Spiele mit jährlichen Updates unterliegen oft dem Problem einer schlecht vertretbaren Daseinsberechtigung. Was hat sich denn im Vergleich zum Vorjahr geändert? Diese Frage ist auch beim Zweirad-Simulator Moto GP 15 berechtigt. Immerhin: Kleine Fortschritte sind erkennbar.

MotoGP 15 - Pre-Order TrailerEin weiteres Video

Typisch für ein Nischenspiel dieser Sorte ist auch die schwammige Zielgruppe. Es sind nun mal weit weniger Videospiel-Cracks scharf auf eine Runde Moped als auf eine Tour mit einem schönen Sportwagen. Schwerer auf der Bahn zu halten, viel pingeliger in der Kurve und in den Anforderungen an den Bremsen; ja so ein Plastik-Bomber auf zwei Rädern ist halt nichts für Normalsterbliche. Nur, wie weit darf man sich vom Durchschnittspublikum entfernen, um der Nische Tribut zu zollen?

MotoGP 15 - Zwei Räder, ein Kurs, null Current Gen

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Motorräder und Fahrer sehen echt gut aus.
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Moto GP gehört seit Jahr und Tag zu den kompromisslosen Genrevertretern und schert sich wenig um den Massenmarkt. Wer den niedrigsten Schwierigkeitsgrad verschmäht, muss sofort mit der harten Realität leben. Bremsen sollte man zum Beispiel nur auf Geraden. Ist beim Auto ähnlich, nur hier eben kompromissloser, denn wer driftet, legt sich oft auf die Kauleiste, weil er entweder beim Abrutschen oder beim Auffangen der Bodenhaftung ins Schlingern kommt. Da gibt's nix von wegen einfach mal drauf los heizen, es sei denn man schaltet Fahrhilfen zu, die aber jeglichen Reiz am Motorradfahren nehmen und zum Teil unnötig bremsen. Also entweder ganz oder gar nicht. Dazu noch Profi-Rennstrecken der Marke Knäckebrot, fertig ist das Bleigewicht für das Ladenregal.

Nun, attraktiv wie Blei für den ahnungslosen Warmduscher, den Banausen, den Kostverächter. Aber nicht für Freunde der Tausendstel-Stelle in der Rundenzeit-Anzeige. Moto GP ist so ein typisches Fummelspiel für Präzisions-Fetischisten, die sich Kurvennamen merken und wegen des geringsten Fahrfehlers ein Rennen neu starten. Es ist ein Spiel, in dem sich all diese Marotten auszahlen, ja gar zum Einmaleins gehören, auch wenn die inzwischen zum Standard gehörende Rückspul-Funktion im ersten Augenblick verführerisch erscheinen mag. Hier reicht ein leicht zu stark gedrückter Beschleunigung-Trigger für den Abgang ins Blumenbeet, da hilft nur Erfahrung, und kein Zurückspulen..

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Die Rennstrecken hingegen sind eher etwas angestaubt.
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Darum könnte vielen Käufern reines Zeitfahren gegen die Uhr sogar noch mehr Spaß machen als die Karriere im wuseligen Fahrerfeld. Der ständige hohe Anspruch an Fahrer und Bock verhindert das bei Auto-Rennspiel übliche Tunnelblick-Syndrom. Ohne Fahrhilfen muss man ständig vorausschauend flitzen, den physikalischen Grenzen den Stinkefinger zeigen. Und man muss üben, üben, üben, bis man zumindest die schwierigsten Kurse im Schlaf beherrscht.

Deswegen macht es für Anfänger und Fortgeschrittene in diesem Genre, die das mit dem Üben noch nicht hinter sich haben, fast keinen Unterschied, ob sie nun Moto GP 14 oder 15 einlegen. Die aktuelle Variante läuft etwas sauberer als die vom letzten Jahr, verpasst aber leider die Gelegenheit, sich ihrer Last Gen-Wurzeln zu entledigen. Böcke und Fahrer sehen toll aus, die Strecken hinken dem aktuellen Standard jedoch ein ganzes Stück hinterher. Was wenig wundert, wenn Moto GP 15 noch für Xbox 360 und PS3 erscheint.

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Das Rennen im Fahrerfeld bietet auch aufgrund der KI einige Frustmomente.
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Genau genommen stellt Moto GP 15 nicht viel mehr dar als die jüngste Build desselben Spiels mit aktualisierten Inhalten. Wozu übrigens auch das Fahrerfeld der 2014er Saison gehört. Mehr Inhalt ist immer gerne gesehen. Besitzer der 2014er Auskopplung zucken trotzdem nur mit den Schultern. Sei es drum. Nach dem Tutorial , das ausführlich in alle Eigenschaften der Motorräder einweist. startet man als Anfänger in der langsamen Moto 3 und arbeitet sich (im eigens erschaffenen Rennstall) gemächlich hoch.

Der Einstieg mit den gemächlicheren Böcken gewährt blutigen Anfängern eine Schonfrist, die aber nicht lange vorhält. Schon in der zweiten Liga sollte man sich nach einem besseren Sponsor umsehen, dessen Vorgaben zu efüllen sind, sonst fließt keine Kohle. Fehlschläge sollte man aber ertragen können, sonst wächst der Frust, denn es sind nicht immer die harten Kurven, sondern auch die etwas sturen KI-Kontrahenten, gegen die ab und zu kein Kraut gewachsen zu sein scheint.

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So unschuldig die Mitfahrer auch tun, gelegentlich möchte man den KI-Kollegen ordentlich die Meinung sagen.
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Soll heißen, sie verteidigen ihre Position ohne Rücksicht auf Verluste. Nein, sie rempeln nicht, aber sie geben auch keinen Meter nach, selbst wenn nicht genug Platz in der Haarnadel bleibt. Leider sieht der virtuelle Sponsor nicht, wie sehr man kämpft. Da hilft – wie schon gesagt – nur endloses Zeitfahren, was aber ebenfalls sehr spaßig sein kann.