Mit "Mortal Kombat vs. DC Universe" steht der neueste Teil der großenteils in Deutschland indizierten Prüglerreihe seit einigen Tagen in den Regalen. Doch diesmal ist alles anders. Eine Indizierung oder gar Beschlagnahme des Titels steht nicht zu befürchten, denn die USK hat dem nunmehr achten Teil der Serie die Freigabe ab 16 Jahren zuerkannt. Sind die Entwickler von Midway mit den Jahren womöglich zahm geworden und lassen ihre Figuren nur noch mit Wattebällchen aufeinander losgehen, oder steckt etwas anderes dahinter? Wir waren neugierig.

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Prügel für Superhelden

"Mortal Kombat vs. DC Universe" betritt in mehrfacher Hinsicht neue Pfade auf den ausgetretenen Wegen der Schlägerspiele. Da wäre zum einen, dass die Charaktere der Reihe auf die Helden des DC Universums treffen. Und das erklärt auch den Blutverlust der Serie. Denn die Verantwortlichen bei DC Comics hätten es gar nicht gern gesehen, wenn Sub-Zero und Co. aus ihren Schöpfungen kleine Fleischfetzen machen könnten.

Mortal Kombat vs. DC Universe - Schlagabtausch in Spandex-Hosen

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Deshalb ist es zwar möglich, Superman, Flash oder Green Lantern die Birne weichzuklopfen, doch das nur in einem Stück. Auch die legendären Fatalities, stets ein echter Indizierungsgrund in Deutschland, sind deutlich entschärft worden. Zwar sind sie immer noch unterhaltsam anzusehen, doch das buchstäblich Herzzerreißende der Vorgänger fehlt ihnen. Das mag manch ein Fan der Reihe bedauern, doch entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg des Titels ist es nicht.

Weniger blutrünstige Naturen werden auch ohne den Gore-Faktor ihren Spaß haben, denn natürlich kann man trotzdem gewaltig auf seine Gegner einprügeln. Erfreulich dabei ist der Umstand, dass auch den DC-Helden und Bösewichten Moves und Kombos spendiert wurden, die ihrer Rolle in den Comics entsprechen.

Mach keine Geschichten

Die größte Schwierigkeit bestand für die Entwickler wahrscheinlich darin, das Zusammentreffen der beiden völlig unterschiedlichen Welten von Mortal Kombat und den DC-Comics ins Spiel zu integrieren. Also hat man sich eine abstruse Hintergrundgeschichte konstruiert, die sich locker um die Prügeleien herumschlängelt. Im Zentrum der Story steht ein Oberfiesling namens Dark Khan, der für die Verschmelzung der beiden Universen verantwortlich zeichnet.

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Die Folge sind Chaos und Zerstörung, die, wie sollte es auch anders sein, nur mit Hilfe des Spielers gestoppt werden können. Je nachdem, für welche Seite man sich entscheidet, zockt man die Geschichte aus Sicht der MK- oder der DC-Helden durch. Bis man dem großen Buhmann Dark Khan am Ende gegenübersteht, kloppt man sich durch sieben Kapitel, in deren Verlauf man die verschiedenen Figuren der eigenen Fraktion zu Etappensiegen führt.

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Das Ganze ist leider nicht sonderlich spannend inszeniert und überdies nicht sehr motivierend, denn am Ende der Geschichte winken pro Fraktion lediglich ein freispielbarer Charakter sowie eine Trophäe. Da man außerdem die - immerhin weit gehend ordentlich vertonten - Zwischensequenzen nicht abbrechen kann, ist der Story nicht gerade ein durchschlagender Erfolg vergönnt. Auf der anderen Seite muss man der Fairness halber betonen, dass wohl kein Fan der MK-Reihe die Serie wegen ihres übertriebenen Rollenspiel-Inhaltes kauft, sondern wegen gut inszenierter körperlicher Auseinandersetzungen.

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Kenner der Materie wählen daher lieber gleich den Arcade-Modus und dreschen Mann gegen Mann bzw. Frau munter aufeinander ein. Wer sich zunächst mit den unterschiedlichen Techniken vertraut machen möchte, hat dazu im Trainingsmodus ausreichend Gelegenheit. Schade nur, dass man bis auf die Anzeige der gedrückten Tastenkombos sowie einen Sparringspartner keine weiteren Hilfestellungen in Form von Erklärtexten oder ähnlichem bekommt. Ebenfalls einen Blick wert ist die sackschwere "Kombo Challenge", bei der man angezeigte Moves und Schlagkombinationen blitzschnell fehlerfrei nachspielen muss.

Kombinationsgabe

Die große Stärke des Titels ist und bleibt der Kampfpart. Denn die Mischereien machen nach wie vor Laune und haben einige Neuheiten zu bieten. Gemessen an den direkten Vorgängern haben die Entwickler dem Spiel durch das Crossover zu den DC-Comicfiguren nicht nur eine komplett neue Storyline spendiert, sondern auch die Prügeltechnik an einigen Stellen neu konzipiert. So wurde beispielsweise der Waffentausch weggelassen, und ein Wechsel des Kampfstils ist auch nicht mehr möglich.

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Dadurch spielen sich die Schlägereien geradliniger, allerdings auch auf Dauer ein wenig eintöniger als früher. Geblieben sind dagegen die zahlreichen Kombos, die man auswendig lernen sollte, um bleibenden Erfolg zu erzielen. Jeder Charakter spielt sich wie gehabt komplett unterschiedlich. Und daraus resultieren auch die jeweils möglichen Moves und Kombos. Die grundsätzlichen Schlag- und Trittarten unterscheiden sich dabei relativ wenig, entscheidend sind vielmehr die grundverschiedenen Spezialattacken. Die werden durch mehrfaches Drücken einer Richtungstaste in Verbindung mit einer der vier Schlagtasten ausgelöst.

Das ist - zumindest für Zocker mit gutem Gedächtnis - relativ eingängig und führt bei richtigem Einsatz zu schnellen Erfolgen. Ein Manko ist allerdings, dass die Charaktere über unterschiedlich viele Spezialangriffe verfügen. Der Joker beispielsweise kann aus einem ganzen Repertoire von zum Teil urkomischen Attacken verfügen, während andere Kombattanten wie Liu Kang sich eher in Bescheidenheit bei der Auswahl der Kombos beschränken.

Sag mir wer Du bist, und ich sage Dir wie Du schlägst

Die spezifischen Techniken der Kombattanten spielen sich sehr unterschiedlich. Während beispielsweise Sub-Zero seine Gegner gern vereist, arbeitet Flash bevorzugt mit Schnelligkeit. Der Joker verfügt über eine ganze Armada mieser Tricks aus dem Hobby-Zauberkasten, und Superman geht bevorzugt mit roher Gewalt, aber ohne Waffen zu Werke. Anfänger werden vermutlich recht gut mit Sub-Zero zurande kommen, sollten aber auch mit Flash keine größeren Probleme haben.

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Davon abgesehen empfiehlt es sich, jede Figur auszuprobieren, um so ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen. Neu hinzugekommen sind zwei Modi, die frischen Wind ins Genre bringen sollen, sich bei näherem Hinsehen jedoch eher als laue Lüftchen erweisen. Prügelt man seinen Gegner in die Tiefe, so wechselt das Spiel während des Sturzes in den "Freefall-Kombat"-Modus. Dabei gilt es, schnell auf vorgegebene Tasten zu drücken, wenn diese angezeigt werden.

Ist man dabei besonders erfolgreich, kann man kurz vor dem Aufschlag eine verheerende Attacke landen, die den Gegner 30 Prozent Lebensenergie kostet. Wer unten fliegt, kann allerdings das Blatt zu seinen Gunsten wenden, sofern er schnell genug pariert. Dieses kleine Spiel im Spiel verursacht zwar mächtig viel Schaden, wirklich unterhaltsam ist es jedoch nicht. Die zweite Neuerung nennt sich "Klose-Kombat" und bewirkt, dass nach einem Druck auf die R1-Taste der Gegner nahe an sich herangezogen wird. Dann drischt man über das rechtzeitige Drücken der jeweils angezeigten Taste fast wie im Stile eines klassischen Boxkampfes aufeinander ein.

In Schönheit geht die Welt zugrunde

Auch dies erinnert eher an eine Art Minigame als an einen relevanten Spielbestandteil. Im Unterschied zur Freifall-Klopperei hat der Nahkampf allerdings einiges für sich und bietet noch hinlänglich Potential für Weiterentwicklungen. Eine weitere praktische Einrichtung ist der Rage-Modus. Bei jedem kassierten Treffer steigt nämlich ein Aggrometer fleißig an. Ist er gefüllt, kann man "Rage" auf Knopfdruck aktivieren. Daraufhin wird man kurze Zeit unverwundbar, und die eigenen Attacken verursachen mehr Schaden. Nach einigen Sekunden ist der Spuk jedoch vorbei. Bis dahin sollte man also dem Gegner die Rübe zu Brei gehauen haben. Ansonsten wird die Antwort vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.

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Technisch ist die Mortal-Kombat-Reihe auf den Next-Gen-Konsolen angekommen. Die Grafik basiert auf der Unreal-Engine und weiß mit schönen Effekten und detaillierten Hintergründen zu gefallen. Die Bewegungen der Kämpfer hätten zwar ein wenig flüssiger animiert sein können, doch das stört wohl nur sehr empfindsame Augen. Akustisch wird serientypisch dramatische Musikuntermalung geboten. Die Soundeffekte sind ordentlich, aber nicht herausragend. Dafür sprechen die Charaktere in den Zwischensequenzen nahezu lippensynchron.

Auch online geht es jetzt kräftig zur Sache. Zwar können sich auf den Servern genau wie offline stets nur zwei Teilnehmer balgen, doch dafür kann man mit potentiellen Schlagpartnern vorher oder nachher chatten oder eigene Prügelarenen öffnen, um sich mit Freunden ungestört die Socken warm zu hauen. Auch wenn der neue Teil der Reihe einige lieb gewonnene Aspekte seiner Vorgänger vermissen lässt, so können sich Mortal-Kombat-Fans doch erwartungsvoll die Hände reiben. Denn wer will sich schon die Möglichkeit entgehen lassen, dem geschniegelten Lackaffen Superman mal so richtig den Scheitel neu zu ziehen?