




Leider scheitert Mirror’s Edge auf hohem Niveau. Der eigene Anspruch, ein neuartiges Spielerlebnis zu bieten, wird sich selbst nur in den fulminanten Passagen unter freiem Himmel gerecht. In den Innenräumen wirkt es, als hätten die Entwickler hier oft nur Pflichtarbeit geleistet. Die einfallslosen Schießereien in sich wiederholenden und unübersichtlichen Korridoren und Treppenhäusern lassen die Motivationskurve immer wieder nach unten rutschen.
Ich springe von Wand zu Wand, über eine Rampe auf eine Regenrinne. Schnell rutsche ich daran herunter und greife ein Kabel, das mich über eine klaffende Häuserschlucht auf das nächste Hausdach bringt. Doch dann verpasse ich den nächsten Vorsprung um einige Millimeter und darf die ganze Sequenz neu starten. Das macht in den meisten Fällen noch Spaß, die Stellen des Spiels aber, in denen mir Mirror’s Edge die Rolle des Killers zuweist, missfallen mir enorm.
Weniger weil sich das unverbrauchte Spielprinzip hier zeitweise in Standardshooterkost verwandelt, sondern weil Faith als eine Art futuristischer Robin Hood die Wahl haben sollte zwischen Waffeneinsatz oder den Kampf mit Geschick zu vermeiden. Es ist als ob die Entwickler mit einer großartigen Idee an den Start gegangen sind, nur um sie auf halber Strecke wieder aus den Augen zu verlieren.
Der Stil von Mirrors Edge ist bisweilen schlicht atemberaubend. Die weitläufigen Außenareale bieten eine tolle Sicht auf die Zukunftsstadt, während die gut eingerichteten Innenräume meist von einem Farbton dominiert werden. Die Texturqualität schwankt jedoch recht heftig. Die Animationen von Faiths Körperteilen und die der Gegner sind dagegen über jeden Zweifel erhaben.
Bei Verfolgungsjagden und Kämpfen passen sich schnelle Rhythmen perfekt der Spieldynamik an, während der Sprungpassagen geht der Soundtrack in eine Art hypnotische Klangkulisse über. Schüsse pfeifen bedrohlich um die Ohren, während Faiths pulsierender Atem euch den Eindruck vermittelt, selbst in ihrem Körper zu stecken. Die einzigen Wermutstropfen bilden die schlechte Funkspruchqualität und die teils etwas lahm vorgetragenen Dialoge.
Das innovative Gameplay wurde meist gut umgesetzt. Die Steuerung geht flüssig von der Hand, manchmal aber fordert das Spiel etwas zuviel Präzision ein. Häufige tödliche Stürze sind die Folge. Leider nerven die Schusssequenzen eher, als dass sie Abwechslung einbringen. In Innenräumen finden sich zudem oft langwierige Wiederholungen.
Ihr könnt Bestzeiten in Arealen aus dem Spiel aufstellen, gegen euren eigenen Ghost antreten und mit anderen Spielern um die beste Zeit wetteifern. Passend zur Natur des Spiels gibt es einen „Speedrun“-Modus, in dem ihr die Missionen innerhalb eines Zeitlimits bewältigen müsst, um weitere Strecken freizuschalten.
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