Die Maus in Moss heißt Quill, was übersetzt “Schreibfeder” bedeutet und Moss heißt ja eigentlich “Moos”; die Schreibfeder im Moos. Ich bin nicht sicher, was Entwickler und Publisher Polyarc sich dabei gedacht haben, doch ich möchte mir vorstellen, sie haben die Namen in weiser Voraussicht gewählt, um dem Spiel einen gleichsam niedlichen sowie mystischen Touch zu verleihen. Und Moss ist niedlich, mystisch, magisch; ein einfaches Wohlfühl-Adventure mit einer VR-Magie, der ich mich nur schwer entziehen konnte.

Ich beantworte eure Frage gern: Ja, ihr könnt die Maus streicheln.

Moss - Launch Trailer PS-VREin weiteres Video

Wenn ich ehrlich sein soll, musste ich beim ersten Trailer von Moss sofort an meine Verwandten denken. Das wäre doch ein Spiel, mit dem ich ihnen VR vorstellen könnte! Niedlich, familienfreundlich, nicht zu schwer. Irgendwie für Kinder, aber eben auch irgendwie nicht.

Moss im Test: Der Spieler und die Maus

Wer hätte gedacht, Moss würde nicht nur Gelegenheitsspieler und VR-Schwärmer begeistern? Ich sicherlich nicht, bis ich den PSVR-Helm endlich selbst über meinen Kopf gezerrt habe, die Augen öffnete und plötzlich in einem Wald neben einer Maus hockte. Die Vögel zwitscherten, etwas Sonne schien durch die Baumkronen und ein lauer Nebel krabbelte an meinen Füßen und Händen; als die Maus piepste, zu mir kam und ich mich streckte, um sie streicheln zu können. Also wirklich streicheln. Mit meinem Controller. Ja, Moss ist genau diese Art von Spiel.

Die Geschichte beginnt ...

Mögt ihr auch diese Geschichten mit großen, staubigen Büchern und inGame-Erzählern?

Falls ja, werdet ihr Moss lieben lernen. Das Spiel beginnt in einem Hogwarts-esquen, großen Saal mit Kerzen, Bänken und Büchern; vor euch ein Pult und ein typisches Märchenbuch, das zum Glück nicht nach euren Fingern schnappt, wenn ihr es berührt. Stattdessen setzt beim Öffnen eine Erzählerstimme ein und führt euch in das Universum von Moss, während ihr mit eurem Controller Seite für Seite umblättert.

Lasst mich einen kurzen Gedankensprung vollführen: Erinnert ihr euch an die VR-Resident-Evil-7-Demo Kitchen? Falls bei euch zu Hause eine PSVR herumfliegt, solltet ihr euch heute Abend fünf Minuten nehmen, um die kostenlose Demo zu spielen (aber Vorsicht: Es handelt sich um Resident Evil 7). Im Spiel sitzt ihr gefesselt auf einem Stuhl und könnt euch nicht bewegen; oder fast nicht, denn eure vor dem Körper zusammengebundenen Hände bewegen sich mit eurem Controller. Was das Ganze ein wenig zu echt werden lässt, oder anders gesagt: Ich bin selten so verstört zusammengezuckt.

Der leuchtende Ball ist euer Controller und bewegt sich entsprechend eurer Bewegungen

Virtual Reality ist nicht immersiv per se. Zumindest dann nicht, wenn ihr über die “Wow, ich kann mich umsehen!”-Phase hinweg seid. Nun gibt es bereits einige Geräte, die euch noch tiefer in das Spielgeschehen hineinsaugen; wie etwa die Move-Controller oder seltsam-aber-faszinierende Laufbänder, mit denen ihr durch die virtuelle Welt rennt. Haben wir ein solches Laufband bei uns zu Hause? Nein. Indem Moss den Dualshock-Controller trackt, benutzt ihr ihn als inGame-Hand; um also die Seiten des großen Märchenbuchs umzublättern, gilt es, die richtige Bewegung auszuführen. Deswegen fühlt sich Moss von der ersten Sekunde echt an und ganz ehrlich: Wer von euch wollte nicht schon immer in eine fantastische Welt á la Die Unendliche Geschichte gezogen werden? (Ich wollte es.)

Eine typische Heldenreise

… und ab ins Buch! Nachdem die durchweg klassische Einführung die Welt vorgestellt hat, werden wir in die vergilbten Pergamentseiten gezogen und erwachen im Wald; neben der kleinen Maus Quill. Die Story ist so einfach und sympathisch, wie das Cover auf euch wirkt: Eine kleine Maus nimmt allen Mut zusammen, um ihren Onkel aus den Fängen des Bösen zu retten. Aber sie ist nicht allein; sie hat euch, den Leser. Originalität gibt’s in der Geschichte nicht, abgesehen von einem netten Bruch mit der vierten Wand, da ihr als Leser konstant angesprochen und als externe Macht im Reich von Moss anerkannt werdet.

Ein typisches Moss-Rätsel: Gegen die Käfer kämpfen und Plattformen benutzen, um vorwärtszukommen

Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass Quill selbst immer wieder direkt zu euch schaut, euch Hinweise gibt und ein High-Five mit eurem Controller verlangt, sobald ihr einen schwierigen Abschnitt gemeinsam bewältigen konntet. Abgesehen von der schieren Niedlichkeit dieser Gesten und dem “Awww”-Gefühl, das euch dabei garantiert überkommen wird, schafft Moss es auf diese Weise, euch an die kleine Maus zu ketten. Denn wie könntet ihr sie nicht mögen? Oder diese märchenhafte Welt?

Das Gameplay orientiert sich an den Möglichkeiten der PSVR. Es gilt, Rätsel zu lösen und gegen Maus-große Käfer zu kämpfen, wobei ihr euren Controller stets entsprechend bewegen müsst. Etwa, um in einem Puzzle eine Wand zu verschieben, Türen zu öffnen oder gar die feindlichen Käfer zu kontrollieren. Gleichzeitig steuert ihr auch Quill; sie ist also keine völlig losgelöste KI wie in The Last Guardian. Also, wer seid ihr nochmal? Quill? Der Leser? Eine leuchtende Kugel? Naja, irgendwie alles zusammen.

Ein kleiner Schritt für eine Maus, ein großer Schritt für das VR-Genre.Fazit lesen

First-Person-Third-Person-VR-irgendetwas-Perspektive

In Moss fühlt sich die Perspektive weniger kompliziert an, als sie ist. Es gibt verschiedene PoVs (Point of View), die ihr übernehmt: Ein Leser in einer großen Bibliothek, eine Art Geist mit Maske in der Geschichte, aus dessen Augen ihr die alles beobachten könnt und schließlich steuert ihr Quill aus der Third-Person-Perspektive. Lassen wir die Rahmenhandlung unbeachtet, mixt Moss Third-Person- mit First-Person und das auf eine wundervoll originelle, schnell zu erlernende Art.

Schüler-Praktikant Winston: “Selber kommt man sich sehr klein im Vergleich zum Rest der Welt vor, aber im Gegensatz zu den eigentlichen Charakteren, wie Quill oder ihren Gegnern, fühlt man sich wie ein Riese.”

Aber das ist nicht alles, was die Perspektive ausmacht: Moss ist ein Meister des versteckten Blickwinkels; mit kleinen Hindernissen und halb verdeckten Schlupflöchern, die ihr nur umgehen und entdecken könnt, wenn ihr euch mit geneigtem Kopf vorbeugt. Die Level sind organisch, ebenso wie die furchterregende, riesige Welt, die vor euch emporragt, sobald ihr nach oben schaut. Riesig und winzig, starr und belebt: Polyarc hat sich scheinbar ernsthaft darum Gedanken gemacht, wie sich ein VR-Spiel anfühlen sollte.

Moss sollte nicht ohne VR-Brille spielbar sein

Nun ist Moss PSVR-exklusiv, aber gerade nach einigen ziemlich positiven Reviews zum Spiel schallen die ersten “Warum nur VR?”-Rufe durch die Weiten des Internets. Ich weiß nicht, ob es jemals ohne VR spielfähig wird, aber ich kann euch zumindest sagen, warum es das [/i]nicht sollte[/i].

Natürlich verstehe ich die Enttäuschung hinter der Frage und Aufforderung, ebenso wie ich gut nachvollziehen kann, warum viele von euch keine PSVR oder andersartige VR-Brille besitzen. Aber ganz plump gesagt: Ohne VR ist Moss nur ein halbes Spiel. Ein kleines, vielleicht sogar mittelmäßiges Adventure, das in der Form weder originell noch besonders lohnenswert aufgrund der kurzen Spieldauer ist. Ohne VR würde schließlich auch das Tracking des Controllers ohne die Kamera an eurem Fernsehgerät wegfallen.

Der März hält einige Überraschungen bereit:

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Moss ist ein durchweg natives VR-Spiel; für VR gemacht, weswegen es auch nur mit VR funktioniert. Damit ist Polyarcs Adventure auch ein kleiner Meilenstein des VR-Genres; ein niedliches Spiel, das wie Quill selbst, mehr schafft und erreicht, als ursprünglich erhofft.