Ein bisschen Leidensfähigkeit gehört schon dazu, in vielerlei Hinsicht. Die Monster-Hunter-Reihe war nie dafür bekannt, es seinen Spielern besonders leicht zu machen; wer keinen Ehrgeiz besitzt, sich nicht unbedingt durchbeißen will, sollte gar nicht erst anfangen. Wenn ihr so wollt, ist dieser Ausflug also nur die logische Fortführung einer langen Tradition.

Monster Hunter: Freedom Unite - iOS E3 Trailer

Während Spielspaß andernorts in Bildern pro Sekunde gemessen wird und junge Eltern ihre Zöglinge mit Skylanders-Plastikfigürchen und Activision dadurch mit Geld übergießen, bot Capcom regelmäßig eine Zuflucht. Einen Hort ohne Free-to-play-Gelöt oder sich selbst (durch-) spielenden Käse, dafür mit all dem, was es in Zeiten von Gewinnmaximierung nur noch viel zu selten gibt.

Monster Hunter steht seit nunmehr über zehn Jahren für Videospieltugenden, für den Spaß am Ausprobieren, Scheitern, Neuversuchen. Es wirft euch unvorbereitet in eine fremde Welt, mit nichts als ein paar abgewetzten Klamotten und dem vagen Versprechen, dass es nach den ersten paar Stunden irgendwann seinen so häufig zitierten Reiz entfaltet. Bis es soweit ist, werden aus den „ersten paar“ schnell 20 Stunden; ein guter Freund oder unbeugsamer Wille sind in dieser Zeit zuverlässigere Waffen als alles, was ihr bei Händlern kaufen könnt.

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Das Durchhalten lohnt sich, der Reiz entwickelt sich tatsächlich – bei mir selbst liegt diese Erfahrung erst knappe anderthalb Jahre zurück. Doch auch wenn ihr Monster Hunter für seine reduzierte Art lieben gelernt und dem Reiz nach immer besseren Gegenständen erlegen seid, ist das nie eine entspannte Angelegenheit. Monster Hunter ist eine genauso unzähmbare Bestie wie die Kreaturen, die es zu Stars macht: Man kann diese Spiele respektieren, vielleicht sogar lieben, aber es bleibt eine störrische, unberechenbare Erscheinung.

Monster Hunter: Freedom Unite - Dinogeschnetzeltes zum Mitnehmen

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Das Spiel hat gerade erst begonnen und mein Charakter versinkt bereits in seiner Pritsche.
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Daran ändert auch diese iOS-Portierung nichts, ganz im Gegenteil, es verschiebt vorhandene Probleme nur in eine leicht andere Richtung. Denn wer das PSP-Original oder einen der direkten Vorgänger gespielt hat, kennt neben der im Spiel selbst verwurzelten Bockigkeit eine weitere krude Eigenheit der Action-Rollenspiele: die unmögliche Steuerung. Auf Sonys Handheld war die „Klaue“ – ein Griff, bei dem der linke Zeigefinger das Steuerkreuz, der linke Daumen den Analogstick bediente – weitestgehend die einzige Möglichkeit, gleichzeitig Spielfigur als auch Kamera zu kontrollieren. Das permanente Ausrichten der Perspektive ist seit dem PlayStation-2-Debut 2004 untrennbar mit der Reihe verbunden.

Manche Dinge ändern sich nie

Monster Hunter: Freedom Unite ist nicht der erste fragwürdige Versuch, ein Touchscreen-untaugliches Spiel mit Biegen und Brechen auf die iPads dieser Welt zu hieven und garantiert nicht der letzte. Für die beschränkten Möglichkeiten ist es sogar ganz brauchbar. Zumindest hat Capcom ein paar gute Einfälle gehabt, um einen Totalausfall zu verhindern.

Packshot zu Monster Hunter: Freedom UniteMonster Hunter: Freedom UniteRelease: PSP: 26.6.2009
iOS (iPad / iPhone / iPod): 2014
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Optisch hat sich bis auf die enorm hochgeschraubte Auflösung (die auf Retina-Displays tatsächlich ganz hübsch ist) nichts getan, inhaltlich schon gar nicht. Wo früher allerdings vier haptische Aktionstasten prangten, schmiert ihr nun auf dem Touchscreen über bis zu fünf kleine Symbole. Ein paar von ihnen sind kontextsensitiv und damit im Grunde genommen doppelt belegt, was die Sache nicht gerade leichter macht, aber völlig unbedarft wurden die Teile auch nicht platziert, wie besonders die Angriffstaste zeigt.

Monster Hunter: Freedom Unite - Dinogeschnetzeltes zum Mitnehmen

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Nö, wirklich hässlich ist Monster Hunter nicht, aber auch auf iOS-Geräten ist man inzwischen deutlich hübschere Spiele gewöhnt.
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Stellt euch das Symbol eher als eine Art digitalen Analogstick vor, den ihr in bis zu vier verschiedene Richtungen schieben könnt. Je nachdem, wohin eure nervösen Finger ziehen, ändert sich die Art der Attacke (ihr wisst schon, schwerer Angriff, horizontaler Hieb und so Zeug eben). Das funktioniert nicht perfekt und schon gar nicht so gut, wie es auf der PSP (oder noch besser dem Wii-U-GamePad) der Fall ist, aber besser, als man erwarten kann – zumindest, wenn ihr euch jegliche Versuche spart, Capcoms Portierung auf dem friemeligen iPhone-Bildschirm zu spielen.

Dann wäre die Klaue ohnehin nicht mehr ohne verknotete Patschehändchen möglich. Trotz der optional aufschaltbaren (und im Original nicht vorhandenen) Zielkamera, mit der ihr Gegner fest im Blick halten könnt, feiert der unhandliche Griff ein fragwürdiges Comeback. Diesmal werdet ihr die Kamera vermutlich eher mit dem Zeigefinger der rechten Hand durch Wischen über den Bildschirm drehen – an der Fummeligkeit ändert das allerdings nichts.

Wer Freedom Unite nicht nur spielen, sondern auch präzise steuern will, kauft sich die günstigere PSP-Version. Alle anderen Monster Hunter 3 Ultimate oder demnächst Teil 4.Fazit lesen

Aber ihr wisst ja: Leidensfähigkeit gehört bei Monster Hunter einfach dazu. Ganz so viel hätte Capcom den Spielern dann aber doch nicht zumuten müssen.