Mount & Blade ist eines dieser missverstandenen Spiele, die oft fälschlicherweise unbeachtet im Spieleregal versauern, bis sie die Spitze der Software-Pyramide erklimmen. Fälschlicherweise deswegen, weil hinter dem Strategiespiel einiges an frechem Potenzial schlummert, das man beim oberflächlichen Betrachten der Packung nicht gleich entdeckt.

Das fand auch die Community hinter Paradox Interactives Original. Sie schusterten sich eine neue Mod zurecht, die dank der herausragenden Funktionen schnell von Taleworlds Entertainment, dem türkischen Entwickler des Spiels, als Stand-alone-Add-on entwickelt wurde. Dafür nutzten sie ihre alte Warband-Engine, die seinerzeit schon leicht angestaubt wirkte.

Das Spielprinzip ist deswegen so begehrt bei denen, die sich von der kruden Grafik nicht haben abschrecken lassen, weil sich hier mehrere Genres wunderbar vereinen. Während man zu Beginn des Spiels die Möglichkeit besitzt, sich rollenspieltypisch einen Charakter zu erstellen, ist der Rest wie ein Open-World-Sandkasten mit mannigfaltigen Möglichkeiten.

Mount & Blade: Fire And Sword - Der Siege-Trailer

Das Spiel zum Film zum Buch

Was also zeichnet „Mount & Blade: With Fire and Sword“ als erwähnenswertes Spiel aus? Anders als die Vorgänger dreht sich die Handlung des neuen Add-ons nicht um die Kreuzzüge im Mittelalter. Moment mal, Mount & Blade mit Handlung? Tatsächlich gibt es diesmal eine, und die basiert auf der gleichnamigen Novelle vom polnischen Schriftsteller und Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz. Krieg, Intrigen und aristokratische Zwistigkeiten im ausklingenden 17. Jahrhundert werden nunmehr euren Alltag auf dem Rücken eines Rosses bestimmen.

Mount & Blade: Fire And Sword - Polnische Panzerreiter mit Pistolen

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Ein einsamer Reiter in einem polnischen Dörfchen.
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Während das Buch (so auch der Film) den Zwist zweier verfeindeter Feldherren im Kampf um eine gemeinsam angebetete Dame behandelt, kommen diese Figuren im Spiel gar nicht vor. Allein deren Fraktionen und die Beweggründe des Krieges sind identisch. So spielt ihr zwar nicht die Handlung eins zu eins nach, könnt aber Schlussfolgerungen aus der Lektüre entnehmen.

Im Verlaufe der Geschichte werdet ihr euer Schwert des Öfteren unterschiedlichen Herren zur Verfügung stellen, für wessen Seite ihr euch am Ende dann entscheidet, ist euch überlassen. Davon hängt dann auch das Spielende ab.

Da das Setting im Eurasien des späten 17. Jahrhunderts angesiedelt und der Hauptumschlagplatz das polnisch-litauische Commonwealth ist, werden die Fraktionen die historischen Nationen der damaligen Zeit sein. Neben dem Königreich der Schweden, die deutsche Einschläge haben, dem polnischen Commonwealth, dem Moskauer Zarentum und den Kosaken werden auch die muslimischen Khanaiten um die Vorherrschaft in Osteuropa kämpfen. Die Weltkarte erstreckt sich von Schweden bis hin zum osmanischen Reich, genug Möglichkeiten zum Erkunden sind also allemal vorhanden.

Wenn Schwerter zu Pflugscharen, dann Pfeile zu Patronen

Allein, dass sich das Setting gute 200 Jahre später ansiedelt als in den Vorgängern, trägt die ersten nennenswerten Neuerungen mit sich: Künftig werdet ihr nicht mehr mit Bogen, Schwert und Schild in die Schlacht ziehen müssen, sondern euch mit Pistolen, Musketen und den ersten Granaten zur Wehr setzen. Konnte man früher noch mit angelegter Lanze ganze Räuberbanden im Alleingang außer Gefecht setzen, holen die euch nun mit ein paar gezielten Schüssen vom Pferd und nehmen euch anschließend Stück für Stück mit dem Husarensäbel auseinander.

Mount & Blade: Fire And Sword - Polnische Panzerreiter mit Pistolen

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Die Charaktergenerierung hat sich kaum verändert, einige neue Bärte kamen hinzu.
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Der wählbare Schwierigkeitsgrad bestimmt hierbei die Anzahl an Schüssen und Hieben, die ihr einstecken könnt, ehe ihr ohnmächtig zu Boden geht und von euren Peinigern in Ketten gelegt werdet, aber auch die KI der eigenen Truppen. Kaum auszudenken, wie abgebrüht man sein muss, um den höchsten Grad zu wählen und dabei erfolgreich zu sein. Denn „Mount & Blade: With Fire and Sword“ ist deutlich schwieriger als bisher gewohnt. Der einsame Reiter muss nun schnell einer gut ausgerüsteten Panzertruppe weichen.

Gutes Gefühl, dennoch können die Neuerungen wie Feuerwaffen und Granaten nicht gänzlich das Gefühl überschatten, dass man hier nur den Mod einer Community vor sich hat.Ausblick lesen

Eine weitere Funktion nämlich gewährt nun mehr Individualisierung der angeheuerten Soldaten. Konnte man vorher noch in jedem Dorf Freiwillige, oder liebevoll genannt: Kanonenfutter, anheuern, muss man nun entweder in Söldnercamps oder den städtischen Tavernen bereits kampferprobte Männer anwerben. Diese können beim Hauptmann der Söldner dann weiter individualisiert werden. So bieten sich neue ungeahnte Möglichkeiten der Truppengestaltung.

Mount & Blade: Fire And Sword - Polnische Panzerreiter mit Pistolen

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Pistolen, Gewehre und Granaten - die Preise haben sich gewaschen.
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Helden, die man ebenfalls in den Kneipen antreffen kann, spielen nun eine größere Rolle für die Hintergrundgeschichte. Die Preise, die sie von euch für etwas Abenteuer verlangen, sind im Allgemeinen gefallen, doch sind sie auch nicht so stattlich wie zum Beispiel in „Mount & Blade: Warband“. So zählen jetzt mehr deren Fähigkeiten auf der Weltkarte, wie Spurensuche, Mechanik oder Erste Hilfe. Auch melden sie sich des Öfteren während eurer Reise zu Wort, wenn zum Beispiel zwei rivalisierende Damen in eurer Partie sind, ihr etwas Unehrenhaftes tut oder gegen eine ihrer Heimatfraktionen in die Schlacht zieht.

Der Weg zum strahlenden Ritter

Als polnischer Bürger beginnt ihr direkt in einem von Räubern besetzten Dorf. Während euch über Pop-ups die Grundlagen von Angriff und Verteidigung nahegebracht werden, treffen mehr Briganten ein. Lange würdet ihr dem Ansturm sicher nicht standhalten, käme nicht just in diesem Augenblick der Chevalier Jaque de Clemont mit zwei Kürassieren vorbei. Er wirft euch eine Pistole zu und kämpft bis zum bitteren Ende an eurer Seite.

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Anfangs reiten wir noch allein in die Schlacht...
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Im weiteren Verlauf des Spiels werdet ihr öfter auf diesen Mann treffen, der in einer Geheimmission unterwegs ist und euch dabei mit Aufgaben versorgt, die euch an die Fürstenhöfe der unterschiedlichen Fraktionen bringt. Worauf das hinausläuft und welcher Fraktion ihr später die Treue schwört, wird eines der unterschiedlichen Spielenden mit sich führen. Natürlich könnt ihr euch aber auch abseits der Hauptgeschichte frei entfalten und zum angesehenen Kriegsherr werden, doch gestaltet sich anschließend der Einstieg in die Geschichte als etwas schwierig.

Missionen erhaltet ihr wie gehabt von Dorfältesten, Adligen oder in der Stadt vom Bürgermeister. Am grundlegenden Spielprinzip hat sich nichts verändert. Immer noch müsst ihr plündernde Banditen ausschalten, Steuern eintreiben oder Erlass ebenjener erwirken sowie Handelsgüter beschaffen. Man darf dabei nicht vergessen, dass Mount & Blade: With Fire and Sword ein Add-on ist und daher kein komplett neues Spielprinzip mitbringt.

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...später haben wir eine ansehnliche Truppe an der Seite.
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Dass man sich dabei eine schlagkräftige Truppe aufbaut, ist besonders wichtig, denn die Anzahl und Stärke der Feinde nimmt fortwährend zu. So kann man zum Beispiel viel Zeit damit verbringen, vor übermächtigen Verfolgern Fersengeld zu zollen, um sich dann in der rettenden Stadt Söldner anzuheuern und den Feind in einer der neu eingeführten Schlachtformationen aufzureiben. So wendet sich das Blatt.

In den Tavernen der Stadt kehrt nun, im Gegensatz zu den weitläufigen Straßen, mehr Leben ein. So finden sich neben Söldnern, Helden und Sklavenhändlern Tavernenbesucher, mit denen ihr interagieren könnt. Neben einem unbewaffneten Faustkampf für ein paar Taler könnt ihr die Gäste der Kneipen auch beschimpfen, was euch ein Säbelduell mit drei wütenden Prügelknaben einbringt. Hier ist besonderes Geschick im Umgang mit der Fechtwaffe gefragt, andernfalls endet ihr gezeichnet im Staub der Straße.

Mit alten Pauken und Trompeten

Die musikalische Untermalung ist dem Setting angemessen, wissen wir doch eigentlich gar nicht, was für Musik damals aktuell war. Moment, es ist dieselbe wie in „Mount & Blade: Warband“. Na gut, hatte man also keine Zeit, alles noch mal komplett neu zu vertonen. Auf eine komplette Sprachausgabe wurde ebenfalls Hoffnung verschwendet. Bei so vielen NSCs kann man da allerdings Nachsicht üben. Immerhin hört man im Kampf ab und an einen polnischen Fluch von irgendwoher. Hmmm.

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Aufgedreht ist die Grafik eigentlich ganz gut, nur die Charaktere sind etwas kantig.
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Das auffälligste Manko, das Mount & Blade wohl seinen Ruf als übersehenes Spiel gibt, ist die angestaubte Grafik. Während das Hochstellen der Grafikeinstellungen zu einem rapiden Absturz der Performance führt, wird das Spiel dadurch auch nicht viel ansehnlicher. Die Charaktermodelle entbehren einfach jeglicher Schönheit, so kantig und pixelig, wie sie daherkommen. Immerhin wirken die Licht- und Wettereffekte nun sehr realistisch (wohlgemerkt auf höchster Stufe).

Durch den Zeitsprung nach vorne sind auch die Dörfer und Städte etwas ansehnlicher geworden. Die Holzhütten weichen den regionalen Spezialitäten an Baukunst, die Städte wurden gemauert und erhalten ein Stadtzentrum. Mehr Leben kehrt allerdings nicht in die begehbaren Straßen ein. Daher kann man sich einen Rundgang meist sparen, sollte man nicht unbedingt die verpixelte Landschaft bewundern wollen.

Das ist ein wenig schade, waren im Vorgänger mehr Leute unterwegs als in With Fire and Sword. Das Menü bei Betreten der Stadt muss nicht verlassen werden, um mit allen verfügbaren NPCs zu interagieren. Ausschließlich bei Kopfgeldjagden, wo man wie gewohnt nervöse Männer in kleinen Dörfern abstellt.