N-Gage Multiplayer(von Nedzad Hurabasic)

Vor einem halben Jahr ist das Spielehandy "N-Gage" in Europa auf den Markt gekommen. Seitdem hat sich eine Menge auf dem Gebiet der tragbaren Konsolen getan: "Nintendo DS" ist bereits in unseren Gefilden

veröffentlicht worden, auf den Playstation Handheld "PSP" muss die Fangemeinde noch einige Wochen warten. Wir wollten rausfinden, wie sich das Spielehandy in der Praxis bewährt, vor allem die Multiplayerkomponente via Bluetooth lag im Augenmerk unserer Beobachtungen.

Mit einigen mehrspielerfähigen Games ausgerüstet unterzogen wir der Minikonsole einen Spaß- und Funktionstest. Lest weiter unter, was dabei herausgekommen ist.

Das Multifunktionsgerät N-Gage ist vollkommen auf das Spielen unterwegs zugeschnitten, allein als Handy wird es aufgrund des klobigen Umfangs wohl keiner benutzen wollen. Da das Gerät an sich schon dem einen oder anderen Test unterzogen wurde, steht die Multiplayerfunktionalität diesmal absolut im Fokus der Betrachtung.

Das Handy fungiert lediglich als Plattform, deshalb benötigt man selbstverständlich noch einige Games zum Testen des Gerätes.

Um möglichst vielfältige Anforderungen zu untersuchen, wurden drei verschiedene Genre-Vertreter mit dem N-Gage ausprobiert. Im Einzelnen waren dies: Ghost Recon: Jungle Storm (Taktik-Shooter), Colin Mcrae Rally 2005 (Rennspiel) sowie Pathway To Glory (Strategiespiel).

Die Verbindung zwischen beiden Handys wurde mittels Bluetooth hergestellt, was im Verlauf des Tests zu keinen nennenswerten Problemen führte. Die Vernetzung beider Geräte miteinander funktionierte in allen Fällen über die Menüstruktur der Spiele und war nicht zu beanstanden.

Ghost ReconAls Erstes legten wir die Mini-Cartridges für den Taktik-Shooter ein. Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme der beiden Handys initiiert einer der beiden Spieler im Multiplayermode als Gastgeber (Host) ein Spiel nach Wahl, der zweite Spieler tritt dann nur noch bei. Wir entschieden uns für den Duell(Deathmatch)-Modus.Gleich zu Beginn fallen die enorm großen Maps auf, die Suche nach dem potenziellen Gegner wird dadurch stark erschwert. Ghost Recon ist im Mehrspielerbetrieb für bis zu acht Spieler ausgelegt, fraglich ist allerdings, ob sich jemals so
viele N-Gage Besitzer auf einem Fleck versammeln werden. Zwei Spieler verlieren sich aufgrund der großen Karten regelrecht, richtige Spannung will deshalb nur selten aufkommen. Feuergefechte kommen zu selten zu Stande. Auch die Steuerung ist arg hakelig geraten. Per Steuerpad wird lediglich das Fadenkreuz, also die Blickrichtung ausgerichtet, während die Fortbewegung über weitere Funktionstasten vorgenommen wird. Dazu ist die Umgebung recht pixelig geraten, doch die Auflösung des N-gage scheint generell nicht allzu viel herzugeben, dieses Problem taucht bei allen Spielen auf.

Kommt es dann doch mal zum Duell, ist geschicktes Ausweichen kaum möglich, wer zuerst schießt, ist meist der Gewinner. Möglich, dass das Spiel mit mehr als zwei Spielern Spaß macht, wir haben jedoch aufgrund der beschriebenen Mängel sehr schnell die Lust daran verloren.

Colin McRaeAls zweites Spiel nahmen wir uns die Umsetzung des erfolgreichen Rally-Titels vor. Die Steuerung der Vehikel wird über das Steuerkreuz vorgenommen und ist anfangs doch recht gewöhnungsbedürftig.

Es bedarf eines sehr feinfühligen linken Daumens, um die Wagen gekonnt durch die Kurven driften zu lassen. Oft genug landet man abseits der Straßen an Bäumen oder anderen Hindernissen.Doch anders als beim Shooter kommt beim Rennspiel trotzdem schnell Spannung auf.

Als Spielmodi stehen eine komplette Rally oder - alternativ - eine einzelne Etappen zur Auswahl. Nachdem die Steuerung der Rennwagen im Griff ist, gilt es noch eine weitere Klippe zu umschiffen: Aufgrund der geringen Auflösung und des recht kleinen Screens, ist der Straßenverlauf oft erst recht spät einsehbar.Zwar stehen als navigatorische Hilfsmittel eine stimmliche Ansage des virtuellen Co-Piloten und auch eine Fahrtrichtungsanzeige zur Verfügung, doch auch diese helfen nur bedingt, wenn die Strecke nicht gut genug zu überblicken ist. Oft fährt man deshalb die nächste Kurve schon auf Verdacht an. Doch paradoxerweise macht das Spiel vielleicht auch deshalb sogar noch mehr Spaß: Wer sich sich von den häufigen kleinen und großen Unfällen nicht aus der Ruhe bringen lässt, erlebt quasi eine Aufholjagd nach der anderen. Selten gelingt es einem Spieler, sich so richtig abzusetzen, und das Rennen zu dominieren. Alles in allem eine lustige Angelegenheit.

Pathway To GloryKann ein Strategiespiel via Handy Spaß machen? Das war die große Frage, bevor wir uns daran machten, erneut eine

Connection zwischen den beiden Geräten herzustellen. Und tatsächlich, unsere Skepsis schien berechtigt. Anfangs kamen wir mit der Steuerung der Einheiten gar nicht klar. Zu unübersichtlich gestaltete sich die Umgebung, zu viele verschiedene Tasten mussten bedient werden. Dazu noch der Zeitdruck: je Runde stehen nur 60 Sekunden zur Verfügung, um die eigenen Einheiten in Stellung zu bringen oder angreifen zu lassen.

Doch nachdem sich die anfängliche Verwirrung gelegt hat und das Handbuch, dem ein praktisches "Survival Kit" in Form einer Übersichtskarte für alle wichtigen Tasten als Schnellreferenz beiliegt, nochmals studiert wurde, setzt langsam aber sicher der Spielspaß ein. Schnell gelingt es nun die eigenen Einheiten ins Kampfgebiet zu verlegen und die Übersichtsmap zur besseren Orientierung zu verwenden.Die rundenbasierten Schlachtensind Abwechslungsreich, Fußsoldaten können beispielsweise Panzer oder andere motorisierte Fahrzeuge in Besitz nehmen und der eigenen Truppe so plötzlich enorme Schlagkraft hinzufügen.

Anders als bei Internetspielen bekommt man beim Spielen via Handy die Reaktionen des Spielpartners unmittelbar (und ungefiltert: "Arghhh! Du *$%&/!@!) mit, wenn man dessen Einheiten dem Schrott oder dem Ehrentod auf dem Schlachtfeld zuführt. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit entpuppte sich das Strategiespiel schnell zu unserem Geheimfavoriten. Aufhören wollten wir so schnell nicht, allerdings wird das Starren auf den kleinen Bildschirm irgendwann zu anstregend. Abgesehen davon, dass die Ausmaße des Gerätes eine nicht eben ergonomische Handhaltung erzwingen.

Fazit:Insgesamt ist die Multiplayerfunktion via Bluetooth beim N-Gage schon

eine interessante Sache. Wer den Zwitter aus Handy und mobiler Spielkonsole ohnehin bereits besitzt und einen Freund hat, der ebenfalls ein solches Gerät sein Eigen nennt, kann durchaus darüber nachdenken, sich multiplayerfähige Spiele anzuschaffen.

Ob sich ein Spiel für den schnellen Spaß zu zweit eignet, muss aber individuell getestet werden. Angst Anrufe zu verpassen muss übrigens keiner haben, ein laufendes Spiel wird automatisch unterbrochen, sobald das Handy bimmelt. Anschließend kann an derselben Stelle weiter gezockt werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob der durchaus vorhandene Spaßfaktor ausreichen wird, um sich gegen die oben erwähnte Konkurrenz zu behaupten, zumal diese dem Spielehandy im praktisch allen technischen Belangen überlegen ist - bis auf die Telefonie. Von daher sind Multiplayerspiele auch mit den oben erwähnten Einschränkungen nur bedingt empfehlenswert und sicher auch vom bevorzugten Genre abhängig.