Nachdem Capcom die MotoGP-Serie bis vor zwei Jahren relativ sang- und klanglos in der Boxengasse ohne neue Bereifung stehengelassen hatte, krallte sich Publisher Namco Bandai schon im vergangenen Jahr die Lizenz, drückte diese dem Entwicklerstudio MileStone in die Hand und sagte sinngemäß: „Hier mach mal. Aber jetzt in gut!“ Das haben die Entwickler dann im letzten Jahr auch schon ganz beachtlich hinbekommen und schieben nun den Nachfolger an die Startlinie. Auch die PS4 bekommt ihren Ableger. Die Xbox One hingegen geht leer aus.

Nur PS4 und stattlicher Spielmodi-Umfang

Ja, ihr habt richtig gelesen: MotoGP 14 erscheint für PC, PS3, PS4, PS Vita und Xbox 360. Für die Xbox One seien laut MileStone einfach keine Ressourcen vorhanden, um auch für die Microsoft-Jünger eine Version zu wuppen. Das ist natürlich schade, allerdings muss man auch unumwunden zugeben, dass der Motorrad-Rennsport nach wie vor im Schatten der Formel 1, der DTM, ja sogar der WRC steht und einzig Sport1 da seit Jahren beharrlich versucht, die Reichweite des Motorrad-Sports zu vergrößern.

MotoGP 14 - Stefan Bradl jetzt auf dem Next-Gen-Radl

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Bruuuummm.
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An Spielmodi-Umfang bietet der Titel schon mal alles, was man sich von einem ambitioniertem Titel im Motorsport erwartet und es bei einem Gran Turismo auch nicht umfangreicher serviert bekommt: Sofortrennen, Karriere, Meisterschaft, Grand Prix, Time Attack-Modus, Real Events 2013, Challenge the Champions, Safety-Car-Modus und ein Mehrspielermodus mit bis zu zwölf Online-Kontrahenten stehen zur Verfügung. Malträtiert werden wollen die Modi von109 Fahrern mit folglich 109 motorisierten Drahteseln auf 18 Strecken.

Das Menü kommt ohne großen Schnickschnack aus und schickt euch nach der Modi- und Fahrerwahl auch direkt auf die Piste. Vorab wird mit kleinen Filmchen auf den jeweiligen Rundkurs eingestimmt, bevor es auf die Strecke geht. Vor allem für Einsteiger sehr schön gelöst ist das System der Feinabstimmung. Wenn der Gelegenheitsspieler vor Schiebern und Reglern wie die Kuh vorm Scheunentor steht, kann er sich beim Ingenieur Rat holen.

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Kein absoluter Hingucker, aber auch nicht hässlich: MotoGP.
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Dieser versucht nicht nur durch ein leicht verständliches Fragesystem herauszufinden, wo euch auf der Strecke bezüglich der Steuerung oder des Fahrverhalten eures Bikes noch der Schuh drückt und euch erklärt, was das Ganze dann in technischer Sicht bedeutet, sondern diese Optimierung auch direkt für euch vornimmt, so dass ihr euch danach sofort wieder auf die Karre schwingen und sich in die nächste Kurve legen könnt.

Die spielbaren Modi sind weitestgehend selbsterklärend. Im Karrieremodus darf man sich auch diesmal wieder als kleines Licht am Rennsporthimmel hocharbeiten und sich sowie den fahrbaren Untersatz mit individuellen Rennanzügen bzw. eigener Lackierung ausstatten. Die dabei erspielten Erfahrungspunkte ermöglichen dann das Freischalten von Videos aus der vergangenen MotoGP-Saison. In Real Events 2013 spielt man in einer Art Szenariomodus Situationen der vergangenen Saison nach.

Endlich Frischfleisch für die darbenden MotoGP-Fans, das dem Rennspiel-Fahrerfeld zwar nicht davon-, aber auch nicht hinterherfährt. Vor allem auf der PS4 ist noch viel Luft nach oben.Ausblick lesen

Gut gelungene Fahrphysik fährt auf optischem Mittelmaß

Das Gleiche gilt für die Champions Challenges, nur dass hier historische Rennszenarien erneut vom Spieler gemeistert werden müssen. Der Safety-Car-Modus scheint eher eine Art Gag zu sein, da ihr hier nichts weiter macht, als mit dem Safety Car die Aufgabe eines Safety Cars zu übernehmen und dem Fahrerfeld voraus über die Strecke kurvt. Da es hier keinerlei Ziel gibt, hat man sich nach ein, zwei Runden auch an diesem Modus „sattgespielt“.

Aus grafischer Sicht muss man den Unterschied zwischen der Current- und der Next-Gen in diesem Teil zumindest noch mit der Lupe suchen. Die Umgebung wirkte noch ziemlich steril und verwaschen und auch der Detailgrad der Fahrer und Motorräder hat mich jetzt nicht mit offenem Mund vor diesem Grafik-Sahneschnittchen sitzenlassen. Hier bleibt einfach nur abzuwarten, was sich bis Erscheinen in der Hinsicht noch tut – auch die musikalische Untermalung hatte beim Anspielen gänzlich gefehlt. Dafür hören sich die Drahtesel aber realistisch an und vermeiden ein kettensägenartiges Dauergesumme, wie man es noch aus schlimmeren Beispielen buchstäblich im Ohr hat.

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Sebastian Vettel fährt auch mit.
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Positiv aufgefallen ist bis jetzt allerdings schon das Handling der Bikes. Wer schon mal auf einem Motorrad saß, weiß wie verheerend zu viel Gas beim Herausbeschleunigen aus der Kurve sein kann und wie wichtig hier das zeitliche Timing beim Schneiden einer Kurve ist. Ein einfaches Halbverfolgen der Ideallinie mit nervösem Gashebel wie bei einem Forza oder Gran Turismo lässt hier nicht nur das Heck ausbrechen, sondern euren Fahrer mit einem gekonnt bockigem Abwurf auch mal gut zehn, zwanzig Meter vom launischen Gaul abwerfen.

Die Gegner-KI war auch angenehm aggressiv, allerdings konnte ich mir nicht wirklich erklären, warum in sich wiederholt identischen Zweikampfsituationen immer nur mein Fahrer vom Sattel verabschiedet hat, während das Sackgesicht vor mir (unter seinem Helm sicherlich) feixend hinter der nächsten Kurve verabschiedet hat. Apropos Helm: Die Helmkamera ist gut umgesetzt und vermittelt sowohl optisch als auch akustisch mit dem helmtypisch gedämpften Sound ein ganz gelungenes Egoperspektivgefühl. Bis Ende Juni hat MileStone ja noch Zeit, an der Grafikschraube zu drehen, dann dürfte der Titel auch ganz ordentlich werden – natürlich auch mangels Alternativen im Zweirad-Motorsport.