Kirsch- oder Vanillesoße sind zuckersüße Beilagen, die das eine oder andere Dessert gut abrunden; der alleinige Verzehr kann geschmacklich aber schnell einseitig werden. Ähnlich süß kommt der 2D-Scroller Mighty Gunvolt mit seiner minimalistischen Retro-Pixeloptik daher, der zuvor nur als Bonustitel zweier Spiele gedacht war und als Werbematerial dieser seinen Zweck durchaus erfüllt. Alleinstehend funktionieren solche Extra-Minispielchen aber nur, sofern sie eine gewisse Langzeitmotivation bieten.

Mighty Gunvolt - Campaign Trailer

Eigentlich steckt hinter Mighty Gunvolt eine durchaus nette Idee. Hierbei handelt es sich nämlich um einen Crossover-Titel, der die Hauptfiguren dreier Spiele von Studio Inti Creates in ein Mega-Man-ähnlichen Jump-and-Run wirft. Es sieht dabei nicht nur komplett von der Optik aus wie ein traditioneller Handheld-Vertreter der Game-Boy-Ära, sondern spielt sich auch so. Ist auch kein Wunder, da sich Inti Creates seit jeher für diverse Mega-Man-Titel verantwortlich zeichnet.

Retro-Charme ist nicht alles

Zudem dürften zumindest zwei der drei spielbaren Charaktere in Mighty Gunvolt dem einen oder anderen bekannt vorkommen, sofern mal als spielversierter Crowdfunding-Interessent die letzten und aktuellen Kickstarter-Projekte der Mega-Man-Spielentwickler aufmerksam verfolgt hat. So könnt ihr unter anderem mit dem Elektroschock verstoßenden Gunvolt aus Azure Striker: Gunvolt und dem Mega-Man-ähnlichen Androiden Beck aus dem hierzulande noch nicht veröffentlichten Titel Mighty No.9 spielen.

Mighty Gunvolt - Nicht ganz so mega, man

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Mit dem Liebesengel Ekoro aus Gal*Gun könnt ihr für kurze Zeit durch die Luft fliegen.
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Bei der Dritten im Bunde handelt es sich um Ekoro: Der mit Herzpfeilen schießende Liebesengel stammt ursprünglich aus Gal*Gun, einem abgedrehten Fanservice-lastigen Rail-Shooter mit Highschool-Setting. Die fünf Abschnitte, durch die ihr euch mit den jeweiligen Charakteren durchkämpfen müssen, sind an die jeweiligen Handlungsorte der drei rezitierten Hauptspiele angelehnt.

Klingt an sich nach einem bunten Mix; in der Praxis entpuppt sich das Spiel jedoch als ernüchternd konventionell. Eine gewisse Selbstironie lässt sich bei der absichtlich merkwürdigen Einleitung, die sich stark an alten Spielintros orientiert, und manchen Spielabschnitte wie dem mit J-Pop untermalten, feuchtfröhlichen Highschool-Level nicht abstreiten. Dennoch spielt sich alles im Großen und Ganzen wie ein stinknormales Mega-Man-Spiel: zwar ohne technische Macken und weniger Frustmomente, aber auch ohne das gewisse Etwas in Form von spritzigen Ideen, die sich bei dem Heldenzusammenschluss angeboten hätten, um das Gesamtspielerlebnis irgendwie runder erscheinen zu lassen.

Leicht, schwer, relativ

Als verklärter Mega-Man-Veteran kann es einem schon leicht über die Lippen kommen, Mighty Gunvolt als eine weichgespülte Version der geistigen, indirekten Vorgänger zu bezeichnen. Oberflächlich betrachtet tragen nicht wenige Faktoren zur schnelllebigen Spielweise bei.

Mighty Gunvolt - Nicht ganz so mega, man

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Die Bosskämpfe sind gerade beim ersten Mal eine harte Nuss, die bei jedem Spielcharakter jeweils eine andere Kampfstrategie benötigen.
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So wird beispielsweise euer Fortschritt nach einem erfolgreichen Levelabschluss gesichert, wodurch das Spiel sich nach einem Game Over bequem vom letzten Speicherpunkt aus fortsetzen lässt. Für das leichtere Überleben sorgen zudem die häufig von Gegnern fallengelassenen oder großzügig in der Gegend verteilten Herzen. Auch der direkte Kontakt mit Stacheln hat nur geringfügigen Schaden und nicht wie bei den alten Mega-Man-Teilen den sofortigen Tod zufolge, was damals bei der unberechenbaren Levelstruktur nicht selten für nervige Trial-and-Error-Situationen gesorgt hat.

Darüber hinaus lassen sich die Level in Mighty Gunvolt innerhalb weniger Minuten durchspielen, wobei diese von ihrem Umfang her nicht zwingend kürzer sind als manch ein klassisches Mega-Man-Level. Nur die augenscheinlich hartnäckigen Bossgegner können euch anfänglich schon ein paar Probleme bereiten. Doch habt ihr erst einmal deren Bewegungsabläufe und Angriffsmuster durchschaut, ist der Kampf mit den einzelnen Spielcharakteren reine Routinesache.

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Ihr könnt während des Spiels beliebig zwischen Engel Ekoro, Android Beck und Widerstandskämpfer Gunvolt wechseln.
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Mighty Gunvolt wirkt in der Hinsicht durchaus einfach und schnell durchspielbar, aber auch nur, sofern ihr die Levelstruktur erst einmal verinnerlicht habt und die unterschiedlichen Spielweisen der Figuren in euer Fleisch und Blut übergegangen sind. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es dem Spiel an Herausforderungen fehlen würde, denn die gibt es durchaus. Die recht kurzen Level bieten sich nämlich geradezu für Speedrunner an, die gern auf Highscore-Jagd gehen. Für den Fall, dass ihr nach den fünf Level Blut geleckt habt, kann euch der DLC mit weiteren fünf Abschnitten ein paar zusätzliche Spielstunden und sogar noch etwas kniffligere Herausforderungen in Form von fieseren Spielpassagen bescheren.

Als Bonusspiel für paar Stündchen ganz nett. Mehr aber auch nicht.Fazit lesen

Mighty Gunvolt ist für Liebhaber des klassischen 2D-Scroller-Genres ein nettes, mittelschwer forderndes Beschäftigungsspiel, das ein faires Preisleistungsverhältnis besitzt und für ein paar Spielstündchen gut unterhalten kann. In Hinblick der rezitierten Hauptspiele hätte man aber aus dem Crossover nichtsdestotrotz noch einiges mehr an kreativen Ideen und Umfang rausholen können, um auch längerfristig zu motivieren.