Die „Monster Hunter“-Reihe war seit ihrer erstmaligen Veröffentlichung im Jahre 2004 vor allem eine Playstation-Domäne. Eigentlich sollte sich die Plattform-Treue in gewisser Weise - so halten sich jedenfalls hartnäckige Szene-Gerüchte - auch mit Monster Hunter Tri fortsetzen, das ursprünglich wohl für die PlayStation 3 erscheinen sollte. Entwickler Capcom soll jedoch aufgrund hoher Kosten einen Rückzieher gemacht haben, sodass wir nun auf Nintendos Wii urzeitlichen Viechern auf den Panzer rücken.

In Japan ist das Hack n' Slay-Adventure bereits seit dem 1. August erhältlich und erweist sich als Millionenseller. Auch hierzulande sollten Action-Abenteuerer ihre Fuchtel-Konsole unbedingt entstauben.

Monster Hunter Tri - GC 2009 Trailer

Futter für Core-Gamer!

Man mag es kaum glauben, aber die Flut uninteressanter Casualgames für die Wii wird endlich wieder von einem Titel durchbrochen, an dem auch Core-Gamer ihre helle Freude haben können. In Monster Hunter Tri steckt jedoch eine solche Komplexitäts-Hürde, dass Serieneinsteiger ein wenig überfordert sein könnten. Dabei hat Capcom diesmal die Lernkurve bewusst flach angesetzt. Der Spieleinstieg gerät zur stundenlangen Einführungsparty, in der die grundlegenden Spielmechaniken ausführlich erläutert werden. Sehr hilfreich ist zudem das umfangreiche Handbuch, in dem alle sieben Waffenklassen und die Steuerung ausführlich erläutert werden - vorbildlich!

Monster Hunter Tri - Die Monster sind los

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Ab sofort geht es auch unter Wasser auf Monsterhatz!
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Das ist aber auch bitter nötig, denn die Handhabung ist komplex und erfordert - serientypisch - ein hohes Maß an Beobachtungsgabe und Timing. Am besten und intuitiven funktioniert das Handling unseres Jägers mit dem Classic Controller Pro. Die Steuerung ist zwar auch damit durchaus gewöhnungsbedürftig, geht einem nach einiger Zeit aber gut von der Hand. Der grundlegende Spielablauf von Monster Hunter Tri dürfte Serienveteranen bestens bekannt vorkommen. Ihr schlüpft diesmal in die Rolle eines jungen Jägers, der das Dörfchen Moga vor Feinden beschützt und im Laufe der Zeit zu einem mächtigen Recken aufsteigt.

Anders als bei herkömmlichen Genrevertretern gibt es hier jedoch kein ordinäres Levelsystem. Vielmehr dreht sich alles um die Ausrüstung eures Helden, von der die verfügbaren Quests und die Monster, mit denen ihr konfrontiert werdet, abhängen. Besiegte Gegner etwa hinterlassen Rohstoffe, außerdem sammelt ihr andere Materialien durch häufige Besuche im angrenzenden Wald, der für ausuferndes Grinding jederzeit offen steht.

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Wer gegen solche Gegner ohne Taktik nur drauf losprügeln will, ist bald Fischfutter.
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Zusätzlich erbeutet ihr Ressourcenpunkte, die als Währung im Dorf fungieren und mit denen ihr das häufig langwierige und teils auch ermüdende Grinding etwas vereinfachen bzw. durch Helfer automatisieren könnt. Die erbeuteten Rohstoffe wandelt ihr beim Schmieden durch Kombinieren und Experimentieren in neue Waffen und Rüstungen um, außerdem erhaltet ihr dadurch wichtige Zusatzfertigkeiten wie Angriffs- und Defensivfähigkeiten sowie Heiltränke, Fallen und ähnlich nützliche Gegenstände.

Monster & Itemjagd

Vieles daran erinnert an Handwerks-Systeme, wie ihr sie auch aus MMOs kennen dürftet. Allerdings gibt es in Monster Hunter Tri nicht das "eine" beste Schwert oder DIE beste Rüstung, nach der alle streben. Vielfältigkeit und das Herumprobieren mit unterschiedlichen Ingredienzien sind neben dem ständigen Kämpfen und Sammeln bestimmende Triebfedern des Gameplays. Ihre Erbeutung ist jedoch kein Zuckerschlecken, denn die Kämpfe gegen die vielfältigen Kontrahenten des lebendigen Ökosystems von Monster Hunter Tri sind alles andere als eine ständige Wiederholung der immergleichen Abläufe.

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Viele Waffen, wie die neue Switch Axe, warten darauf, geschmiedet zu werden.
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Jede Kreatur besitzt eigene Stärken und Schwächen, Angriffsmuster, die man durchschauen muss, bevor eine Attacke zum Erfolg führen kann. Das richtige Timing ist von entscheidender Bedeutung. Wer sich ohne Geduld durch die Kämpfe metzeln will, wird keine Chance haben. Wer clever ist, macht sich die Vorteile des Öko-Systems zunutze, denn die Wesen bekämpfen sich auch gegenseitig und müssen gelegentlich Pausen einlegen, um Energie zu tanken.

Ein wenig erleichtert werden die Fights durch eine Vielzahl von Sub-Quests, in denen ihr fortgeschrittene Techniken, Geld und Materialien erbeutet. Diese Aufgaben sind - anders als die normalen Quests - fakultativ, bringen aber Vorteile. Im späteren Spielverlauf erhaltet ihr mit Cha-Cha sogar eine Art Sidekick als Unterstützung. Dieser Kumpane unterstützt euch mit Buffs, sammelt für euch nebenbei Rohstoffe und stürzt sich sogar in den Nahkampf.

Endlich wieder ein anspruchsvoller Actiontitel für die Wii!Fazit lesen

Viele dieser Abläufe werden Veteranen bekannt vorkommen, Neulinge werden trotz des moderaten Einstiegs möglicherweise von den harten und häufig unfairen bzw. chaotischen Fights genervt und abgeschreckt.

Neue Unterwasserwelt

Allerdings überrascht Capcom in der mindestens 30-stündigen Solokampagne auch mit einigen Neuheiten, so beispielsweise einer Unterwasserwelt und einem Tag/Nachtrhythmus. Während das frische Szenario die Spielmechanik ein Stück weit aufpeppt, bildet der Zyklus Grundlagen für die Automatisierung der Ressourcengewinnung und beeinflusst auch teilweise das Verhalten von NPCs und Kreaturen.

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Auch der stärkste Monsterjäger braucht mal eine Verschnaufpause!
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Trotz dieser Neuerungen hat Capcom jedoch noch immer Probleme mit der Kamerajustierung. Immer wieder springt die Perspektive, und vor allem in Kämpfen gegen Feindesgruppen wird es leider sehr schnell enorm unübersichtlich. Häufig ist da der feige Rückzug besser als der mutige Tod. Als störend erweisen sich zudem die sehr häufigen Ladescreens, selbst bei kurzen Wegen wird der Spielablauf so immer wieder unterbrochen.

Keinen Grund zum Meckern gibt uns jedoch der Onlinemodus von Monster Hunter Tri. Im Gegenteil! In der nicht wirklich übersichtlichen Lobby treffen sich bis zu vier Recken in der Stadt Loc Lac und können bei ihren Quests sogar per Wii-Speak-Mikrofon (mit leidlicher Qualität) miteinander kommunizieren (per USB-Tastatur ist auch Chatten möglich).

aneben wartet auf Item-Hunter offline und online ein Arena-Modus, in dem ihr mit einem weiteren Mitspieler unter vorgefertigten Regeln weitere Gegenstände erbeuten könnt. Für Wii-Verhältnisse ist das Online-Gaming sicher absolut gelungen umgesetzt, zumal hier viele neue und zusätzliche Missionen geboten werden, die es im Offline-Modus nicht gibt.

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Grafisch holt Monster Hunter das Maximum aus der Wii heraus.
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Ähnliches gilt übrigens für Optik und Sound: Trotz des leider immer noch vorhandenen Kantenflimmerns werden sehr abwechslungsreiche Landschaften und bei Figuren und Monstern detaillierte Texturen geboten, die es so wohl nur bei wenigen Wii-Spielen zu sehen gibt. Hier bewegt man sich vermutlich an der Grenze dessen, was Nintendos Konsole zu leisten imstande ist.

Die Klänge sind zudem höchst atmosphärisch, besitzen einen hohen Wiedererkennungswert und unterstützen den Spielablauf mit unterschiedlicher Dynamik. Eine Sprachausgabe gibt es hingegen nicht und auch die Schriftart ist teilweise schlecht lesbar.