Um kaum ein Launchspiel der PlayStation 3 wurde in der Vergangenheit solch ein Brimborium veranstaltet, wie beim Rennspiel Motorstorm. Ob es jetzt um Sonys berühmt-berüchtigte E3-Videoankündigung von 2005 ging oder andere angebliche Fakten und Mythen - die Wogen in den Internetforen Für und Wider das Spiel ließen sich kaum glätten.

Doch nun gibt es keine Ausreden mehr, kein "angeblich" oder "hab ich gehört". Die PlayStation 3 ist jetzt auch in Europa auf dem Markt, und damit ist Motorstorm endlich bei uns erhältlich. Ob die ganze Aufregung berechtigt war und was übrig bleibt, nachdem sich der Staub verzogen hat, haben wir nach einer ausgiebigen Schlammschlacht herausgefunden.

Viel Staub um nix?
Wobei, so richtig verzogen hat sich der Staub gar nicht. Schließlich finden die Rennen in Motorstorm im Monument Valley, USA, statt. Dort gibt es jede Menge feinsten Staub, Geröll und bei feuchter Witterung dementsprechend Matsch und anderen Dreck, die das ideale Terrain für rustikale Schlammschlachten bereiten.

MotorStorm - Heizen bis der Gummi qualmt - das erste Must-Have für die PS3?

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Kurz vor dem Start sehen die Vehikel noch schön sauber aus...
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Das Panorama ist, wie in der Realität, atemberaubend: Die Weitsicht bei diesem Spiel der Evolution Studios ist auf einigen der acht Kurse tatsächlich phänomenal, die Berge in der Distanz prima zu erkennen. Aber auch aus der Nähe sind die Details der felsigen Wüstenkulisse prachtvoll anzuschauen. Es kann keinen Zweifel geben, dass Motorstorm eines der visuell beeindruckendsten Erlebnisse der PS3 ist und derzeit auch abseits dieser Konsole nur schwer zu toppen sein dürfte - erst recht nicht von einem Rennspiel.

Doch das Wichtigste bei einem Spiel dieses Genres ist nun mal der Fahrspaß. Wie ist es darum bestellt? Kurz gesagt: sehr gut, wenn auch begrenzt. Grund dafür ist, dass Motorstorm nur acht Tracks bereitstellt, auf denen man sich austoben darf. Das klingt nicht nur wenig, das ist es auch. Im einzigen Modus des Spiels, dem Motorstorm-Festival, schaltet ihr ein Ticket nach dem anderen frei, indem ihr durch gute Platzierungen Punkte sammelt. Jedes Ticket steht für einen Parcours, sodass ihr, ein wenig Geschick vorausgesetzt, recht schnell alle Kurse gesehen habt.

Packshot zu MotorStormMotorStormErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Auf diese Weise werden so ganz nebenbei die meisten der insgesamt etwa 40 Fahrzeuge freigeschaltet, die in sieben unterschiedliche Typenklassen aufgeteilt sind. Die Palette reicht von massigen Trucks, über Geländewagen, Rally-Sportwagen bis hin zu eher zierlichen Quads und sogar Motorrädern. Nicht auf jeder Strecke stehen alle Typen zur Verfügung, meist ist die Auswahl sehr eingeschränkt und dem entsprechenden Gelände angepasst.

Über Stock und Stein
Die actiongeladenen Rennen führen euch buchstäblich über Stock und Stein - feste, abgesteckte Pisten sucht ihr hier vergeblich. Nur grobe Richtungsanzeiger, Plakate oder gelegentliche Zuschauer geben Hinweise darauf, wo ihr langfahren sollt. Da kann es schon mal passieren, dass man sich nach einem waghalsigen Sprung über eine der Rampen plötzlich einem gähnenden Abgrund gegenübersieht und ins Leere stürzt.

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Nur fliegen ist schöner!
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Wer die Chance auf einen Sieg haben will, sollte daher die Kurse aus dem Effeff beherrschen. Das gilt umso mehr, da es für jeden Parcours multiple Lösungswege, also verschiedene mögliche Routen gibt. Diese sind auch mehr oder weniger auf die unterschiedlichen Fahrzeugklassen zugeschnitten. So fällt es Motorrädern naturgemäß leichter als tonnenschweren LKWs, höher gelegene "Fahrspuren" zu befahren und sich mit halsbrecherischen Sprüngen den Weg zu bahnen. Brummies hingegen spielen ihre Vorteile auf matschigeren, erdnahen, mit Steinen übersäten Routen aus. In die Quere sollten Fahrer grazilerer Vehikel diesen Kolossen nicht kommen, denn in den Rennen gilt das Recht der Stärkeren: Es wird geschubst, gerammt und geschoben, was die Karosserie hergibt.

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das fantastische Schadensmodell des Spiels sorgt dafür, dass sich die Fortbewegungsmittel durch Kollisionen, Unfälle und harte Landungen langsam aber sicher von ihren Einzelteilen trennen: Stoßstangen fliegen weg, Motorhauben, Türen und Räder machen sich selbständig, bis häufig nur noch die tragenden Teile eines Fahrzeugs zu sehen sind und ihr praktisch in rumpelnden Wracks unterwegs seid. Natürlich könnt ihr die Vehikel auch vollständig zerlegen - entweder durch die schon erwähnten Abflüge in hunderte Meter tiefe Schluchten - oder auch einfach durch Crashs mit euren elf Konkurrenten.

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Wo kein Platz ist, wird Platz gemacht!
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Eine weitere Möglichkeit die Wagen in spektakulären Explosionen zu verschrotten, ist, den Motor mit zu vielen Boosts zu überhitzen. Ihr könnt (außer direkt am Start) jederzeit einen Turbo zuschalten, der euch einen Geschwindigkeitsschub verpasst. Wer allerdings die Anzeige für die Motorenhitze aus den Augen verliert, riskiert einen kapitalen Motorschaden und damit die Detonation des Fahrzeugs. Sekunden später findet ihr euch per Respawn jedoch auf der Piste wieder. Wer es eilig hat, überspringt die tollen Destruktionsanimationen und steigt schneller wieder in den wilden Ritt durch das Monument Valley ein. Das Gute: Nach einem Respawn befindet sich die Boostanzeige auf null und ihr könnt gleich wieder Stoff geben, um die verlorene Zeit aufzuholen. Boosts sollten deshalb gezielt eingesetzt werden, um auf übersichtlichen Streckenteilen Boden gut zu machen oder sich auch Bedrängnis zu befreien.

Clevere KI-Konkurrenten
Wer glaubt, sich auf diese Weise durch die chaotischen Rennen schubsen zu können, hat die Rechnung jedoch ohne die aggressive KI-Konkurrenz gemacht: Die computergesteuerten Fahrer rammen euch gerne mal von der Strecke oder in einen Felsen hinein, dass es nur so raucht. Sie abzuhängen ist auch mit der gut ansprechenden Steuerung noch viel schwerer, selbst wenn man zweieinhalb Runden locker das Feld anführt, kann schon der erste größere Fehler das Aus bedeuten und euch an das Ende des Feldes versetzen. Echt clever und ziemlich tough!

Wer sich ein Fahrerlebnis der ganz besonderen Art gönnen möchte, schaltet die Stick-Steuerung aus und aktiviert die Gesten-Steuerung des "Sixaxis"-Controllers, bei der ihr die Fahrzeuge so lenkt, als hieltet ihr ein Lenkrad in den Händen. Das klappt zwar ganz gut, allerdings sind die Bewegungen ein wenig zu "schwammig" umgesetzt und die Kontrolle erweist sich als etwas unpräzise. Am Wichtigsten ist es daher, im Laufe der Zeit die bestmögliche persönliche Kombination aus Fahrzeug und Route für jeden Kurs zu finden, dann klappt's mit etwas Übung auch mit Spitzenpositionen.

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Da knirscht das Blechkleid: Hier wird gedrängelt ohne Ende!
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Technisch haben sich die Entwickler bei Motorstorm kaum eine Blöße gegeben. Abgesehen von wenigen Frameeinbrüchen bei Massenunfällen und zig gleichzeitigen Explosionen spielt sich das Renngeschehen sehr flüssig ab und ist dazu höchst ansehnlich animiert. Die Fahrzeuge bieten eine phänomenale Liebe zum Detail, die sich auch auf die Fahrer erstreckt (was man vor allem bei Motorradfahrern beobachten kann). Ständig wird Sand, Matsch und Dreck hochgeschleudert, der an den Vehikeln haften bleibt und sie völlig verschmutzt. Sogar auf dem Bildschirm sind Schlammspritzer zu sehen und beeinträchtigen gelegentlich die Sicht, was zusammen mit den tollen Lichteffekten natürlich immens zur Atmosphäre beiträgt.

Daran haben übrigens auch der rockige Soundtrack sowie die satten Effekte und Motorengeräusche einen gehörigen Anteil. Hier säuseln die Fahrzeuge nicht vor sich hin, sie brummen, wummern und klingen richtig fett! Abzüge kassiert das Spiel aber für den nicht vorhandenen Offline-Multiplayermodus. Wer gerne die eine oder andere Runde mit seinen Freunden zockt, kann bei Motorstorm nicht auf einen Splitscreenmodus zurückgreifen. Mehrspielerrennen für bis zu zwölf Fahrer gibt es nur online. Dafür seid ihr im Gegensatz zum Singleplayermodus aber bei der Fahrzeugauswahl keinerlei Begrenzungen ausgesetzt.