Mit diesem Comeback hat keiner gerechnet. Dabei lag das Versprechen schon seit dem ersten Auftauchen der Wii in der Luft: Das hier ist für Shooter, der ultimative Lightgun-Ersatz. Tatsächlich gedeiht das tot geglaubt Genre der Railshooter prächtig auf der Wii und wurde gerade wieder mit einem Resident Evil bereichert. Erstaunlich, denn eigentlich leben wir in der Ära der Ego-Shooter. Die wiederum wollen sich nicht so recht mit der Wii anfreunden.

Der letzte Genre-Primus, der sich auf der Wii versuchte, hat eigentlich eine ganz ordentliche Figur gemacht: Call of Duty: World at War ist zwar letztendlich nicht ganz so prachtvoll wie seine großen Brüder ausgefallen, hatte allerdings durchaus ein paar vergnügliche Stunden Shooter-Action zu bieten. Warum also nicht auch noch das über zwei Jahre alte Modern Warfare nachschieben, besonders da gerade auf der Next-Generation nebenan der zweite Teil wütet?

Reduziertes Spielerlebnis

Eigentlich keine schlechte Idee, nur leider wurde für diesen Spagat das fast schon mythisch verklärte Modern Warfare massiv eingedampft. Wer tatsächlich seine erste Begegnung mit Modern Warfare auf der Wii hat, wird sich sicher fragen, was der ganze Hype um die Spielereihe eigentlich soll. Denn ihm wird ein Spiel präsentiert, dass nur noch rudimentär dem Spielerlebnis auf der Xbox 360, PlayStation 3 oder dem PC ähnelt.

Modern Warfare Reflex - Großes Spektakel für die kleine Wii

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Reflex portiert den Spektakel-Shooter fast 1:1 auf Wii.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das fängt an bei der merklich zurückgeschraubten Grafik. Es war natürlich klar, dass die Wii technisch nicht einmal ansatzweise mit der Konkurrenz mithalten kann – jedoch hat man sich dafür entschieden, einfach das Original zu nehmen und die Details zu reduzieren, bis nur noch ein grau in grau übrig bleibt. Von der einstmals imposanten Grafik sind so nur noch monochrome Blöcke übrig geblieben. Ein anderer Ansatz wäre vielleicht wünschenswert gewesen, denn die Wii ist einfach nicht geschaffen für Fotorealismus.

Mit der bleiernen Grafikwüste könnte man an sich leben, jedoch macht die eingeschränkte Farbpalette das Auffinden und Eliminieren von Gegnern nicht gerade einfach. Diese verschmelzen mit ihren grauen Tarnanzügen in der grauen Landschaft voller grauer Bauelemente. Ein trister Anblick, der schnell seinen Tribut fordert: Die Sehnerven schmerzen und jedes Wimmelspiel wird zu Erholung. Nur wer Adleraugen hat, kann schnell genug die feindlichen Kämpfer ausmachen und mit Kugeln beharken. Oft genug sieht man erst nach dem eigenen Ableben, wer den finalen Schuss gesetzt hat.

Packshot zu Modern Warfare ReflexModern Warfare ReflexErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Kampf gegen die Wiimote

Nicht nur die schwer zu identifizierenden Truppen machen dem virtuellen Söldner das Leben schwer. Es ist auch die unpräzise und schwammige Steuerung, die jeden Kampf gegen anstürmende Feinde zum Kampf gegen den Frust werden lässt. Es fehlt einfach an Präzision: Die Wiimote ist weder ein Controller und schon gar keine Maus. Stets hat man das Gefühl, ein hoher Anteil Wodka fließt bereits durch die Adern der Rekruten. Gezielte Headshots sind Glückssache.

Modern Warfare Reflex - Großes Spektakel für die kleine Wii

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Das Handling auf Wii klappt nicht immer perfekt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Besonders das Drehen und Wenden ist eine beschwerliche Sache. Um sich umzudrehen, muss das Fadenkreuz ganz an den Bildschirmrand wandern – in dieser Zeit ist man äußerst verwundbar: Der Kugelhagel perforiert unseren Helden bevor er sich umdrehen konnte. Selbst das einfache Laufen hat so seine Tücken, besonders in hektischen Situationen verliert man den Überblick. Die Flucht von einem sinkenden Schiff kostet so unnötig viel Nerven und Zeit – etwas, was im Original innerhalb weniger Sekunden erledigt war.

Ansonsten bietet Modern Warfare Reflex tatsächlich so ziemlich alles, was es bereits im Original gab: Eine verbissene Story mit einem „Hurra, Krieg!“-Unterton, der mir schon damals sauer aufgestoßen ist, eine ansprechende Solo-Kampagne und zahlreiche Multiplayer-Modi. Diese sind natürlich wieder das Herzstück und zeigen einem Frust und Lust des virtuellen soldatischen Treibens.

Modern Warfare Reflex - Großes Spektakel für die kleine Wii

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Reflex richtet sich ausschließlich an Spieler, die abseits von Wii keine Konsole besitzen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für jeden Kampfeinsatz, egal wie lausig die Vorstellung war, werden ein paar Pünktchen verteilt, um bessere Waffen und Ausrüstungen zu erhalten. Besonders für Neueinsteiger ist die anfängliche Abschussquote ein echter Downer: s Sekunden nach dem Spawnen geht der Rekrut zu Boden. Nach ein paar Runden kann einem das selbst die schönsten Partien ruinieren – Raketenwerfer gehören einfach nicht in Multiplayer-Runden, Punkt. Profis hingegen werden schnell mit dem System warm werden und können sicher einige Stunden mit dem Massakrieren von Neulingen verbringen.