Vielleicht hat PETA einen wütenden Brief geschrieben, vielleicht haben sich die Capcom-Entwickler aber auch einfach eine neue Orientierung für das Monster Hunter-Franchise gewünscht. So oder so bekämpft ihr in Monster Hunter Stories diesmal Seite an Seite anderer Monster die gruseligen Riesenviecher und Dinosaurier. Warum diese Veränderung des Spielprinzips allerdings nur bedingt funktioniert, lest ihr im Test.

Monster Hunter Stories - Official Nintendo 3DS - Trailer

In der ganzen Welt von Monster Hunter leben zahlreiche Jäger die den riesigen Biestern nach dem Leben trachten. In der ganzen Welt von Monster Hunter? Nein! Ein von unbeugsamen Menschen bevölkertes Dorf hört nicht auf sich mit den Monstern anzufreunden und mit ihnen zusammen zu leben. Als Teil dieses Dorfes dürft ihr als junger Bursche ein Ritual vollziehen, dass euch zum ausgewachsenen Rider ernennt - jemand der die Bestien dieser Welt zähmt und sich mit ihnen anfreundet.

Anders als seine Vorgänger kommt Monster Hunter Stories mit einem rundenbasierten Kampfsystem daher, in dem ihr nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip euren Gegner mit einer von drei Angriffsarten attackiert. Vergleichbar ist dieses Gameplay mit dem Brettspiel Mastermind: Nach einer Trial-and-Error-Phase versucht ihr die genaue Reihenfolge der Angriffe eurer Gegner herauszufinden und zu reagieren. Wenn ihr die exakten Angriffsmuster der Gegner kontert, teilt ihr nicht nur mehr Schaden aus, sondern füllt auch die Koop-Leiste eures Dino-Gefährten. Ist diese genug aufgeladen, könnt ihr aufsatteln. Dadurch verteilt ihr mehr Schaden verteilen und steckt auch mehr ein, außerdem steht euch ein Spezial-Angriff zur Verfügung, der je nach Monster variiert und ähnlich wie die Z-Angriffe in Pokémon mit einer sehr coolen Animation daherkommen.

Allerdings wirft sich auch hier die Frage auf: Habt ihr Lust mehrere Stunden am Stück eine Mastermind-Variante von Schere-Stein-Papier zu spielen? Wahrscheinlich nicht. Während Monster Hunter Generations noch suchterzeugend war wie kaum ein anderes Spiel, kann Monster Hunter Stories genau das nicht von sich behaupten. Schnell nutzt sich dieses Kampfsystem gerade bei kleineren Gegnern ab, nach wenigen Stunden lief ich unwichtigen Gegnern bewusst aus dem Weg. Bosskämpfe sind immerhin deutlich spannender, da die Angriffsreihenfolgen der Gegner deutlich komplexer werden und zudem epochaler animiert sind, aber auch hier fehlt es an strategischem Tiefgang den man beispielsweise aus Pokémon kennt. Der Vergleich der beiden Spiele, der aus unerfindlichen Gründen immer wieder aufkommt, ist hier also fehl am Platz. So wird Monster Hunter Stories schnell monoton, trotz wechselnder Welten und Gegner. Ein traditionelles RPG-System hätte dem Spiel gutgetan.

Nargacuga, ick hör dir trapsen

Abgesehen von diesem Kritikpunkt, macht Monster Hunter Stories fast alles richtig was es richtig machen muss. Besonders lobenswert sind die stark unterschiedlichen Oberwelten, die ihr im Verlauf eurer Reise auf dem Rücken eurer schuppigen Freunde erkundet, sowie die Art wie ihr neue Monster in eure Gruppe aufnehmt. Dafür müsst ihr euch nämlich in die Bauten größerer Monster einschleichen. Zunächst erwartet euch ein simples Tunnelsystem inklusive zu ignorierender Kleinviecher, beim Nest angekommen trefft t ihr möglicherweise auf ein Bossmonster, das seine Eier beschützt. Mit etwas Glück findet ihr aber auch ein verlassenes Nest wieder und könnt euch bei den Monstereiern ohne vorigen Kampf bedienen. Wenn ihr euch beim Buffet für eine der Schalen entschieden habt, geht’s direkt raus aus dem Dungeon - ohne noch mal durch die kleinen Tunnel irren zu müssen. Sehr schön.

Monster Hunter Stories macht sehr vieles richtig und würde ohne das monotone Gameplay vielleicht eines der besten Spiele des Jahres sein. Das Kampfsystem enttäuscht allerdings Monster Hunter-Fans und Rollenspiel-Freunde gleichermaßen.Fazit lesen

Die Story und Charaktere von Monster Hunter Stories sind gelinde gesagt etwas stereotypisch geschrieben: Der Junge, der seine Mutter verloren hat weil ein Monster einst sein Haus zerstörte, ist auf einem Rachefeldzug, der dümmlich-nette Muskelprotz und die Jugendfreundin, die Ärztin werden will, sind ebenfalls vorhanden - wer in seinem Leben schon einmal einen Anime geschaut hat, weiß wie die Geschichte von Monster Hunter Stories verlaufen wird. Dafür sind die Dialoge mit viel Charme und Witz geschrieben. So spricht der Dorfälteste beispielsweise nur in Reimen und Wortspielen, die selbst einem Fips Asmussen die Schamesröte ins Gesicht treiben würden, auch euer ständiger Begleiter, ein frecher Felyne lockert die Stimmung auf. Monster Hunter Stories erfindet diesbezüglich nicht das Rad neu, weiß aber Akzente zu setzen.

In Sachen Grafik gehört Monster Hunter Stories zu den besten Spielen für den scheidenden 3DS. Der verniedlichte Grafikstil ist farbenfroh, die Charaktermodelle dennoch detailreich, die Weitsicht in der Oberwelt großartig. Hier hat sich Capcom viel Mühe gegeben. Dass der 3DS allerdings nicht mehr lange in den Regalen hiesiger Videospielläden verfügbar sein wird merkt man ebenfalls: Mehrere Male gab es Ruckler und aufpoppende Charaktere - und das bei einem New 3DS. Wer eines der Vorgängermodelle besitzt könnte sogar noch mehr technische Probleme bekommen.