Geschichte ist eine Wissenschaft, die Informationen über Ereignisse davor bewahrt, vergessen zu werden. Doch was ist mit jenen Dingen, die sich nicht in der realen Welt abgespielt haben, sondern in einer der zahlreichen virtuellen Welten der MMOGs?

An der Universität von Texas in Austin beschäftigt man sich mit genau dieser Frage. Prof. Megan Winget erklärt:

"Es ist eine große Herausforderung für Archivare, mit digitalen Informationen umzugehen. Eines der interessantesten Probleme digitaler Erfassung ist die Schwierigkeit, Interaktivität zu konservieren. Videospiele werfen die gleichen Probleme auf, wie digitale Kunst. Sie sind interaktiv, sehr komplex und eine Menge Leute sind irgendwie in die Angelegenheit involviert..."

Die Junge Professoring will das Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig solche Daten sein können. Das macht sie an Beispielen aus der Welt der MMOGs deutlich. Dazu gehört die virtuelle Seuche in World of Warcraft ebenso, wie die Ermordung des virtuellen Abbilds von Richard «Lord British» Garriott auf einer seiner Kundgebungen in Ultima Online und der Tod von Morpheus in The Matrix Online.

"Die meisten Befragten haben Lord Britishs Tod als den bewegendsten Moment ihres Lebens bezeichnet. Ich würde gerne mit den Betroffenen reden, die das erleben durften oder wie es für sie war, als sie davon erfuhren. Ich suche nach jenen Leuten, die den Anschlag verübten und sie fragen, ob ihnen bewusst war, dass Lord British sogar Richard Garriott selbst war, der Schöpfer der Ultima-Serie.", erzählt Megan Winget weiter.

Falls sich also der eine oder andere Zeitzeuge an die damaligen Ereignisse erinnert, sollte er sich umgehend bei Prof. Winget melden. Und wer weiß ─ vielleicht gehört ja sogar der virtuelle Mörder selbst zu unseren Lesern...