Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Sagt Nitzsche. Wie immer hat der alte Nihilist und Mentor aller Schwarzträger Recht. Besonders bezogen auf Monster Hunter: Freedom Unite. Denn hier mutiert man innerhalb von Tagen zu einem echten Ungeheuer. Festgesaugt an der PSP flucht, schwitzt, kotzt und blutet man. Mit einem wahnsinnigen Flackern in den ausgemergelten Augen verfolgt man ein Spiel, das in Japan ein Straßenfeger ist – und hier in Deutschland gerade einmal Liebhaberstatus erreicht.

Warum das so ist, leuchtet schnell ein: Monster Hunter: Freedom Unite ist spröde, abweisend und komplex. Allerdings nicht die Art Komplexität von der Sorte eines Anno, welches deutsche Spieler auch in heimischen Gefilden auf strategische Höhenflüge schickt. Nein, es ist einfach nur komplex, ohne einen rechten Zugang, ohne eine rechte Erklärung, warum das eigentlich so sein muss. Man bekommt ein System vor die Füße geworfen und soll gefälligst fressen. Oder gefressen werden. Unbarmherzigkeit, dein Name sei Monster Hunter.

Monster Hunter: Freedom Unite - iOS E3 Trailer

Monster mit Ansprüchen

Monster Hunter: Freedom Unite bietet zunächst natürlich keine sonderlich innovativen Ideen, sondern verlässt sich auf die Stärken der vorherigen Teile und baut diese weiter aus. Das Erlegen und Sammeln von allerlei wilden Kreaturen steht im Vordergrund, Ziel ist das stete Aufleveln und Verbessern der Charaktereigenschaften sowie das Sammeln und Horten überdimensionierter Waffen.

Um den Monstern nämlich Paroli zu bieten, braucht es ein ordentliches Arsenal an Klingenwaffen, Bögen und sonstigem Gerät. Jedes Monster will natürlich auch eine Sonderbehandlung.

Monster Hunter: Freedom Unite - Hilfe! Ein Monster von einem Spiel

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Lückenlose Verwertungskette: Vom Monster bis zum Steak sind es nur ein paar Sekunden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So wirken einige Waffen bei diversen Kreaturentypen natürlich besser als andere. Das gilt auch für die Combos, die nicht bei allen Ungeheuern dieselben Effekte haben. Hier muss man viel rumprobieren und die richtige Zusammenstellung finden – nur wer diese Geduld aufbringt, hat Chancen, in der rauen prähistorischen Welt der Monster Hunter zu überleben.

Für jeden Auftrag, den man erfolgreich erledigt hat, gibt es eine angemessene Auszahlung, die wiederum in die Ausrüstung und das Akquirieren neuer Aufträge gesteckt wird. Das Jagen wird irgendwann zum Selbstzweck: Jagen, um Geld zu verdienen, und Geld verdienen, um zu jagen.

Monster Hunter: Freedom Unite - Hilfe! Ein Monster von einem Spiel

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Die Kreaturen in Monster Hunter: Freedom Hunter sind unbarmherzig und verzeihen keinen Fehler.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei ist man eigentlich nicht alleine unterwegs. Zum einen kann man sich diverse NPCs an die Seite stellen und zum anderen sind auch menschliche Teams möglich. Allerdings ist dies bislang offiziell nur über den Adhoc-Modus machbar – in den Weiten des Internets finden sich allerdings Anleitungen, diesen Umstand auf das gesamte Netz zu erweitern.

Unverständlich, warum Capcom diesen Modus den Spielern nicht direkt zu Verfügung gestellt hat. Denn besonders die Kooperation mit anderen Spielern ist eine der großen Stärken von Monster Hunter: Freedom Unite. Nicht jeder hat drei Freunde, die sich mal schnell mit PSP und Spiel im heimischen Wohnzimmer einfinden.

Nur die Harten kommen in den Garten

Zumal der hohe Schwierigkeitsgrad nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird. Wer sich von einer echten Herausforderung nicht angestachelt fühlt, wird bereits in dem stundenlangen Tutorial die Waffen strecken. Hier gibt es innerhalb von knapp fünf Stunden die Basics – erst dann geht’s richtig los. Monster Hunter: Freedom Unite frisst Zeit und Lebensenergie.

Kratzt, beißt, schwer zu bezwingen: Monster Hunter ist eine Bestie von einem Spiel.Fazit lesen

Nur wer sich hier gebefreudig zeigt, hat auch eine Chance, das Spiel wirklich zu bezwingen. Die Frage bleibt natürlich: Will man so etwas spielen? Brauchen wir wirklich Games, die so hardcore sind, dass sie selbst eingefleischte Zocker abschrecken könnten?

Monster Hunter: Freedom Unite - Hilfe! Ein Monster von einem Spiel

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Jedes Monster verlangt eine Sonderbehandlung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Letztendlich muss die Frage natürlich jeder selbst für sich beantworten. Persönlich stoße ich bei Monster Hunter: Freedom Unite an meine Grenzen. Das Spiel will mehr, als ich bereit bin zu geben. Fordernde, nervenaufreibende Spiele sind durchaus ansprechend und gerne gesehen – wenn ich allerdings stets das Gefühl habe, das Spiel will mich übervorteilen und seine merkwürdig sadistische Seite ausleben, gebe ich irgendwann freiwillig auf.

Die Steuerung des fidelen Jägers geht zudem nicht ganz so flott von der Hand und Fingerkrämpfe sind angesagt, wenn mit dem Stick der Charakter gesteuert und über die Richtungstasten die Kamera justiert werden soll. Es braucht geschmeidige Gelenke für diesen Akt.