und diese Geräte auch nach Angaben des Vize-Präsident Games Business Programm, Gerard Wiener, auch nicht als unmittelbare Konkurrenz anerkennen will (siehe Interview), bleibt ein Rätsel und wurde von den Journalisten mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Handheld und Mobile-Fans dürfen jedenfalls gespannt sein, was sich in den nächsten Monaten und Jahren ändern wird.