Jedes Mal, wenn der Name „Mount & Blade“ in der gamona-Redaktion fällt, müssen wir alle ein bisschen schmunzeln. Niemand bestreitet, dass der ehrgeizige Mittelaltersimulator erstaunlich coole Mechaniken zu bieten hat und dass man sich, die richtige Grundeinstellung vorausgesetzt, tage- und wochenlang in dem putzigen Underdog verlieren kann.

Mount & Blade: Fire And Sword - Der Siege-Trailer

Doch die Redaktion ist in zwei Lager gespalten: Die einen preisen das türkische Indie-Studio TaleWorlds (das eigentlich nur aus dem Ehepaar Armagan und Ipek Yavuz besteht) für die kreativen Einfälle und die fortwährende Unterstützung der stetig wachsenden Community, die auch unzählige ehrgeizige Mods hervorgebracht hat. Die anderen sagen, das Spiel habe einen Look von vor zehn Jahren und könne sich melden, wenn es endlich keine Bugs mehr habe und nicht mehr nur halbfertig sei. Mit dem neuen Add-on „Mount & Blade: With Fire and Sword“ hat sich an diesem Running Gag zunächst mal nichts getan.

Mount & Blade: Fire And Sword - Im Osten nichts Neues

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Die Bewegungsfreiheit ist wie immer sagenhaft.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Hoppe hoppe Reittier

Fire and Sword ist, wie auch der letzte bei uns erschienene Titel Mount & Blade: Warband, kein wirklicher Nachfolger des ursprünglich 2008 veröffentlichten Genre-Hybriden, sondern vielmehr eine Erweiterung desselben. Während Warband jedoch „nur“ die technisch polierte und in eine Schachtel verpackte Version des ursprünglichen Download-Titels war, spielt sich Fire and Sword wie eine Total Conversion-Mod, die also das Hauptspiel in ein neues Szenario verfrachtet. Der Grund dafür ist einfach: Es ist eine Mod, die vom externen Studio Snowberry Connections finanziert und entwickelt wurde.

Damit hat es natürlich einen schweren Stand, denn nicht nur, dass Mount & Blade seit jeher ein eher kleines Publikum anspricht, dieses ist zudem auch noch gewohnt, ohnehin kostenlos hochwertige Mods von der Community vorgesetzt zu bekommen. Ob man sich mit Sauron um den einen Ring kloppen will, im feudalen Japan die Macht an sich reißt oder in der Renaissance seinen Vorderlader putzt – eigentlich ist für jeden etwas dabei, ob nun ein historisches oder fiktives Szenario gewünscht ist.

Mount & Blade: Fire And Sword - Im Osten nichts Neues

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Riesige Schlachten gehören natürlich dazu.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fire and Sword beschreitet den Mittelweg und erzählt die Geschichte eines einzelnen Abenteurers in der Welt des polnischen Historienepos „Ogniem i mieczem“, das sich mit dem Krieg zwischen den Tartaren, Schweden und Kosaken im 17. Jahrhundert beschäftigt. Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz verfasste die insgesamt dreiteilige Romanreihe, die in Polen ehrfürchtig nur als „die Trilogie“ bezeichnet wird, Ende des 19. Jahrhunderts.

Doch was bedeutet das für Mount & Blade, das bislang nicht nur de facto keine Story hatte, sondern dessen Spielverlauf nicht einmal tatsächlich beendet werden konnte? Seit drei Jahren sind wir gewohnt, in der losesten und freiesten aller Sandboxes zu räubern, zu brandschatzen, als Vasall einem König zu dienen oder selbst den Thron zu besteigen – und nun sollen wir einem festen Handlungsablauf folgen? Zudem noch einem, der nobelpreiswürdig ist? Es klingt, als würde das Spiel komplett auf den Kopf gestellt im Versuch, ein neues Publikum anzusprechen.

Im Osten nichts Neues

Die gute Nachricht ist auch gleichzeitig die schlechte: die Änderungen, die Fire and Sword mit sich bringt, halten sich in Grenzen. Noch immer ist das Spiel eine Art spiritueller Nachfolger zu „Sid Meier's Pirates“, nur reitet man jetzt auf einem Pferdchen durch die eurasische Pampa, heuert Truppen an, handelt mit Waren und interagiert mit Fürsten und Königen. Begegnet man auf der Übersichtskarte einem Gegnertrupp, trägt man in der Third-Person-Perspektive eine Schlacht aus – nur dass wegen des neuen Szenarios die Ausrüstung etwas anders ist. Rein spielmechanisch, also am Prinzip, der Steuerung oder sonstigen Elementen, hat sich nicht das Geringste verändert.

Mount & Blade: Fire And Sword - Im Osten nichts Neues

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Nicht zu vergessen: Burgbelagerungen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Am auffälligsten sind die frühen Feuerwaffen und Granaten, mithilfe derer man auf große Distanz oder flächendeckend die aktuellen Widersacher über den Jordan bzw. die Wolga schicken kann. Sie sind auch hauptverantwortlich für eine gewisse Änderung der Kampfdynamik gegenüber den Vorgängern: Pulverwaffen sind sehr mächtig, erfordern aber nach jedem Schuss einen Ladevorgang, der gefühlte 20 Minuten dauert (tatsächlich sind es etwa 10 Sekunden, was aber lang genug ist). Da viele Truppen diese Waffen benutzen (Wurfwaffen z.B. sind zugunsten der Granaten völlig abgeschafft worden), verwandeln sich viele Gefechte in ein rhythmisches Schießen-Laden-Schießen, das nicht gar so lebendig wirkt wie die berittenen Scharmützel von früher.

Abgesehen von Musketen und derlei sind es wollige Mützen, dick gefütterte Mäntel und Tartarensäbel, die Fire and Sword optisch bestimmen. In der Tundra treffen slawische Scharfschützen auf Steppenreiter und als Handelsgut findet sich nun hin und wieder eine Flasche Wodka. Doch immer noch streift man durch Tavernen, um Truppen anzuwerben, handelt mit Gütern, überfällt Dörfer oder wird nachts auf den Straßen überfallen. Es ist alles beim Alten, was für Fans natürlich irgendwie schön ist – aber ein großer Anreiz, noch mal 30 Euro auf den Kopf zu hauen, ist es nicht unbedingt.

Mount & Blade: Fire And Sword - Im Osten nichts Neues

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 31/351/35
Irgendwie idyllisch...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fire and Sword ist unverkennbar Mount & Blade, die Grafik ist immer noch schlicht und zweckmäßig, der Sound minimalistisch, die Lokalisierung unvollständig. Es sind nurmehr kleine Polituren, die wieder einen Schritt in Richtung „fertiges Spiel“ gehen. So sind Burgbelagerungen im Multiplayer-Modus, dessen Dynamik sich dank der neuen Waffen ebenfalls verändert hat, um einiges erträglicher geworden, weil man jetzt nicht mehr wie Rindvieh mit hundert Soldaten gleichzeitig dieselbe Rampe hochrennen muss, sondern mehrere strategisch verteilte Leitern nutzen kann.

Zu anders für alte Fans, zu gleichartig für Nörgler – da es vergleichbare Vorgänger-Mods kostenlos gibt, keine wirklich lohnende Investition. Wer bislang noch nicht spielt und neugierig ist, darf jetzt aber reinschnuppern.Fazit lesen

Die größte Änderung und eigentlich dann auch bereits das letzte bemerkenswerte Element von Fire and Sword ist die neu hinzugefügte Rahmenhandlung. Tatsächlich gibt es eine Story, die damit beginnt, dass der Spieler einem Adligen namens Jaques de Clermont gegen Banditen beisteht. Wie es der Zufall so will, hat der schnauzbärtige Adlige Verbindungen nach Moskau und kann uns dort einen Job bei einem der Fürsten vermitteln – doch wer in diesen Zeiten Partei ergreift, tritt auch zwangsläufig jemandem auf die Füße. Glücklicherweise kann man diese Handlung und den damit verbundenen roten Faden jederzeit links liegen lassen und später – oder nie – wieder aufgreifen.