In naher Zukunft oder einer alternativen Gegenwart. Die Stadt, in der die junge Faith lebt, ist sicher, sauber und steril. Doch unter der scheinbar so idyllischen Oberfläche brodelt der Widerstand. Faith entschied sich zu einem Leben als Runnerin. Mit akrobatischer Eleganz springt sie von Dach zu Dach, von Mauer zu Mauer und unterläuft so das totalitäre System, welches alle sonstigen Datenkanäle überwacht.

Am Rande der Gesellschaft schlägt sie sich so mit gefährlichen Aufträgen durch. Ständig verfolgt von Polizei und Staatsschutz werden höchste Stellen in der Stadtverwaltung auf sie aufmerksam. Schon bald geht es um Leben und Tod für Faith und denen, die ihr nahe stehen.

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Mirror’s Edge schickt euch in eine schöne neue Welt. Blütenweiße Wolkenkratzer ragen bis in den Himmel, dazwischen tummeln sich die Menschen auf schönen Licht durchfluteten Plätzen. Gediegene Großraumbüros in stilvoller Einfarboptik machen das Arbeiten innerhalb der Stadt zur angenehmen Erfahrung. Doch all dies ist nur Fassade, die den einfachen Bürger glauben lässt, um ihn herum sei alles in rechtschaffener Ordnung. Nur wenige wissen, welche Charade die vermeintlich so moderne Welt ist.

Mirror's Edge - Wir halten dem Megahype den Spiegel vor

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Dystopia: Unter der glänzenden Oberfläche der Stadt tun sich Abgründe auf.
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Hinter den Kulissen wird jedes Telefonat, jeder elektronische Datenaustausch von Geheimdiensten überwacht. Großkonzerne und Stadtrat arbeiten gemeinsam an der Kontrolle über jeden Kommunikationsweg. Widerstand gegen die herrschende Gesellschaftsform wird mit schwer gerüsteten Polizeikommandos brutal niedergeschlagen. Wer unter dem Radar der Mächtigen bleiben will, muss sich auf alte Informationskanäle besinnen.

Die Runner, äußerst akrobatische und athletische Spezialboten, bringen Informationen in Briefen direkt zum Empfänger. Dabei stellen sich ihnen zwei Dinge in den Weg: die Polizei und die Schwerkraft.

Eine sprunghafte Lady

Die junge asiatischstämmige Faith ist so eine Runnerin. In der Vorgeschichte erfahren wir kurz, dass sie ihre Eltern während einer Demonstration verlor. Ihre Schwester wandte sich daraufhin dem Staat zu und wurde Polizistin, um der Verfolgung zu entgehen. Faith entschied sich für das Leben außerhalb der bequemen Legalität. Um ihre Nachrichten an den Mann oder die Frau zu bringen, springt, hechtet, rollt und klettert Faith was das Zeug hält.

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Der einzig sichere Weg führt über die Dächer der Stadt.
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Denn der einzige Weg, den Autoritäten zu entgehen, verläuft über den Dächern der Stadt. Ähnlich einem großen Querfeldeinlauf im Großstadtdschungel gestaltet sich dann auch der Großteil des Spiels. Nach einigen Missionen wird Faiths Schwester unschuldig eines Mordes angeklagt, wodurch das Spiel auf eine mit der Heldin verbundene Detektiv-Action-Story umschwenkt.

Wie Anhänger der Trendsportart Parcours verfügt Faith über einige Tricks. So kann sie nicht nur an Rohrleitungen klettern oder elegant über Zäune hechten. Ein kleiner Lauf an der Wand mit abschließendem Abstoß wird euch im Spiel häufig abverlangt, um höhere Ebenen zu erklimmen. Stehen Kisten vor einem Abgrund könnt ihr diese mit einem gut getimten Sprung in euren Lauf mit einbeziehen und springt so besonders hoch und weit.

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Die farbigen Markierungen verraten euch mögliche Aktionen.
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An horizontalen Stangen müsst ihr hingegen im richtigen Moment loslassen, um euch wie ein Trapezkünstler weiter zu schwingen. Die bestmöglichen Absprungpunkte färben sich dabei immer stärker rot ein, je näher ihr ihnen kommt. Fallt ihr etwas tiefer, als normalerweise gesund ist, hilft ein Druck auf die „Ducken“-Taste, um euren Lauf nahtlos und unbeschadet fortzusetzen. Ansonsten erleidet eure Protagonisten nämlich ein wenig Schaden und verliert vor allem an Geschwindigkeit. Und das wiederum sollte eure größte Sorge sein.

Nächster Halt: Ladebildschirm

Die meiste Zeit des Spiels ist Faith nämlich auf der Flucht vor Polizeihubschraubern, SWAT-Teams und sogar Spezialeinheiten, die in ähnlicher Weise akrobatisch geschult sind wie sie selbst. Wer sich da eine Pause erlaubt, erliegt schnell einem Feuerstoß aus einem Maschinengewehr oder wird von Parcourspolizisten KO getreten. Die Ordnungshüter sind nämlich nicht gerade zimperlich in Faiths Welt.

Mirror’s Edge hat zwar großartige Momente, ernüchtert letztlich jedoch. Dieses Spiel hätte viel größer sein können, als es letztlich ist.Fazit lesen

So seid ihr während des kompletten Spiels fast immer unter Zeitdruck, der mal spannend mal frustrierend ausfällt. Großartig sind Szenen, in denen ihr gerade noch um Haaresbreite euren Häschern entkommen könnt, mit einem spektakulären Sprung die Kufen eines Helikopters ergreift, eure Spiegelung in einem der glatt polierten Hochhausfenster seht und dann in Sicherheit geflogen werdet.

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Jetzt nur nicht das Gleichgewicht verlieren...
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Mit Hilfe der gut umgesetzten Steuerung klappt das auch tatsächlich recht problemlos. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit könnt ihr flüssig von Dach zu Dach springen, über Rampen und unter Rohren hindurch euren Weg finden. Es ist sicher möglich, die Levels fehlerfrei zu absolvieren, jedoch sicher nicht beim ersten Anlauf. Zu unübersichtlich ist im späteren Spielverlauf das Design geraten.

Die Suchfunktion auf der B-Taste, welche einem das nächste Zielobjekt zeigen soll, funktioniert nämlich nicht immer einwandfrei und zeigt gerne auch mal den letzten Schalter, den man schon längst betätigt hat. Wenn man dann ohne Zielführung in einer düsteren U-Bahn eine schwach rot leuchtende Leiter finden soll und dabei noch von verschiedenen Seiten beschossen wird, artet das flotte Spielprinzip schnell in zähen Frust aus. Wer dann nämlich nicht mit einem siebten Sinn gesegnet ist, verpasst oft den rettenden Hinweis und Ausweg, nur um dann geschätzte zwanzig Male ein und dieselbe Stelle zu wiederholen.

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Der Grafikstil ist schlicht atemberaubend.
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Zum Glück sind diese Frustmomente im Großen und Ganzen auf die Innenräume beschränkt. In den Außenarealen zieht Mirror’s Edge nämlich alle Register. Mit atemberaubender Weitsicht und einer äußerst glaubwürdigen Soundkulisse weiß das Spiel die dystopische Zukunftsstadt zum Leben zu erwecken. Am schönen blauen Himmel ziehen Flugzeuge stumm ihre Bahnen, aus den Häuserschluchten erklingt Verkehrslärm. Dazwischen hört ihr Vogelgezwitscher (Tauben sind auch wirklich im Spiel und werden beim Vorbeilaufen aufgescheucht) und das Schnaufen der Heldin beim anstrengenden Hindernislauf.

Gerade dieses Schnaufen erzeugt im Verbund mit ein paar anderen Kniffen der Entwickler das unglaubliche Körpergefühl, welches Mirror’s Edge zu großen Teilen ausmacht. In den Spielgrafikzwischensequenzen sehen wir beispielsweise die Arme der Spielfigur, als Faith ihre Schwester umarmt. Blicken wir nach unten, können wir unseren Beinen beim Laufen zusehen, die Arme fassen vor uns rettende Kanten. Selbst Schalter und Ventile bedient Faith per Hand. Selten hat das im Spiel so glaubwürdig ausgesehen.

Standardfiktion statt Zukunftsvision

Nur in den Filmsequenzen zwischen den Aufträgen erlaubt sich Mirror’s Edge die hübsche Faith auch einmal von außen zu zeigen. Doch tut das der Atmosphäre keinen Abbruch. Die Sequenzen sind in einem kühlen Anime ähnlichen Look gezeichnet und unterstützen die Stimmung des Spiels. Viel störender wirkt sich da aus, dass die deutschen Sprecher manchmal etwas lustlos klingen.

Leider gibt die Handlung selbst nicht viel her. Ein bisschen Verschwörung da, ein bisschen Verrat hier… nichts ist wirklich originell oder unvorhersehbar geraten. Gerade das Ende lässt einen ein wenig enttäuscht zurück. Der Spieler hat nichts in der Welt verändert und ist nicht einmal bis zu den Drahtziehern der Verschwörung durchgedrungen. Die im laufenden Spiel über Funksprüche vermittelte Handlung ist leider kaum nachvollziehbar, da die Klangqualität des Funks kaum verständlich ist und man sich im Eifer des Gefechts beziehungsweise Weglaufens kaum darauf konzentrieren kann.

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Die Kämpfe zählen zu den Schwachpunkten von Mirror's Edge.
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Der Eifer des Gefechts ist dann auch so ziemlich das einzige Spielelement, welches Mirror’s Edge gründlich vergeigt. Anstatt die Kämpfe grundsätzlich optional zu machen und dem Spieler die Wahl zu überlassen, ob er brachial oder geschickt vorgehen möchte, zwingt Mirror’s Edge zur Gewalt. Während es anfangs noch möglich ist, den Gegnern auf geschickte Weise auszuweichen, stellt sich euch gegen Ende das Leveldesign derart in den Weg, so dass ihr nur noch zur Waffe greifen könnt.

Unter Beschuss aus allen Himmelsrichtungen ist der richtige Weg kaum auffindbar, und Faith verträgt auch nicht sonderlich viele Treffer. Um an die Waffen zu kommen, müsst ihr nahe an die Gegner heran und diese entweder mit Tritt- und Schlagkombinationen bewusstlos schlagen oder im richtigen Moment die Y-Taste drücken, um ihnen die Waffe zu entreißen.

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Gegner werden mit einem Tritt entwaffnet.
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Nachladen kann Faith die Waffen nicht, also müsst ihr euch nach einem leer geschossenen Magazin erneut auf die Suche nach einem Schießeisen machen. Die Steuerung wird dabei zur reinrassigen Egoshooterbedienung. Die üblichen Wandsprünge und Kletterpartien könnt ihr mit einem schweren MG im Anschlag logischerweise nicht mehr bewältigen. Leider sind die Schusswechsel eher öde geraten. Die leidlich intelligenten Gegner bleiben oftmals mitten im Raum stehen, um euch zu beharken, und wenn sie Deckung suchen, wissen sie automatisch, wo ihr seid. Sie schauen immer zur richtigen Seite aus der Deckung, egal welche Trickmanöver ihr anwendet.

Make War, not Love

Da Faith im Nahkampf sogar noch weniger Treffer aushält als aus den Waffen, wird das Entwaffnen oftmals zum Glücksspiel. Abhilfe schafft hier ein Zeitlupenmodus, der jedoch nur einmal anwendbar ist und sich erst durch längeres Rennen wieder auflädt. Mehrere Gegner werden so zum Albtraum, und doch zwingt euch das Spiel solche Situationen auf.

Auch zwei Bosskämpfe in denen in einem genauen Zeitabschnitt die Y-Taste betätigt werden muss, um den Gegner zu überwinden, lassen keinen guten Eindruck zurück. Die Freiheit des Spiels wird hier durch vermeintlich abwechslungsreiche Quickaction-Mechanismen gestört.

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Selbst ein Sturz aus großer Höhe stellt für Faith kein Problem dar.
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Sobald man sich jedoch bei Nacht im Visier der roten Laserzielvorrichtungen feindlicher Sniper befindet und gerade noch im letzten Moment über eine Wasserleitung balanciert, um gleich darauf in den schicken, in extrem stilvoller Einfarboptik gehaltenen, Hochglanzbüros zu verschwinden, dann lässt einen das Spiel kurzzeitig alles um sich herum vergessen und nimmt mit seinem einzigartigen Stil gefangen. Dies leider aber auch nur kurz, denn Mirror’s Edge ist an zwei Nachmittagen durchgespielt.