"I hate those bugs!", schrieb einer meiner Mitspieler in der Online-Lobby in den Gruppen-Chat und sprach damit das aus, was alle vier von uns dachten, bevor wir in den Kampf gegen den stinkenden Seltas zogen. Falls sich den Monster-Hunter-Fans unter euch schon die Nackenhaare sträuben: Seid unbesorgt und verzeiht mir den fiesen Einstieg – in diesem Fall geht es tatsächlich um einen Käfer. Um ein großes, hässliches, fliegendes Insekt. Und zwar um genau jenes, aus dem ich meine nächste Rüstung bauen werde. Denn dieses Mal gehört das seltene Seltas-Horn endlich mir.

Bekommen habe ich das ersehnte Objekt zwar leider nicht – zu früh haben wir das Biest erlegt, anstatt vorher sein Horn zu zerschmettern –, aber letztendlich bin ich doch mit einem Lächeln von der Quest zurückgekehrt. Es ist ein beruhigendes Gefühl, ein Spiel vor sich zu haben, bei dem man das Wort „Bug“ nicht mit unzureichender Qualitätskontrolle, sondern mit der ursprünglichen Bedeutung verknüpft. Und nach dem, was ich bisher von Monster Hunter 4 Ultimate (im Folgenden mit MH4U abgekürzt) gesehen und gespielt habe, sehe ich auch keinen Grund, wieso sich das ändern sollte. Denn MH4U ist ein sauber programmiertes Stück Software – und darüber hinaus ein tolles Spiel.

Nicht, dass ich daran im Vorfeld gezweifelt hätte. Allerdings stand ich MH4U aller Vorfreude zum Trotz ein wenig skeptisch gegenüber, was die Plattformwahl betrifft. Ich habe den Vorgänger auf der Wii U verschlungen, die 3DS-Version aber nur mäßig genossen; zu bequem war die Steuerung auf der Heimkonsole, als dass ich freiwillig zurück zum Schiebepad und dem virtuellen Steuerkreuz gegangen wäre. Dass MH4U dann aber ausschließlich für den Handheld erscheinen würde, war für mich als Fan der Serie eine Überraschung – auch das Anspielen letztes Jahr konnte die Skepsis nicht vollends nehmen.

Monster Hunter 4 Ultimate - Von welchen Bugs reden wir hier eigentlich?

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Unverhofft kommt oft? Der neue Teil der Dinoreihe scheint sogar mit einer, nun ja, „Handlung" ausgestattet zu sein.
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Und heute? Heute klappt alles wie am Schnürchen: Das Ziehen und Schwingen der mächtigen Morph-Axt, das Klettern an steilen Wänden, das Ausweichen und Wegspringen, ja selbst das Führen der sonst immer so sperrigen Kamera geht erstaunlich präzise von der Hand. Vielleicht lag es an meiner fehlenden Übung, vielleicht auch an einer Optimierung der Steuerung – in jedem Fall spielt sich MH4U am 3DS richtig gut. Capcom hat den 3DS bestens im Griff; selbst einen Online-Mehrspieler-Modus hat man in das Spiel gezwängt.

Sowieso ist letzteres wie schon im direkten Vorgänger der Spielmodus, in dem ihr die meiste Zeit verbringen dürftet und solltet. Nicht, weil die Solo-Kampagne langweilig wäre – erstmals wird sie sogar von einer halbwegs nennenswerten Rahmenhandlung geschmückt, die bis zu meinem aktuellen Fortschrittsgrad sogar ganz interessant ist. Sondern deshalb, weil der kooperative derjenige Modus ist, in dem alle Stränge des Spiels zusammenlaufen, in dem komplexe Strategien erdacht und ausgeführt werden, in dem Grinding für Panzer und Klauen nicht mühselige Fleißarbeit, sondern Teil des Spielspaßes ist. Es dauerte keine zwei Stunden, bis mich das Jagdfieber wieder gepackt hatte.

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Das liegt natürlich zum einen an der nach wie vor anspruchsvollen Spielmechanik, die angehenden Jägern eine Menge Reaktionsvermögen und Konzentration abverlangt: den Bissen und Klauenhieben der Bestien rasch auszuweichen, ihre Spezial- und Distanzattacken vorherzusehen, im richtigen Moment selbst die Waffe zu zücken und zuzuschlagen, stets die Ausdauer- und HP-Leiste im Blick zu behalten, den sicheren Zeitpunkt zu erkennen, um sich zu heilen oder die Waffe zu schärfen – das Spielsystem ist tiefgründig und motivierend. In MH4U kommt neben etlichen neuen Monstern mit gänzlich unterschiedlichen Lebensweisen und Angriffsmustern auch noch eine gewisse „Vertikalität“ hinzu: Springt man von oben auf ein Monster hinab, kann man die Bestie reiten und versuchen, sie auf den Boden zu zwingen. Ein cooles Feature – leider wurden dafür die Tauchabschnitte gestrichen.

Packshot zu Monster Hunter 4 UltimateMonster Hunter 4 UltimateErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Zum anderen liegt das schnell eintretende Jagdfieber aber auch darin begründet, dass der Einstieg kürzer und knackiger ausfällt, dass man schon nach kurzer Zeit auf die ersten interessanten Monster wie den Elefant-Affe-Hybriden Kecha-Wacha oder die Riesenspinne Nerscylla trifft.

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Neben den normalen Rüstungen wird es auch einige spezielle Nintendo-Designs geben. Gewöhnungsbedürftig.
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Monster Hunter 4 Ultimate kommt schneller zum Punkt als seine Vorgänger: Es wird gegrillt, gesammelt, hier sind 14 verschiedene Waffen – fröhliche Jagd, Weidmannsheil! Generell scheint die Schwierigkeits- und Lernkurve wesentlich fairer und spielerfreundlicher anzusteigen, als man das von der Serie gewohnt ist. Das ist per se eine gute Sache – bislang wurde ich aber noch erstaunlich selten wirklich gefordert und bin nur zwei- oder dreimal überhaupt in einer Quest K.O. gegangen.

Für MH-Verhältnisse wäre diese Vereinfachung eine mittelschwere Katastrophe, aber noch habe ich ja nur einen kleinen Teil des Spiels gesehen und bin weit entfernt von den höherstufigen Quests. Bleibt also zu hoffen, dass der Anspruch im weiteren Spielverlauf anzieht - diese Frage werden allerdings erst weitere Spielstunden und der vollständige Test beantworten können.