Wenn selbst ein siebenfacher Formel-1-Weltmeister wie Michael Schumacher unbedingt mit den ganz dicken Bikes der Moto-GP-Klasse im Kreis fahren wollte, muss das Rennerlebnis mit diesen Monstern auf zwei Rädern wahrlich ein ganz besonderes sein. Der Nervenkitzel am Lenker eines solchen Geschosses, den "Schumi" mit einem angeknacksten Genick bezahlte, soll mit Spielen wie MotoGP 09/10 auch für uns Normalsterbliche zumindest ansatzweise nachempfindbar werden. Doch der Funke will bei der aktuellen Auflage des Motorrad-Racers von Beginn an nicht überspringen und daran tragen vor allem fragwürdige Designentscheidungen des neu verpflichteten Entwicklerstudios Monumental Games die Schuld.

Gewinnspiel: Die gamona-Redaktion kapituliert! "Ich geb Gas, ich will Spaß", "Mehr Dörte als DiRT?"... Keine Überschrift war uns in der Vergangenheit zu blöd, Hauptsache sie passte irgendwie auch noch zum hunderttausendsten Rennspiel. Jetzt fällt uns echt nix mehr ein. Wer einen witzigen Vorschlag hat, postet ihn bitte in den Kommentaren. Die beste Einsendung wird mit einem "Moto GP"-Spiel belohnt.

Das junge und unerfahrene Studio hat bisher nur einige Spiele produziert, von denen kaum jemand Notiz genommen haben dürfte (Hunter's World, Football Superstars). Dennoch versucht man frischen Wind in Capcoms etablierte Motorsportreihe zu bringen. Der Karrieremodus wurde beispielsweise leicht aufgebohrt und mit neuen Features angereichert.

MotoGP 09/10 - Kapitulation! Heute keine Überschrift - uns fällt zu Rennspielen echt nix mehr ein

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Sowohl Strecke als auch Flitzer hinterlassen optisch einen altbackenen Eindruck.
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Hier spulen wir nun nicht mehr nur ein Rennen nach dem anderen ab und katapultieren unseren Fahrer durch Siege am Ende zum Champion. Wir heuern darüber hinaus in einer Art Management-Addon sogar noch einige Mitarbeiter an, die sich um Pressearbeit (aka Sponsorensuche) und Ingenieurskunst (Schrauberei/Upgrades) kümmern und vom hart verdienten Preisgeld bezahlt werden müssen.

Der Ansatz, die Simulation inhaltlich auszuweiten und mehr Spieltiefe zu bieten, ist löblich. Doch der Einfluss von Motoren-Upgrades, Fahrwerksmanipulationen oder dem Verstellen diverser Fahreinstellungen auf die Rennbikes bleibt marginal. Vor allem bei den leistungsschwachen Böcken, auf die man sich in den ersten Stunden gezwungenermaßen schwingt, sind Änderungen am Setup praktisch unerheblich. Und hier liegt zugleich der Knackpunkt, denn bis ihr an die 800-cm³-Rennmaschinen heran dürft, müsst ihr etliche Runden mit 125 cm³-Bikes absolvieren.

Packshot zu MotoGP 09/10MotoGP 09/10Erschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Doch warum wird uns aufgezwungen Motorräder zu fahren, die bei den realen Meisterschaften nur im Vorprogramm fahren dürfen? Wer ein Formel 1-Rennspiel kauft, will auch nicht stundenlang mit DTM- oder Formel 3-Fahrzeugen herumkurven. Als freiwillige Option ist das eine gute Möglichkeit, einem Titel Masse zu verleihen. Auf diese Weise sinkt die Motivation für PS-Freaks jedoch schnell ins bodenlose.

Zweite Chance mit Nachgeschmack

Moto Gp 09/10 macht es uns jedoch auch von dieser langwierigen Freischaltprozedur abgesehen schwer, am Ball zu bleiben. Da wäre zum Beispiel die deutlich veraltete Optik zu nennen, die im Vergleich zur Vorjahresversion einen deutlichen Rückschritt darstellt: Die Strecken bieten Tristesse ohne Ende, die Bikes wirken detailarm und kantig, Animationen sind hölzern und teilweise lachhaft - etwa bei Kollisionen oder Stürzen, wo wir ob der grauseligen Darstellung unfreiwillig auflachen müssen.

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Der Blick nach hinten ist berechtigt: Immer wieder krachen euch KI-Fahrer ins Heck.
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Den Vogel schießt aber der marktschreierische Sprecher ab. Jede noch so unwichtige Menüoption, jedes Fahrmanöver wird mit sich überschlagender Stimme kommentiert - nur gut, dass sich sowohl die nervtötende Stimme als auch das schrecklich billige Hintergrundgedudel abschalten lässt. Immerhin: Die Motorensounds wummern durchaus amtlich durch die Boxen und sorgen für anständiges Renn-Feeling.

Die Rennen selbst hinterlassen einen arg zwiespältigen Eindruck. Anfangs scheitert der geneigte Rennspielfan häufig an der hypersensiblen Steuerung. Wir schlingern von links nach rechts und wieder zurück, arbeiten uns drei Plätze nach vorn und fallen Sekunden später wieder um sechs Ränge zurück. Trotz zugeschalteter Fahrhilfen eiern wir eher über den Asphalt, als das wir zielgerichtet dahinrasen. Das frustriert trotz der eingebauten Rückspielfunktion (2. Chance), die bei Rennspielen in den letzten Jahren in Mode gekommen ist.

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Wie gewonnen, so zerronnen - Bonuspunkte gehen ganz schnell wieder flöten.
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Wer diese Hilfe einsetzt, um Patzer zu korrigieren, wird von Moto Gp 09/10 zu allem Überfluss auch noch bestraft: Fehler wie Kollisionen, Stürze oder eben der Einsatz der "2. Chance" führen zum Verlust von Rufpunkten, die ihr durch gelungene Fahrmanöver (Windschatten, Ideallinie, Siege usw.) einheimst. Anstatt am Rennende fette Boni und damit Motorenupgrades, Einladungsevents, neue Sponsoren oder Bikes zu kassieren, hagelt es Strafen.

Gummiband auf Rädern

Fehlerlos zu fahren ist auch nach etlichen Stunden kaum möglich, was nicht allein an den schwer beherrschbaren Bikes liegt. Oft genug krachen die stur auf der Ideallinie dahinrasenden KI-Piloten in unser Heck oder rammen uns lapidar von der Piste. Selbst geringste Fahrfehler nutzen die computergesteuerten Widersacher zudem, um uns im Handumdrehen die Spitzenposition wieder abzujagen. Nicht nur einzelne Gegner, sondern ein ganzer Tross zieht dann meist an unserer verzweifelt aufjaulenden Maschine vorbei - und wir stimmen enttäuscht in das Winseln ein.

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Und weiter fährt die Kolonne... immer schön an der Perlenschnur gezogen.
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Das spürbare Gummiband funktioniert allerdings in beiden Richtungen. Richtig weit werdet ihr nie abgehängt, was auch mit an der lausigen KI-Performance in Kurven liegt. Die Länge der Rennen könnt ihr übrigens nicht beeinflussen, mehr als einige wenige Umrundungen der offiziellen Grand-Prix-Strecken sind meist nicht drin. Eine weitere Neuerung wartet in Form von dynamischen Herausforderungen auf euch. Während der Rennen werden zusätzliche Aufgaben gestellt (fahre Ideallinie, überhole Gegner X in einer vorgegebenen Zeitspanne usw.), deren Erledigung mit zusätzlichen Rufpunkten belohnt wird - wenn in der Endabrechnung nicht wieder alles abgezogen wird...

Wer Formel 1 fahren will, lässt sich nicht mit DTM-Wagen abspeisen!Fazit lesen

Neben der Karriere-Option präsentiert das unübersichtliche Interface noch einen Meisterschaftsmodus (ohne Management-Features) sowie einen Arcade-Modus. Letzterer stellt euch vor die Aufgabe, Kurse in vorgegebenen Zeitlimits zu meistern und dabei Checkpoints und gelungene Fahrmanöver für Zeitgutschriften zu nutzen. Die Zeitvorgaben sind jedoch teilweise extrem happig, selbst mit den drei "Restarts", bei denen wir aufgrund sekundenlanger Verzögerung von etlichen Kontrahenten überholt werden, ist eine Zieleinfahrt nur schwer zu erreichen.

Last, but not least bleibt ein Mehrspielermodus, der bis zu 20 Spielern erlaubt, an Onlinerennen teilzunehmen. Die Anzahl der verfügbaren Modi ist jedoch sehr übersichtlich, dafür waren die Verbindungen zu den Spielservern meist stabil. Der Splitscreenmodus für zwei Spieler erlaubt zudem lediglich Arcade-Rennen. Übrigens: Die Daten der aktuellen Rennsaison sollen per DLC nachgereicht werden - immerhin!