Die Reaktionen auf den ersten Teil unseres Tests zu Black Desert Online haben einmal mehr gezeigt, dass etwas gehörig faul ist in der Community. MMO-Fans, einst gemeinsame Streiter, haben sich über die Jahre hinweg voneinander entfernt, sind sich zusehends uneins und tragen die Konflikte mit härtesten Bandagen aus. Und schlimmer noch - manch einer trägt einen Defätismus vor sich her, der mutigen Entwicklern den ohnehin schon schwierigen Job zur Hölle macht. MMO, wohin gehst du eigentlich? Und wohin geht die Community?

Das lange Warten

Es ist dieses Warten, das uns MMO-Spieler förmlich in den Wahnsinn treibt. Das Warten auf etwas, von dem wir nicht so recht wissen, wann es denn kommt - und ob überhaupt. Früher war diese Warterei noch irgendwie erträglich, als wir noch Hoffnungen vor Augen hatten. Große Titel aus gutem Hause waren das, an denen Hundertschaften von Entwicklern saßen, denen dreistellige Millionenbeträge in den Allerwertesten geschoben wurden.

Vergeblich jedoch war deren Bemühen, weil man die Studios längst optimiert hatte, weil sie angesichts der Größe auch optimiert sein mussten. Jede Abteilung entwickelte irgendetwas - immer die strengen Zeitvorgaben im Blick. Grafik, Sound, Leveldesign, Interface - jedes Element für sich betrachtet ein kleines Meisterwerk, von den Besten komponiert, die die Branche aufzubieten hatte. Immerhin musste man der Selbstbeschreibung als “Leading Publisher” gerecht werden.

MMORPG - Quo vadis, MMO?

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Wie so viele MMOs zuvor steht aktuell Black Desert auf dem Prüfstand und sorgt in der Community für einen heißen Schlagabtausch, auch unterhalb der Gürtellinie.
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Wer wird Millionär?

Doch wie in anderen Bereichen der Kunst gilt auch bei den Games: Die besten Musiker nützen nichts, wenn der Dirigent nichts taugt, wenn es ihm nicht gelingt, die einzelnen Elemente zu einem stimmigen Gesamtwerk zu vereinen. Ein guter Dirigent muss solch ein Gesamtwerk schon im Ohr haben, bevor er überhaupt den Taktstock erhebt. Solche Dirigenten waren und sind großartige Ausnahmen in der Musik - unter den Spieleentwicklern scheint diese Sorte mittlerweile ausgestorben - erdrückt und erstickt vom Erfolg der Industrie. So scheint es zumindest auf den ersten Blick.

Denn ganz so erfolgreich, wie viele Hersteller von sich behaupten, sind sie gar nicht. Da verlost ZeniMax schon mal eine Million Dollar unter allen “aktiven” Spielern, um den Quartalsbericht zu The Elder Scrolls Online zu pimpen, während man zuvor noch kurzen Prozess unter den Mitarbeiter gemacht und einige Hundertschaften entlassen hatte. Spielerschwund? Ach was - die Zahlen sind doch wunderbar!

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Über 90 Millionen Spieler zocken DarkOrbit - sagt zumindest Bigpoint, eine Firma, die eigentlich mal 600 Mio. Dollar wert gewesen sein soll und jetzt für 90 Mio. nach China verhökert wurde.
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Der schöne Schein

Da beteuert Carbine regelmäßig, dass weiterhin mit voller Kraft an den Updates zu WildStar gearbeitet würde, obwohl kaum noch Entwickler im Studio sitzen. Und das deutsche Vorzeigeunternehmen Bigpoint, das irrsinnig erfolgreiche Titel produziert, zu denen sich irgendwie kein Spieler ernsthaft bekennen möchte und das vor fünf Jahren noch 600 Millionen Dollar wert gewesen sein soll, wird mal eben so für 90 Millionen nach China verscherbelt. Ist da eine halbe Milliarde einfach so verpufft oder war dort echt alles nur Fassade?

Die großen Studios, das zeichnet sich nun immer mehr ab, sind mit ihren Weisheiten am Ende. Sie haben während der letzten Dekade allein für Investoren produziert, für Quartalsberichte und Erfolgsmeldungen, nicht jedoch für die Spieler. Große Titel, tolle Grafik, professionelle Sprecher - das waren Werte, mit denen intern gemessen wurde. Für langfristigen Spielspaß und die nachhaltige Weiterentwicklung der Titel indes interessierte sich niemand.

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