Ein wehrhafter Knirps, der von links nach rechts durch zweidimensionale Welten sprintet und die Kräfte seiner Feinde zur eigenen Stärke macht. Klingt nicht zufällig nach der Quintessenz von Mega Man. Längst wissen wir, wer hinter Mighty No. 9 steckt, ja wer die Evolution in der Mega Man-Philosophie vor Augen hatte, nämlich Keiji Inafune, seines Zeichens einer der Schöpfer des sogenannten blauen Bombers.

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Nach dem erfolgreichen Crowdfunding-Start und der sichtlich vorangekommenen Entwicklung kristallisiert sich langsam heraus, was an Mighty No. 9 noch Mega Man gleichkommt, und was nicht. Beide Aspekte sind für Käufer relevant, denn es soll und darf ja kein direkter Nachfolger sein. Einerseits weil Capcom dem Herrn sonst auf die Finger klopft, andererseits weil das bekannte Spielsystem eine gehörige Innovationsspritze vertragen könnte, die den Fortbestand der Idee überhaupt erst sichert. Eine Existenzberechtigung, wenn man so will.

Mighty No. 9 - Echt Mega, der Knirps!

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Das Leveldesign macht, abgesehen von Pausen, Laune. Nach dem Tutorial kann man alle Level frei anwählen.
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Da laufen, springen und ballern in einem (leider manchmal etwas sehr simpel gestalteten) 2,5-D-Szenaro zum guten Ton gehören, bleibt die Basis unverändert. Unser Held Beck durchstreift wundersame futuristische Szenarien und bekämpft auf dem Weg zum bösen Obermotz allerlei knuffiges Robotergesindel mit Grinseaugen und knalliger Farbgebung. Das Prinzip wird lediglich um einen entscheidenden Faktor ergänzt, der sich „Absortion Dash“ nennt.

Im Vergleich mit seinem Pixel-Urahnen vom Capcom hat Beck einen gewaltigen Vorteil: Er muss nicht erst bis zum Obermotz warten, bis er die Kräfte von Feinden absorbieren kann. Jeder beliebige Gegner, der durch ein paar Treffer mit dem Handblaster in eine Art Ruhephase versetzt wurde, händigt dem Helden über den Absortion Dash zusätzliche Kräfte in drei Kategorien aus. Die da wären: Feuerkraft, Verteidigung und Geschwindigkeit. Ein betäubter Gegner, der einen dieser Boni durch den Wechsel seiner Grundfarbe indiziert, muss nur noch mit einer flinken Spurt-Bewegung zerteilt werden – ein Druck au den R-Knopf genügt.

Auf der diesjährigen Gamescom war zwar nicht übermäßig viel Zeit zum Antesten, aber für eine Runde im Tutorial sowie einem normalen Level reichte es allemal, und der erste Eindruck fällt äußerst positiv aus.

Im ersten Augenblick wirkt Beck etwas träge. Seine Laufanimation, wie auch seine normale Reisegeschwindigkeit erinnern stark an Mega Man X, was auf einem breiten HD-Bildschirm mit großzügig verteilten, ungewohnt großen Plattformen nicht besonders spektakulär rüberkommt.

Packshot zu Mighty No. 9Mighty No. 9Release: PC, PS3, PS4, Wii U, Xbox 360, Xbox One: 24.6.2016
3DS, PlayStation Vita: 3. Quartal 2016
kaufen: Jetzt kaufen:

Diese Beobachtung bröckelt jedoch schnell, wenn man begreift, dass die Absortion Dash nicht ausschließlich zum Einsacken von Bonuskräften dient, sondern auch eine alternative Form der Fortbewegung darstellt. Er lässt sich mitten im Sprung ausführen und ermöglicht bei entsprechendem Geschick das Erreichen entlegener Stellen. Von denen es (nach erstem Einblick) noch keine gibt, die nach besonderer Aufmerksamkeit verlangten, aber das mag sich im Verlauf des Spiels noch ändern. Außerdem kommt man so grundsätzlich schneller voran.

Mighty No. 9 - Echt Mega, der Knirps!

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Es gibt genug Unterschiede zu Mega Man, um die Erfahrung frisch zu machen, und der Spaß leidet nicht darunter.
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Leider wird ein wenig vom Bewegungs-Enthusiasmus durch erzwungene Pausen gedrosselt. Soll heißen, der Bildschirm scrollt für einige Zeit nicht weiter, damit eine Handvoll Robo-Monster am Stück anrollen können. Es geht erst weiter, wenn man alle geplättet hat. Hmpf! So kann man auch Spielzeit strecken, aber nötig wäre das nicht. Schließlich werden Jump-and-Shoot-Fans auch so schon lange genug an den vier versprochenen Schwierigkeitsgraden knabbern, während Casual-Spieler womöglich schon auf „Normal“ verzweifeln.

Zum Beispiel bei Bossen, die man auf ähnliche Weise bezwingen soll wie Feldgegner. Bosse (in Form von gigantischen Robo-Tieren) mögen groß und mächtig sein, aber auch sie ändern ihre Farbe ab einem bestimmten Level zugefügten Schadens und wollen augenblicklich per Absortion Dash entwaffnet werden. Andernfalls kommen sie wieder zu Kräften und der Spaß geht von vorne los.

Die erste Anspielgelegenheit ließ wenig Zweifel an der Qualität des von Mega Man inspirierten Spielablaufs. Wir freuen uns auf das Endprodukt!Ausblick lesen

Belohnt wird man in dem Fall durch eine neue Form der Verteidigung – die Mutation genannt wird, um Abstand von Mega Man zu gewinnen, in ihrer Essenz aber genau dasselbe verspricht wie das geistige Vorbild, nämlich das gegeneinander ausspielen der Bosse mithilfe der Spezialkräfte.

Passend zum ambitionierten Plattformer ist kürzlich auch die Mega Man Legacy Collection erschienen. Hier geht es zum Mega Man Legacy Collection Test.