Was haben L.A. Noire, The Wolf Among Us und das nun frisch erschienene Murdered: Soul Suspect gemeinsam? Richtig, sie alle erzählen eine Detektivgeschichte und stützen sich dabei auf ganz unterschiedliche Stärken. Während wir im Los Angeles der 1940er Jahre von einem Verhör ins nächste stolpern, bemühen wir uns als Bigby um einen möglichst guten Draht zu den Bewohnern von Fabletown. In Murdered schließlich spielen wir als verstorbener Spätrebell, der als Geist seinen Mörder und die Antwort auf die Frage sucht, ob der Spieler je das Finale zu Gesicht bekommen wird.

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Alles beginnt mit einem Drama: Bevor wir mit seinem schnellen, aber endgültigen Tod konfrontiert werden, stellt uns Murdered: Souls Suspect den Protagonisten Ronan mit kurzen Sequenzen und Rückblenden vor: Aufgewachsen auf der Straße, ausgegrenzt von der Gesellschaft, melancholisch, emotional, dann der unerwartete Tod seiner Frau: Jede seiner Lebensstationen auf dem Weg vom bösen Gangster zum zigarettenverschlingenden Polizisten dokumentierte er mit Körperkunst.

Murdered: Soul Suspect - Gesucht wegen Mordes an Spielspaß und Potential

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Gelungener Einstieg: Die Ermittlungen zum eigenen Mord bilden den Rahmen einer interessanten Hauptgeschichte.
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Die von Motiv zu Motiv immer aufwendigeren Motive romantisieren das Bild und Klischee des harten Polizisten mit schwieriger Vergangenheit, der Dienstuniformen verweigert und immer raucht. Immer. Überall. Selbst als Geist.

Der früheste Spielertod seit Dark Souls

Ja, Geist, denn Ronan segnet schon in den ersten Spielminuten das Zeitliche. Ein ungewöhnlicher Einstieg für ein ungewöhnliches Spiel, das aus der Nachbarschaft der Genrekollegen zunächst deutlich heraussticht. Nach und nach entfaltet sich eine Detektivgeschichte, die an eine Mischung aus Poltergeist und Akte X-Folgen erinnern: Vor allem, wenn alles noch neu und frisch ist, fühlt sich das Spiel wie ein gigantischer virtueller Sog an, der den Spieler in einem atmosphärischen Strudel verschlingt.

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Große Schriftzüge mitten in der Landschaft erinnern euch an eure aktuelle Aufgabe. Zu einfach!
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Den Kern des Spiel bilden die Spurensuchen an verschiedenen Tatorten: Ihr erreicht den Ort des Verbrechens, müsst blinkende Hinweise „einsammeln“, bis ihr die aktuelle und wortwörtlich im Raum stehende Frage lösen könnt: Hierbei müsst ihr euch aus der Auswahl an gesammelten Indizien für die richtigen Hinweise entscheiden, wobei ihr allerdings für stupides Try & Error-Verfahren nicht bestraft werdet.

Theoretisch könnt ihr Hinweis für Hinweis anklicken, bis ihr die richtigen Informationsfetzen beisammen habt und es zum nächsten Tatort geht. Eure Eigenleistung beschränkt sich auf das Drücken einer Taste, wenn ihr in Reichweite eines leuchtenden Objekts steht.

Interessant hingegen ist die Möglichkeit, von umstehenden Menschen Besitz zu ergreifen: Auf Knopfdruck schlüpft Ronan in den Geist des Zieles, liest seine Gedanken, kann manchmal das Handeln von Schlüsselpersonen beeinflussen und erfährt so neue wichtige Informationen zu eurem aktuellen Fall.

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Während eurer Ermittlungen stoßt ihr auf Lebende und Tote, die euch unter Umständen weiterhelfen können.
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Oft aber lauscht ihr nur alltäglichen Geschichten und irrelevanten Anekdoten, die allerdings ein großes Stück Authentizität in die geisterhafte Stadt transportieren. Hier wäre dennoch deutlich mehr Potential vorhanden gewesen, das zum Beispiel in den seltenen Momenten aufblitzt, wenn ihr im Körper einer Katze durch riesige Korridore und Räume streift.

"You gotta catch'em all!"

Auf eurer Jagd nach immer neuen Hinweisen stoßt ihr regelmäßig auf eine Vielzahl verschiedenster Collectables: Durch eifriges Suchen und Sammeln schaltet ihr die individuellen Hintergrundgeschichten der jeweiligen Örtlichkeiten frei, löst Morde in Nebenmissionen oder sammelt Gedankenfetzen eurer bereits verstorbenen Frau, die selbstreflektierend ihr Leben mit dem manchmal schwierigen Ronan beschreibt.

Erschreckender Fehlversuch: Während die Hauptgeschichte unterhält, trüben technische und inhaltliche Macken empfindlich den Spielspaß.Fazit lesen

Während Letztere interessante Ergänzungen zur Hauptgeschichte darstellten, störte die übertrieben reiche Auswahl an sammelbaren Objekten das Verfolgen der an sich recht interessanten Hauptmission. Die drohende Gefahr, Details eures eigenen Mordfalls zu vergessen, schwebt über eurer erzwungenen Sammelwut wie das berühmte Damoklesschwert.

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Mit euren geisterhaften Fähigkeiten überwindet ihr klassische Barrieren wie Wände und verschlossene Türen - allerdings ist das nicht immer im Sinne des Spielers.
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Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich wird euer Orientierungsvermögen regelmäßig herausgefordert: Ein nicht unwesentlicher Nebeneffekt eurer neuen geisterhaften Nicht-Körperlichkeit stellt die Fähigkeit dar, durch Wände, Türen und Gegenstände zu schweben. Dieses konsequente Feature verliert nach einiger Zeit allerdings seinen Reiz, da ihr vor allem in größeren Gebäuden immer wieder die Übersicht über die Räume verliert, weil klassische Zugangsmöglichkeiten, die Orientierung bieten, für euch nicht mehr zwingend gelten.

Mörderisch frustrierend

Auf eurem Weg durch Salem, ironischerweise die historische Hochburg der amerikanischen Hexen- und Geisterjagd, begegnet ihr allerdings nicht nur Menschen, für die ihr unsichtbar seid sowie anderen Verstorbenen: Immer wieder stoßt ihr auf Dämonen, die in Treppenaufgängen und Korridoren patrouillieren. Sobald diese euch sehen, stürmen sie auf euch zu während Ronan sich so schnell wie möglich an vorgegebenen Punkten im Raum verstecken muss.

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Frustration hat ein Gesicht: Die Kämpfe mit den Dämonen machen weder Spaß noch Sinn.
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Nach kurzer Zeit erlischt schließlich wieder das Interesse an der dämonischen Verfolgungsjagd und ihr könnt versuchen, euren Gegner auszuschalten: Dazu müsst ihr euch in den Rücken des bösen Geistes schleichen und die in ihm gefangene Seele mit einer Tastenkombination befreien – verdrückt ihr euch oder werdet ihr entdeckt, beginnt die Hit'n'Run-Routine wieder von vorne.

Diese Sequenzen sind eine der größten Schwachpunkte von Murdered: Soul Suspect. Während mich die interessante Hauptgeschichte ganz langsam in all ihre Feinheiten und Hintergründe einführt, nerven die erzwungenen und oft frustrierenden Konfrontationen mit den Dämonen. Diese Actioneinlagen wären absolut nicht nötig gewesen und machen es auch begeisterten Mystery Crime-Fans schwer, bis zum Ende des Spiels durchzuhalten.

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Grafisch hübsch anzusehen, aber kein next-gen-Wunderwerk: Immerhin atmosphärisch sind die vielen verschiedenen Schauplätze des nächtlichen Salems.
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Dabei ist Murdered: Souls Suspect wirklich kein schlechtes Spiel. Es gelingt ihm, den Charme klassischer Geisterfilme mit den Tugenden unterhaltsamer Krimigeschichten zu kombinieren. Allerdings wäre dieses Spiel als Kurzfilm bei Netflix deutlich besser aufgehoben als in einer Spielehülle. Zu banal, zu durchschaubar ist der eigentliche Spielanteil, der euch während der Ermittlungen unter-, in den Kämpfen aber überfordert.