Ich habe in meinem Leben, oder wie auch immer man diese traurige Ansammlung von verschlissenen Controllern und geplatzten Träumen sonst nennen will, eine Unmenge Games gezockt. Ich war in Weltraumkriegen und Unterwasserabenteuern, habe Liebste verloren und andere gerettet, hatte den größtmöglichen Grusel und geradezu ekstatische Jubelgefühle. Und dennoch, nach über 25 Jahren emsigen Gamens, gerate ich hin und wieder an Spiele, an denen ich scheitere.

Und damit meine ich nicht "Spiele, in denen ich nicht gut bin", die gibt es natürlich zuhauf und wie Sand am Meer. Nein, ich rede von Games, an deren Konzept ich scheitere. Manchmal mehrfach. Manchmal für immer. Die es mir nicht erlauben, sie vom Spielprinzip her überhaupt richtig zu erfassen, ihnen ihre Reize abzugewinnen und den besonderen Funken zu entdecken, der es anderen Leuten erlaubt, Liebhaber und Fans zu werden. Es passiert nicht häufig, aber wenn doch, kann es furchtbar frustrierend sein.

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Doch aus Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum ein schöneres Erlebnis gibt, als sich nach mehreren Versuchen doch durchzubeißen. Den inneren Schweinehund weniger zu überwinden denn viel mehr "wegzugrinden". Nach zwei, drei oder zwölf Versuchen mit erhobenem Trotzköpfchen dazustehen. Nein, ich habe das Spiel noch nicht durch. Aber ich bin, jetzt endlich, drin. Jede Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt, und ich bin ihn nun endlich gegangen, ohne aufs Maul zu fliegen.

Diese viel zu lange Einleitung bringt uns also zu Monster Hunter. Eine Reihe, mit der ich erst spät Berührung hatte, nämlich mit Monster Hunter Tri. Und eine, die mich vollkommenst hätte abholen müssen, denn ich liebte wortwörtlich alles an Tri. Die Riesenviecher. Das Sammeln. Die Ausrüstung. Sogar das damals neue und rückblickend betrachtet relativ schlechte Schwimm-Kampfsystem war mir kein Dorn im Auge. Es gefiel mir auf Anhieb. Und dann rannte ich gegen eine Mauer. Wieder. Und noch mal. Dann hatte ich Kopfschmerzen und gab auf.

Es dauerte bis Monster Hunter 4 Ultimate, bis ich der Reihe wirklich nahekommen würde. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich der einzige bin, dem es so geht, zumal ich erstaunlich schmerztolerant bin, wenn mich ein Spiel, und sei es noch so kantig, in seinen Bann zieht. Und dennoch: Ich verlor mein Herz beinahe so schnell an Monster Hunter, wie ich es gleich anschließend wieder aus den Augen verlor.

Monster Hunter - Ganz oder gar nicht – Warum der Einstieg in Monster Hunter sauschwer, aber lohnend ist

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Monster Hunter ist wie ein angesagter Club: Es ist nicht leicht, reinzukommen, doch wenn ihr es schafft, habt ihr eine Menge Spaß. Und wahrscheinlich geht eure ganze Nacht drauf.
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Woran lag es also? Ich schätze, ein Spiel kann noch so gut sein, aber dennoch Spieler verschrecken, indem es sie überfordert. Und Überforderung ist, nebst vieler wundervoller Dinge, eine Sache, auf die sich Monster Hunter meisterhaft versteht. Es überhäuft mit Inhalt, liefert durch mittlerweile immens viele Waffen und Items komplexe Mechaniken, hat Upgrade-Bäume die so unüberschaubar groß und verzweigt sind, dass sie aussehen wie eine Kreuzung aus dem Periodensystem der Elemente und einem Vererbungsschema und wirkt ganz allgemein eher wie ein MMO, nur ohne das "massive". Eine Grüppchenerfahrung mit Verbesserung, Wiederholung – dem Grind.

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Gerade letzterer, der zur Reihe gehört wie das Pils in den Kopf, ist sicherlich auch ein verschreckender Faktor. Grinding ist nicht jedermanns Sache, was sehr verständlich ist. Und dann wäre da noch die Kleinigkeit, dass abgesehen von einigen frühen Lippenbekenntnissen Monster Hunter seinem geneigten Spieler vor der Konsole einen Dreck darüber erklärt, wie die meisten Dinge funktionieren. Gott gnade dem Zocker, der alleine und ohne Internet rausfinden will, wie er welche Waffe upgraden kann und sollte.

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Monster Hunter erinnert mich in gewisser Weise an Souls. Nur bringt mich Monster Hunter nicht zum Heulen. Dafür ist der Grind ausgeprägter und kann ermüden.
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Es gibt diese Art Spiele, zu denen man sich überwinden muss, wie toll sie auch sein mögen. Die wirkliche Hingabe erfordern, Konzentration, Einarbeitung, Zeit. Die dem schnelllebigen Pick-up-and-Play-Anspruch der modernen Spieleszene einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen, die zu komplex für jedes noch so ausführliche Tutorial wären und genau deshalb auch weitestgehend darauf verzichten, sich überhaupt zu erklären. Die nicht nur geliebt, sondern erobert werden wollen. Deren Geist aus einer Zeit stammt, als man ein Spiel nicht nach zwei schlurfigen Nachmittagen "durch", sondern nach Tagen und Wochen von Arbeit geschlagen hatte. Heutzutage nennt man das gerne die "Souls-Formel", dabei missachtend, dass es diesen Ansatz für Games schon gab, als From Software noch ein Funkeln in den Augen der japanischen Spieleindustrie war, und dass es auch heute abseits von Miyazakis gotischem Fiebertraum Titel gibt, die den Anspruch haben, genau das zu erreichen. Monster Hunter ist eines der größten von ihnen.

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