Kann ein Freitag der 13., an dem ein neues Zelda, ein neuer Nintendo-Handheld und ein neues Monster Hunter auf den Markt kommen, wirklich ein Unglückstag sein? Nachdem sich Majora’s Mask 3D und der New Nintendo 3DS in unseren Analysen schon als richtig gelungen erwiesen haben, komplettiert Monster Hunter 4 Ultimate das Erfolgstrio nun mit einer größeren Spieltiefe und einem noch gigantischeren Umfang. Die Frage ist eigentlich gar nicht mehr, ob ihr das Trio kaufen sollt. Sie muss vielmehr lauten: Was kauft ihr euch zuerst?

Ganz schön viel Euphorie, die da im Einleitungstext steckt – und das für eine Serie, die hier im Westen nie so richtig Fuß fassen konnte. Ich frage mich: Wieso eigentlich nicht? Legen wir mal die Fanbrille ab, ist die Antwort offensichtlich. Denn in der Vergangenheit war Monster Hunter nie das Spiel, das sich groß um Neueinsteiger scherte; wer Jäger werden wollte, musste sich das meiste selbst beibringen. In Zeiten von dauerhaftem Händchenhalten und mit Symbolen zugekleisterten Minimaps mag das zunächst nicht so verkehrt klingen, in der Praxis aber verging dem angehenden Jäger nach spätestens fünf bis sechs Stunden Pilzesammeln endgültig die Lust. Und wie lange es dauerte, bis man das Schwert oder die Axt nach einem Monster schwingen durfte!

Monster Hunter 4 Ultimate - Von wegen Freitag der 13.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 138/1401/140
Monster Hunter bleibt sich treu, hat aber endlich ein paar wichtige Neuerungen im Gepäck.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nach gefühlt drölfzillionen Ablegern hat es bei Capcom nun endlich „Klick“ gemacht. Vorbei sind die Zeiten, in denen man Grünschnäbel zur Begrüßung erst mal in Eiswasser warf – in Monster Hunter 4 Ultimate werdet ihr sanft an der Hand genommen und Meter für Meter, Stück für Stück durch das Spiel geführt. Nicht so, dass es aufdringlich wirkt, nicht so, dass es langweilig wird, sondern genau richtig portioniert und mit einer kleinen Prise Humor gewürzt. Und wenn man schon im ersten Tutorial auf einem Schiff gegen einen rasenden Gore Magala bestehen muss und dabei nur Unterwäsche trägt, dann ist das fast schon Uncharted-Territorium. Dass ich das noch erleben darf!

Monster Hunter 4 Ultimate ist damit nicht nur ein wichtiger Fortschritt für die Serie, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Westen. Einer, der längst überfällig war und jetzt umso willkommener ist. Vor allem natürlich deshalb, weil die Serie mit Teil 4 ihren persönlichen Zenit erreicht hat – einen neuen Höchststand in Sachen Spielmechanik und Motivation.

Monster Hunter 4 Ultimate - E3 2014 Trailer17 weitere Videos

Dass man in Monster Hunter riesige Bestien erjagt, dürfte selbst für die Unkundigsten unter euch kein großes Geheimnis mehr sein. Viel bedeutender ist die Frage nach dem „Wie“ – und hier liefert der neueste Ableger spannende Antworten, die auch für Veteranen interessant sein dürften.

Das große Ganze bleibt zunächst unangetastet: Man wählt eine Quest aus, packt vor der Abreise Proviant, Heiltränke und Wetzsteine zusammen, sucht sich eine passende Waffe und Rüstung aus und zieht los ins Abenteuer – in eines von acht Jagdgebieten, die aus kleinen, mit minimalen Ladebildschirmen verbundenen Arealen bestehen, in denen etliche kleine Monster und Insekten kreuchen und fleuchen. In irgendeinem der Areale befindet sich auch die Beute. So weit, so klassisch.

Packshot zu Monster Hunter 4 UltimateMonster Hunter 4 UltimateErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Und auch der Schlagabtausch mit Rathalos, Kecha Wacha und Konsorten erscheint zunächst traditionell. Je nach gewählter Waffe schwingt man Klinge, Axt, Hammer oder feuert aus der Distanz, um Schwanz und Horn für seltene Materialien abzutrennen, während man reaktionsschnell ausweicht und im richtigen Moment Tränke konsumiert – die Anspannung während der Duelle gleicht nach wie vor ein wenig derer der Souls-Spiele von From Software. Man weiß: Einmal nicht aufzupassen, kann das Ende der Jagd bedeuten, jeder Fehler kann ein schwerwiegender sein. So rollt man mit dem Steuerknubbel um das Monster herum, zieht mit der Schultertaste den Schild und freut sich darüber, dass die komplexe Steuerung auch auf dem alten 3DS ohne das Circle Pad Pro gut von der Hand geht; wer einen New Nintendo 3DS besitzt, darf die Kamera auch mit dem C-Stick drehen.

Auf die Plätze, fertig...

Neu ist jedoch, dass Monster nun auch Wände erkraxeln und von höheren Ebenen auf euch hinabspringen. Wem das noch nicht reicht, der kann den Spieß auch umdrehen und sich selbst auf die Beute plumpsen lassen – dann startet ein kleines Minispiel, in dem man das Monster reitet und es bei erfolgreichem Abschluss auf den Boden zwingt. Das wiederum bietet die perfekte Gelegenheit, Körperteile wie Hörner zu zerstören, an die man sonst ungleich schwerer herankommt – dadurch gelangt man an kostbare Materialien, aus denen neue Waffen und Rüstungen geschmiedet werden können. Um ein Monster zu erklettern, kann man sich mit dem neuen Waffentyp Insektenglaife sogar mehrere Meter vom Boden abstoßen – sieht cool aus und fühlt sich auch so an.

Monster Hunter 4 Ultimate - Von wegen Freitag der 13.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 138/1401/140
Schöne Aussichten - in jeder Hinsicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese hinzugewonnene Vertikalität ist das große Ausrufezeichen von Monster Hunter 4 Ultimate und gestaltet die Kämpfe je nach Zielmonster tatsächlich wesentlich vielseitiger und spannender, bleibt aber leider neben den zwei neuen Waffentypen die einzige elementare Neuerung der vierten Generation. Dass im Gegenzug die Unterwasserkämpfe aus dem Vorgänger gestrichen wurden, stößt mir persönlich etwas sauer auf, mochte ich das Tauchen im Flusswald doch wahnsinnig gerne – aber gerade am 3DS dürften die technischen Limitierungen sicher ein Grund gewesen sein, auf die Abstecher ins kühle Nass zu verzichten.

Mehr konnte man aus dem 3DS kaum herausholen: MH4U ist groß, fordernd, motivierend – und endlich auch für Einsteiger interessant.Fazit lesen

Davon abgesehen ist es aber absolut beeindruckend, was Capcom da alles auf das Modul gequetscht hat. Nicht nur sehen die verschiedenen Monster, darunter der agile und aggressive Tigrex und der aufblasbare Haiverschnitt Zamtrios, extrem detailliert aus, sie sind auch hervorragend animiert und auch die Modelle der Jäger können sich wirklich sehen lassen – und das bei einer jederzeit konstanten Bildrate. Da kann man auch ein bisschen verschmerzen, dass die Umgebungen teilweise aus der letzten Handheld-Generation stammen könnten.

Monster Hunter 4 Ultimate - E3 Trailer17 weitere Videos

Sogar der kooperative Online-Mehrspielermodus, der in der vorangegangenen Generation noch exklusiv auf der Konsole geblieben war (wir erinnern uns an Monster Hunter Tri auf der Wii und MH3U auf der Wii U), ist in Monster Hunter 4 Ultimate mit von der Partie und funktionierte während unserer Testrunden absolut lagfrei – ob das auch ab der Veröffentlichung bei vollen Servern so bleibt, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Schade ist allerdings, dass man nur wenige Möglichkeiten hat, mit den Mitspielern zu kommunizieren: Einen Sprachchat gibt es nicht und die vorgefertigten Textfetzen, die während einer Quest ausgerufen werden können, sind quasi nutzlos für taktische Absprachen.

Zum Einstieg in das Spiel lohnt es sich aber sowieso, zunächst die Einzelspieler-Kampagne zu spielen: Hier werden nicht nur die Basics ausführlich erklärt, die Geschichte um die Reise einer Jägerkarawane und einen mysteriösen Virus, der die Fauna befallen hat, ist dank witziger Dialoge auch nett erzählt. Mehr als „nett“ solltet ihr allerdings auch nicht erwarten; Monster Hunter hatte es nie so mit spannenden Geschichten. Dafür sind die Dialoge und Questbeschreibungen aber wieder echtes Comedy-Gold.