Ich packe meinen Koffer und nehme mit: zehn Megatränke, zehn Tränke, zehn Kräuterpflanzen und zehnmal Honig. Eine Handvoll scharfer Wetzsteine, ein paar Schockfallen und eine Fallgrube. Einen dicken Batzen leckerer und saftiger, hoffentlich nicht zu blutiger Steaks. Rohes Fleisch. Und nicht vergessen: einen Grillspieß. Alles da? Prima, dann kann’s ja losgehen. Flugs in die Rüstung geschlüpft, eine letzte Mahlzeit gemampft, die Morph-Axt auf den Rücken geschnallt und ab geht’s ins Abenteuer – die Dämmerung naht, und ich werde das erste Mal einen Gore Magala töten.

Das war jedenfalls ursprünglich mal der Plan.

Da stehe ich nun neben der jungen Dame im Nintendo-Dress, die mir keine fünf Minuten vorher noch den 3DS in die Hand gedrückt und mir ein schelmisches „Viel Glück!“ gewünscht hat, nachdem ich jede Einweisung mit einem „Ich kenn mich damit aus“ abgelehnt habe. Ich brauche sowas nicht, dachte ich. Ich habe hunderte Stunden in Monster Hunter 3 Ultimate investiert und jedes einzelne Monster erledigt, vom Großjaggi über den Brachydios bis hin zum brutalen Dämonjho, ich brauche keine Einführung mehr in die Welt von Monster Hunter. Ich bin schon ein gelernter Jäger. Und ein Jäger mit meiner Erfahrung hat es bestimmt nicht nötig, sich die Basics erklären zu lassen.

Jetzt weiß ich: Selbstüberschätzung kann tödlich sein. Denn während meiner gesamten Zeit mit der Demo habe ich es nicht nur nicht geschafft, das Biest zu legen. Schlimmer noch: Zwischendurch war ich mir nicht einmal mehr sicher, wer von uns beiden eigentlich der Jäger und wer die Beute war. Jedes Mal, wenn der Gore Magala zum Sprung ansetzte, rutschte mir das Herz kurz in die Hose – ein Treffer und ich würde locker ein Drittel meiner Lebensleiste verlieren. Ein Fehler, eine falsche Entscheidung, ein Moment der Unaufmerksamkeit, und das Game Over wäre in greifbarer Nähe.

Monster Hunter 4 Ultimate - Wer jagt hier eigentlich wen?

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Monster Hunter bleibt sich selbst treu. Und lässt euch nun sogar in Links Dress schlüpfen. Wer's braucht.
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Das, wofür Dark Souls heute gefeiert wird, bietet Monster Hunter schon seit 2004. Jeder Kampf in Monster Hunter ist ein Duell auf Messers Schneide; die situative Spannung ist erdrückend, wenn das Gefecht seinen Höhepunkt erreicht. Für den Zuschauer mögen diese teilweise 30 bis 40 Minuten Zuschlagen-Ausweichen-Zuschlagen-Ausweichen-Zuschlagen-Heilen-Ausweichen ermüdend sein. Doch für den Spieler, für den Jäger selbst, für ihn gibt es nichts Schöneres, als die mächtige Bestie zu erlegen, koste es, was es wolle, und sie danach genüsslich auszuweiden. Es fühlt sich belohnend an.

Monster Hunter 4 Ultimate ändert an all dem nichts. An der etablierten Formel wurde nicht geschraubt und gedreht, lediglich poliert und nachgewischt. Spielmechanik, Steuerung und Grafik, selbst das Interface entspricht dem des direkten Vorgängers. Nennt es Recycling oder „never change a running system“, in jedem Fall funktioniert es genau so gut wie schon letztes Jahr – oder eben auch genau so schlecht, je nachdem, wie ihr mit Monster Hunter am 3DS klargekommen seid.

Packshot zu Monster Hunter 4 UltimateMonster Hunter 4 UltimateErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Für mich ist ausgerechnet die Plattformwahl der größte Kritikpunkt an diesem Spiel, auf das ich mich unter anderen Umständen uneingeschränkt freuen würde. Ich liebe Monster Hunter 3 Ultimate, aber ich liebe es auf der Wii U. Hunderte Stunden habe ich mit diesem Spiel verbracht und vielleicht 30 Minuten davon fielen auf den Nintendo 3DS. Nichts gegen den 3DS, aber ein solch komplexes Spiel gehört auf den großen Bildschirm und ich möchte nicht auf meinen rechten Analogstick verzichten.

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Darum bitte ich euch, Capcom: Bringt Monster Hunter 4 Ultimate auf die Wii U. Meinetwegen mit hochskalierter Grafik und den abermals hässlichsten Textboxen unserer Zeit, aber bitte doch so, dass man es auch angenehm spielen kann. Nach all der Zeit, die ich mit MH3U auf der Wii U verbracht habe, ist der Sprung zum 3DS ein furchtbar unangenehmer Rückschritt. Die Kamera über ein virtuelles Digikreuz auf dem Touchscreen zu kontrollieren – das ist kein Komfort, sondern eine Notlösung, und vor allem deshalb unglaublich blöd, weil es auf der Wii U doch so gut geklappt hat.

Abgesehen davon stehen die Zeichen für dieses Spiel aber erwartungsgemäß gut. Grafisch mag Monster Hunter keine Bäume ausreißen, aber für den 3DS sieht es durchaus ganz hübsch aus (lasst euch nicht von den miesen Screenshots täuschen), und spielerisch ist es alleine schon deshalb eine sichere Bank, weil es auf dem direkten Vorgänger basiert. Für eine detailliertere Einschätzung war die Demo allerdings zu kurz und zu oberflächlich – hierfür wird erst ein längeres Anspielen nötig sein.

Monster Hunter 4 Ultimate - Wer jagt hier eigentlich wen?

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Wird wieder super, keine Frage, wäre aber auf der Wii U (oder jeden anderen Heimkonsole) besser aufgehoben.
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Ich würde mich wahnsinnig gerne auf dieses Monster Hunter 4 Ultimate freuen und es dem Gore Magala (übrigens ein flugfähiger Kampfwyvern – Serienkenner wissen Bescheid) heimzahlen. Und es gibt so viele Dinge an diesem Spiel, von denen ich noch viel zu wenig weiß und die ich endlich kennenlernen will: Wie fügt sich das Klettern in das Kampfsystem ein? Welche Tricks sind mit den neuen Waffen wie der Sprunglanze möglich? Wie ist es, selbst ein Monster zu erklettern? Welche weiteren neuen Bestien und Jagdgebiete gibt es?

Inhaltlich so stark wie eh und je, spielerisch und technisch auf der Höhe des 3DS-Vorgängers – ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden.Ausblick lesen

Die Demo konnte mir all diese Fragen noch nicht beantworten, sondern mir nur eines bestätigen: Monster Hunter bleibt Monster Hunter, und auf dem 3DS spielt es sich genau so wie vorher – ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich hege jedenfalls meine Zweifel, ob der 3DS die richtige Plattform ist.