Zwei Monate nach der Veröffentlichung des Jump'n Run-Actionspiels Mirrors Edge auf PS3 und Xbox 360 kommt nun mit leichter Verzögerung auch die PC-Fassung in die Läden. Inhaltlich präsentiert sich die PC-Umsetzung praktisch identisch, vor allem hinsichtlich der Steuerung ergeben sich naturgemäß die gravierendsten Unterschiede. Inwiefern sich daraus grobe Gameplay-Verschiebungen ergeben oder letztendlich das Spielgefühl positiv oder negativ beeinflusst wird, haben wir mit einem Ausflug über die Dächer einer makellos dahinglänzenden Stadt herausgefunden.

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Hakelige Steuerung

Wie schon bei den Konsolenfassungen von Mirrors Edge steht auch auf dem PC eine gewisse Faith im Mittelpunkt des Geschehens. Die Protagonistin ist eine Runnerin. Eine Botin, die mithilfe ihrer artistischen und athletischen Fähigkeiten Hindernisse aller Art überwindet und dabei Dächer, Baustellen, Kräne, aber auch leere Fahrstuhlschächte, Balkone, Rohre und sonstige für Normalos kaum zu bezwingende Barrieren hinter sich lässt.

Mirror's Edge - Der Test: Wie gut schlägt sich Faith auf dem PC?

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Rote Objekte zeigen euch, wo es lang geht.
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Heutzutage beschreibt man solche Himmelsstürmer und Kraxler einfach mit dem Modewort Parcours. Details zur Story entnehmt ihr bitte Jacobs Konsolentest. Der Jump'n Run-Anteil des Spiels fordert vom Spieler weniger schnelle Reaktionen, denn Timing und Geschicklichkeit. Hier muss man im letzten Moment vor dem Abgrund die Sprung-Taste betätigen, da ist man gefordert, mehrere Sprünge miteinander zu verbinden oder sich von gegenüberliegenden Wänden abzustoßen; dann wieder hangelt man sich an Rohren entlang und betätigt sich als Trapezkünstler.

Für solche Aktionen benötigt man eine hohe Präzision beim Handling der Spielfigur, zumal man oft unter Zeitdruck agiert, weil man von Sicherheitsleuten bzw. Polizei- und Spezialkräften verfolgt wird. Oder seinerseits Informanten oder Bösewichtern hinterherjagt. Spiele wie Mirrors Edge sind eigentlich wie geschaffen für das Zocken mit einem Pad, mit Maus und Tastatur sieht das Ganze jedoch schon ganz anders aus. Anfangs dauert es daher trotz eines Tutorials eine Weile, bis man sich an die doch recht komplexen Abläufe gewöhnt hat bzw. die Tastaturkommandos soweit verinnerlicht hat, dass ein flüssiges Zocken möglich ist.

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Die zu überwindenden Höhenunterschiede sind teilwesie beträchtlich!
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Vor allem bei schnellen Sprungkombinationen und eventuell damit verbundenen Drehungen in der Luft mit der Q-Taste bedarf es schon einiger Fingerfertigkeit, um nicht ständig an den Problemstellungen zu scheitern. Als besonders schwerfällig und umständlich erweist sich die Tastatursteuerung dann, wenn sich Faith in Nahkämpfe stürzen muss, um Widersacher auszuschalten. Es ist zwar möglich allen Aktionen alternative Tasten zuzuweisen, dies gestaltet sich aber entschieden zu frickelig.

Porentief rein

Sobald man diese Gewöhnungsphase hinter sich gebracht hat, kann man sich auch endlich auf die strahlende, ja oft sogar gleißend helle Stadt konzentrieren. Fast "porentief rein" ragen die Gebäude aus den Häuserschluchten heraus und vermitteln ein Gefühl der Unnahbarkeit. Alles wirkt dabei sehr steril und glatt geputzt, Innenräume werden dabei oft von grellen Einheitsfarben dominiert. Das wirkt dann zwar stylisch, aber auch kalt.

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Häufig befindet man sich auf der Flucht und damit unter Zeitdruck.
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Zeichen für weiteres menschliches Leben gibt es nur sehr vereinzelt, abgesehen von den Wachen und Polizisten begegnet man selbst in all den Gebäuden keinen anderen Personen. Das sorgt nicht wirklich dafür, dass man sich mit der antitotalitären Story identifiziert, selbst wenn diese mit hübschen Anime-Zwischensequenzen näher gebracht wird. Außerdem hat es merkwürdigerweise überhaupt keine spiel- oder storyrelevanten Konsequenzen, wenn die Protagonistin selbst zur Waffe greift und Cops erschießt. Dieses Verhalten passt auch irgendwie gar nicht zu dem Image der abseits der Gesellschaft lebenden Runnerin.

Und doch wird man oft fast schon gezwungen, die Waffe in die Hand zu nehmen. Spielerisch erinnert Mirrors Edge häufig an eine Mischung aus Prince of Persia-Einlagen, die verquirlt werden mit Portal-Rätseln. Auch wenn die Missionen aufgrund der Hindernis-Parcours in der Regel eher linear gestaltet sind und alternative Wege die Ausnahme darstellen, erschließt sich trotz rot markierten, nutzbaren Hangel- und Kletterobjekten häufig erst auf den zweiten oder dritten Blick, wohin man sich als Nächstes wenden muss.

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Die Kämpfe sind schwerfällig und wirken aufgesetzt.
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Das führt zum einen dazu, dass man zu Trial & Error-Abläufen gezwungen wird, die so manches Mal in tödlichen Abstürzen resultieren. Zum anderen frustriert es natürlich massiv, wenn man einige Passagen auch nach einem Dutzend Versuchen nicht überwindet und immer wieder vom selben Checkpoint starten muss. Glücklicherweise entstehen diese Situationen nicht allzu häufig, sodass überwiegend ein guter Spielfluss herrscht und das Überwinden der vielen Hindernisse durchaus spannend bleibt.

Nicht unfair

Generell gibt es eigentlich keine unfairen Hürden, mit ein bisschen Überlegung und Geschick findet man immer einen Ausweg. Schwierig wird es erst, wenn man sich nicht nur aufs Klettern konzentrieren muss, sondern gleichzeitig auch noch dem Beschuss von Wachmännern und den fast omnipräsenten Polizeihubschraubern entgehen muss. Aus Zweikämpfen sollte man sich wenn möglich ohnehin heraushalten (siehe oben) und auch die Schusswechsel sind alles andere als befriedigend.

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Die Optik ist sicherlich Geschmackssache, wirkt aber durchgehend edel und hochauflösend.
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Das Ballern funktioniert zwar soweit solide, doch von den Battlefield 2-Machern DICE hätte man in dieser Disziplin deutlich mehr erwarten können. Man erhält nicht nur viel zu wenig Treffer-Feedback, auch die Beschränkung der Magazine auf nur einige Schuss Munition ist arg nervig. Da Faith ohnehin nur sehr wenige Treffer einstecken kann, vermeidet man diese Situationen also besser gleich.

Mit der Besinnung auf das Wesentliche wäre mehr drin gewesen!Fazit lesen

Technisch hinterlässt Mirrors Edge einen eher zwiespältigen Eindruck. Die optische Darstellung befindet sich in der Regel auf einem beeindruckenden Niveau, mit schönen Lichteffekten, hohen Texturendetails und flüssigen Animationen. Doch die Welt wirkt auch sehr steril, leblos und hält den Spieler damit sehr auf Distanz zum Geschehen. Die sehr zurückhaltende Hintergrundberieselung kann nur wenig zum Ambiente beitragen und spult ein eher belangloses Melodierepertoire ab.

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Realistisches Stöhnen und Ächzen vermitteln den Eindruck, dass Faith tatsächlich schwer zu ackern hat.
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Dafür sind die Soundeffekte trefflich inszeniert und so wird zumindest die körperliche Belastung des Kletterns und Springens auf authentische Weise transportiert. Leider kommt es zu häufigen Programm-Abstürzen, wenn man versucht, per Alt/Tab auf den Desktop zu wechseln. Dem einen oder anderen wird das aber vielleicht auch gar nicht auffallen, weil man das Spiel schon in einer oder zwei Sessions (ca. sechs Stunden) durchgespielt hat.