Hier kommt Muramasa – The Demon Blade, ein Nischentitel, ein simples 2D-Hack'n'Slay, triefend mit traditionellem Japanoflair und gehüllt in künstlerischen Animestil. Wer soll das spielen? Jeder Schnetzel-Fan und Wii-Besitzer, der etwas auf sich hält! Das mit Rollenspiel-Elementen angereicherte Actionspiel unterhält mit seinem fordernden Kampfsystem Genre-Einsteiger wie -Veteranen und fegt mit seiner nahezu perfekten Präsentation die Konkurrenz vom Tisch.

Viel zu selten erleben wir einen Wii-Titel, der sich nicht vor der Konkurrenz der "großen" Konsolen verstecken muss und wenn dann doch mal eines kommt, wird es für seinen Mut nicht selten mit kommerziellem Misserfolg bestraft. Warum Muramasa solch ein Schicksal nicht verdient hat und im Laufwerk eurer Wii landen sollte, erfahrt ihr im Test.

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Sprechende Fuchsmenschen?

Wem der Stil von Muramasa bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich das Action-RPG Odin Sphere auf der PlayStation 2 gespielt. Und tatsächlich: Beide Titel stammen vom selben Entwickler, Vanillaware. Statt auf nordländische Mythologie setzt Muramasa, wie der Name schon vermuten lässt, auf die japanische Kultur und verlangt zudem Vorkenntnisse – wer nichts mit Fuchsgeistern, Drachengöttern und diversen bös- und gutartigen Dämonen anfangen kann, wird bei Muramasa schnell den Faden verlieren.

Muramasa - The Demon Blade - Neuer Genrekönig: Das beste Hack'n'Slay auf Wii

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Der fernöstliche Stil ist omnipräsent.
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Das macht aber nichts, denn selbst wenn man keine Ahnung hat, was eigentlich gerade vor sich geht und warum der Geist von Jinkuro Izuna in Momohimes Körpers steckt oder Kisuke mit Hilfe von Yuzuruha durch ganz Honshū reisen muss, um ein bestimmtes Katana zu finden, kann man trotzdem die fernöstliche Atmosphäre genießen und in die Welt eintauchen.

Drei Klingen sind besser als eine

Zu Beginn stellt uns das Spiel vor zwei Entscheidungen. Nummer 1: Welchen Charakter wählen wir? Momohime, eine Prinzessin, die vom Geist eines Schwertkämpfers besessen ist, oder Kisuke, einen Ninja, der sein Gedächtnis verloren hat? Beide folgen einer anderen Geschichte, treffen auf unterschiedliche Charaktere und bekämpfen individuelle Bossgegner - lediglich die Welt, die sie bereisen, ist dieselbe, nur beginnt Momohime im Osten des Landes, Kisuke im Westen.

Packshot zu Muramasa - The Demon BladeMuramasa - The Demon BladeRelease: Wii: 13.11.2009
PlayStation Vita: 2013
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Nummer 2: An welchen Schwierigkeitsgrad wagen wir uns? Zur Auswahl stehen Muso und Shura, leicht und schwer. Während wir mit ersterem mühelos durch Gegnerhorden metzeln und so das hervorragende Kampfsystem erlernen, fordert zweiterer selbst nach einem kompletten Durchgang noch all unser Können. Shigurui, die dritte Schwierigkeitsstufe, wird erst nach einmaligem Durchspielen in Shura freigeschaltet und ist für die ganz Hartgesottenen, denn dort hat unser Charakter nur einen Lebenspunkt.

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Momohime in Aktion: Die Samurais haben keine Chance.
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Wir entscheiden uns zunächst für Momohime und den einfachen Modus, anschließend erklärt uns ein kurzes Tutorial die Kampfmechaniken. Herausstellungsmerkmal von Muramasa sind die namensgebenden Schwerter, von denen wir stets drei bei uns tragen. Die Schwerter unterteilen sich in lange und kurze Klingen, also langsame, aber kraftvolle Schläge oder agile, aber leichte Schnitte. Außerdem sind jeder Klinge ein Angriffswert, diverse Statboni und eine Spezialattacke zugewiesen, so dass wir je nach Situation unser Repertoire anpassen müssen. Spezialmanöver und das Blocken von Angriffen entzieht unseren Dämonenklingen Seelenenergie. Ist diese verbraucht, zerbricht das Schwert und ist für kurze Zeit nutzlos. Lassen wir es jedoch lang genug in seiner Scheide, regeneriert sich die Waffe. Somit ist der taktische Wechsel zwischen den Klingen nicht nur ratsam, sondern notwendig.

Muramasa bezeichnet sich als Action-Rollenspiel, wobei sich das "Rollenspiel" auf zwei Statuswerte, rudimentären Levelaufstieg und das Schmieden begrenzt. Nach jedem gewonnenen Kampf erhalten wir Erfahrungspunkte, beim Levelaufstieg steigt unsere Stärke und Vitalität. Diese zwei Attribute stellen die Voraussetzungen für geschmiedete Klingen dar. Im Wesentlichen gleicht das Schmiede-System dem Talentbaum üblicher Rollenspiele, mit steigendem Level können wir tiefer in den Baum eindringen und so mächtigere Waffen freischalten. Der Clou: Die Talentbäume von Momohime und Kisuke treffen sich in der Mitte, manche Klingen sind also nur dann freischaltbar, wenn wir beide Charaktere gespielt haben.

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Die Steuerung geht leicht von der Hand, schnell lösen wir spektakuläre Angriffe aus.
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Aber genug des Drumherums, wie spielt sich denn nun das Kampfsystem, schließlich ist es das Kernstück von Muramasa? Die Antwort: Fantastisch! Nach kurzer Eingewöhnungsphase geht die Steuerung leicht von der Hand, präzise führen wir spektakuläre Schwertschwünge und vernichtende Spezialattacken aus und vernichten so im Nu ganze Heerscharen von Feinden. Die Steuerung ist denkbar einfach und verzichtet auf jegliches Rumgefuchtel mit der Wiimote, sogar Gamecube- und Classic-Controller werden unterstützt. Merkwürdig ist jedoch, dass das Springen nicht auf eine Extra-Taste gelegt wurde, sondern mit dem Analog-Stick ausgelöst werden muss.

Große Welt: Freud und Leid

Muramasa ist nicht in gewöhnliche Level unterteilt, sondern bietet eine zusammenhängende Welt, die mit ihrem labyrinthartigen Aufbau an den Klassiker Metroid erinnert. Verlaufen werdet ihr euch trotzdem nicht, zeigt doch ein Pfeil stets die Richtung eures nächsten Ziels an. Am Ende eines jeden Gebiets wartet ein großer Bossgegner auf uns, der besondere Achtsamkeit und spezielle Taktiken fordert. Im Kampf gegen einen Donnergott müssen wir beispielsweise Blitzen ausweichen und gleichzeitig den meist schwebenden Feind in der Luft angreifen.

Himmlisches 2D-Hack'n'Slay mit höllischem Backtracking und erstklassiger Präsentation.Fazit lesen

Ein Gefecht gegen solch einen Brocken kann sich über mehrere Minuten strecken und ist vor allem auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad ein wahrer Nervenkitzel. Haben wir das jeweilige Ungetüm besiegt, erhalten wir ein neues Muramasa, also eine neue Klinge. Mit diesen speziellen Schwertern können wir verschieden farbige Barrieren in der Welt zerstören, die uns zuvor den Weg versperrt haben.

Abseits von Storykämpfen lädt die riesige Welt zum Erkunden ein, überall sind Schätze versteckt oder Monsterhöhlen platziert. Diese speziellen Areale sind zunächst ebenfalls durch ein Siegel geschützt, außerdem warnt uns das Spiel vor den Gefahren, die in solch einem Gebiet lauern – der empfohlene Level für die Herausforderung wird uns gleich mit angezeigt. In diesen Höhlen treten wir dann etwa gegen 100 Ninjas in Folge an, werden aber auch entsprechend belohnt.

Die schiere Größe der Spielwelt hat aber nicht nur Vorteile, denn nachdem wir ein Gebiet gemeistert, also den hiesigen Oberfiesling erledigt haben, müssen wir den gesamten Weg, den wir gerade freigekämpft haben, zurücklaufen um zum nächsten Ort zu gelangen. Fünf Minuten lang stur in eine Richtung rennen unterbricht nicht nur das sonst so rasante Gameplay, es ist auch schlicht langweilig und hätte einfach vermieden werden können. So zieht es das Spiel nur unnötig in die Länge.

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Die Bedrohungen in Muramasa können enorme Ausmaße annehmen.
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Nicht nur das Backtracking dient als Ruhepause zwischen den actionreichen Gefechten, auch der Besuch im ein oder anderen Dorf oder einer heißen Quelle lädt zum Zurücklehnen ein. In den Siedlungen können wir mit den Bewohnern reden und Handel betreiben, etwa Nahrung kaufen, die im Kampf unser Leben wieder auffüllt, oder wir tauschen unsere Münzen gegen Rezepte und kochen unseren Proviant gleich selbst. Zwischen den Kämpfen können wir Reisbällchen oder Suppen zubereiten, die neben dem bereits erwähnten Heileffekt unseren Charakter für kurze Zeit sättigen und somit Statusboni verschaffen.

Fest für die Sinne

An einigen Stellen im Spiel begegnen wir kleinen Äffchen, die uns zu heißen Quellen führen. Dort regeneriert sich unser Leben, außerdem ist dies der einzige Ort, an dem sich die beiden Hauptcharaktere treffen können. Meist sind wir dort jedoch allein und das dürfte vor allem Momohime ganz recht sein, wird sie während dieser "Erholungsphasen" doch nur von einem Handtuch verdeckt.

Aus grafischer Sicht hält uns nichts davon ab, Muramasa ein Meisterwerk zu nennen. Das Hack'n'Slay zeigt im Alleingang, wie man auf der Wii eine atemberaubende Optik schaffen kann, ganz ohne die dritte Dimension oder einem Riesen-Budget. Die vielschichtigen und liebevoll animierten Hintergründe wirken lebendig, egal ob Fliederblüten-Gärten, idyllische Bauernfelder oder eisige Schneelandschaften – alles wirkt wie ein zum Leben erwachtes Gemälde. Den Charakteren wurde die gleiche Detailverliebtheit zu Teil, jede Figur strahlt Persönlichkeit aus und vor allem die Oberfieslinge wirken schlicht gewaltig.

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Die detailverliebten Hintergründe sind abwechslungsreich und eine wahre Augenweide.
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Musikalisch bewegt sich Vanillawares Schnetzel-Action auf ähnlichem Niveau und bietet einen Mix aus ruhigen und bedrohlichen asiatischen Klängen, der die gelungene Atmosphäre des Spiels unterstreicht. Auf englische oder gar deutsche Sprachausgabe wurde komplett verzichtet, das gesprochene Wort ist ausschließlich japanisch. Ob das nun der Atmosphäre förderlich ist oder vom Geschehen ablenkt sei jedem selbst überlassen. Die deutsche Übersetzung in den Untertiteln ist gelungen, lediglich einige Monsternamen verleiten zum Schmunzeln – vor "Wolligen Augäpfeln" können wir einfach keine Angst haben.