Seit die Firma Worlds.com am Heiligabend ihre Klage gegen NCsoft eingereicht hat, ist die MMOG-Branche in Aufruhr. Der Kläger ist in Besitz des Patents 7,181,690, auf "System und Methode Benutzern die Interaktion in virtueller Umgebung zu ermöglichen" und scheint gewillt, seine Rechte gegen die Betreiber von Onlinewelten geltend zu machen.

Dabei sei man, so der geschwollen klingende Passus, "geschädigt von der Rechtsverletzung durch NCsoft und habe Verluste zu tragen und auch weiterhin zu erleiden und irreparablen Nachteil und Schaden als Resultat der Rechtsverletzung, bis solche Verletzungen durch das Gericht unterbunden werden."

Doch warum klagt man gegen NCsoft - warum nicht gegen Blizzard Entertainment oder andere MMOG-Publisher? "Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch bei anderen Unternehmen Klageschriften eingehen werden", glaubt Rechtsexperte James Gatto. Allerdings benötigt man, das ist wichtig in den USA, einen Prezedenzfall. Der soll bei künftigen Klagen als Basis dienen und die Chancen auf Erfolg nachhaltig steigern.

Und der erste Sieg ist gerade gegen NCsoft wahrscheinlicher als beispielsweise gegen Blizzard Entertainment, denn nicht zuletzt geht es hier auch um die Wahrung von Fristen. 20 Tage hat der Publisher seit dem 24. Dezember, um auf die Klage zu reagieren - und das zwischen den Jahren, wo sich die Hälfte aller Entscheidungsträger im Urlaub befindet und die Juristerei in den USA quasi eingefroren ist.

Für ein Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Korea hat und immer noch durch das Ausscheiden von Richard Garriott mit Umstrukturierungen beschäftigt ist, eine erschreckend knapp bemessene Zeitspanne. Gerichtsstand in dieser Angelegenheit ist außerdem Texas - für die Verteidiger aus dem Ausland keinesfalls ein angenehmer Schauplatz für eine juristische Schlammschlacht.

Das Rechtssystem der USA basiert auf der Jury. Und deren Entscheidungen sind nicht immer nur von Vernunft geprägt und nicht selten neigen deren Mitglieder auch dazu, insbesondere amerikanische Interessen zu vertreten und dabei horrende Reparationszahlungen zu fordern.

Bislang hat NCsoft nicht offiziell auf die Klageschrift reagiert. Allerdings ist ihnen in diesen Tagen die Aufmerksamkeit der gesamten Branche gewiss. Denn verliert der Publisher in dieser Sache, ist die Waffe, über die Worlds.com mit dem Patent verfügt, endgültig scharf - mit kaum absehbaren Konsequenzen für alle virtuellen Welten, in denen Benutzer durch Avatare interagieren.

Als rechtlich stichhaltig wird das Patent von Rechtsexperten mittlerweile eingestuft. Immerhin reicht es in seiner ursprünglichen Form, behaupten zumindest die Anwälte von Worlds.com, bis ins Jahr 1995 zurück und ist damit nicht nur zwei Jahre älter als NCsoft, sondern stammt aus einer Zeit vor dem ersten MMOG-Urknall.