Es gibt Namen in der Videospielwelt, die sind einfach eine Institution. Quasi Bastionen eines Genres, die dem Lauf der Zeit widerstehen und selbst infolge von kataklystischen Erschütterungen nicht wanken oder fallen. Namen wie Street Fighter, Civilization, Mario und Tetris gehören dazu. Aber wohl auch Heroes of Might & Magic.

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Aber selbst wenn diese Saga nie fiel, so bröckelte doch zuletzt etwas der Putz und knackte der Dachstuhl. Denn auch, wenn die letzten beiden Teile nicht schlecht waren, so mochten sie doch nicht das taktisch packende und magisch-fantastische Gefühl ihrer Vorgänger aufflammen lassen. Das soll bei Might & Magic Heroes VII nun anders werden, und dafür Sorge tragen soll das deutsche Studio Limbic. Denn das hat schließlich zuletzt schon einmal ein magisches Händchen bewiesen...

Schon Anfang 2013 hat das Studio Limbic aus Langen bei Frankfurt mit Might & Magic X: Legacy erfolgreich die klassische Might-&-Magic-Linie reanimiert, und zwar auf eine Weise, die vor allem die langjährigen Fans ins Schwärmen brachte. Die Macher beriefen sich auf die Tugenden, die die Reihe einst definierten: Ego-Sicht, strikte Runden-Kämpfe, komplexe Spielwelt und unzählige Quests. Kein neumodischer Krimskrams. Ein echter Oldschool-Diamant sollte es werden.

Might & Magic Heroes VII - Im Namen der Spielerschaft!

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Ganz unbeleckt stolpert Limbic nicht in die Entwicklung von Might & Magic Heroes VII. Für Teil 6 der Reihe, entwickelt von Black Hole, hat es schon die Download-Inhalte realisiert, die viele Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Spieler adressierten.
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Dass das Endprodukt dann grafisch leider zwischen durchaus hübsch und furchtbar hässlich schwankte und nicht gänzlich fehlerfrei war, war ob des Gesamterlebnisses, der charmanten Atmosphäre und vor allem der fantastischen Welt durchaus verschmerzbar. Ein alles in allem würdiger Nachfolger also. Kein Wunder, dass Ubisoft die Might-&-Magic-Strategie-Saga Heroes bei den Deutschen gut aufgehoben sieht. Dabei wollen die mit Might & Magic: Heroes VII nicht nur gerade rücken, was zuletzt schief lief. Nein, sie wollen ebenso, dass die Spieler auch nichts mehr verschmerzen müssen, sondern eine rundum großartige Wiederbelebung von Heroes erleben.

Das heißt, wie schon bei Might & Magic X: in mehrerlei Hinsicht zurück zum Ursprung. Also keine mutige Neuinterpretation dessen, was Heroes sein könnte, sondern ein Besinnen darauf, was Heroes einst war. Dabei schmiegt sich die Story inhaltlich zwischen den fünften und sechsten Teil der Reihe: eine Zeit des Übergangs der Macht, in der der ambitionierte Fürst Ivan sich einen Rat aus sechs Fraktionen zusammensucht, um die Krone zu erobern.

Packshot zu Might & Magic Heroes VIIMight & Magic Heroes VIIErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

In den sieben Kampagnen wird die Geschichte je eines Volkes und abschließend der finale Feldzug Ivans gespielt. Vier der Rassen, die Haven (heilige Ritter), Academy (Magier), Stronghold (Orks) und Necropolis (Untote), standen dabei schon zu Entwicklungsstart fest. Die fünfte, die Elfen von Sylvan, wurde hingegen durch ein Voting der Fans bestimmt. Die sechste Fraktion dürfen die Spieler dann in einer weiteren Abstimmung aus zwei Fraktionen wählen.

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Für die Musik für Heroes VII sind übrigens Rob King und Paul Anthony Romero verantwortlich. Sie haben die Heroes-Reihe bereits seit dem ersten Teil mit orchestralen Klängen versorgt. Wer schonmal reinhören möchte, der kann das hier tun.
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Das grundsätzliche Spielprinzip von Heroes VII? Das schaut aus wie schon in den 1990ern. Der Spieler steuert, je nach Kampagne, einen Heroen mit seiner Streitmacht, repräsentiert durch den Recken hoch zu Pferde, festgelegte Straßen entlang durch die Welt von Ashan, um zu kämpfen, Orte zu erobern und Ressourcen zu sammeln.

Ab in die Unterwelt!

Die vier bis sechs Karten pro Kampagne schauen dabei alles andere als dröge aus. Dank Unreal Engine 3 erstrahlte zumindest jene in der gezeigten Demo-Fassung in herrlicher 3D-Optik. Berge, Wälder, ein Meer: Alles wirkt plastisch, schimmert in satten Farben. Dicke Lichtstrahlen fallen in Bündeln auf Burgen, Minen, Schatzkisten und Festungsanlagen, die damit geradezu zum Erobern und Plündern einladen.

Mit Might & Magic: Heroes VII könnte gelingen, was in den letzten Jahren immer wieder scheiterte: einen neuen Teil einer Saga zu kreieren, der tatsächlich den Segen der Fan-Gemeinde erntet.Ausblick lesen

So verlockend und reichhaltig waren die Karten zuletzt in Teil drei und vier beladen. Auch soll der Heldenweg wieder offener und weniger geführt sein als zuletzt. Damit ist das Wohin natürlich auch jedes Mal eine strategische Entscheidung. In der vorgespielten Demo-Fassung wird der Heroe jedenfalls auf eine Befestigungsanlage gelenkt, woraufhin es ab in den Belagerungs- und Schlachtenmodus geht.

Der findet auf den schon in den letzten Teilen verwendeten schachbrettartigen Feldern statt. Zwar wünscht sich mancher wohl die Hexfelder der frühen Saga zurück, aber ein Beinbruch ist das nicht. Denn taktisch wie etwa in Heroes III wird es dennoch, nämlich durch überraschend viele Hindernisse und Deckungen, die abseits der eignen Ritter, Speerkämpfer und Reiter das Kriegsfeld pflastern.

Auch kann der eigene Held recht aktiv in die Schlachten eingreifen und Zauber verschiedenster Magieschulen wirken: Heil- und Stärke-Zauber, aber auch Feuerbälle. Außerdem sind jetzt auch wieder Katapulte, Ballisten und Sanitätszelte dabei – die Kriegsmaschinerie, die einst aus der Serie getilgt worden war. Und wer es schafft, Gegner über Flankenangriffe zu attackieren, der wird dafür nun endlich mit besonders starken kritischen Treffern belohnt.

Damit zahlen sich Taktik und Strategie im Kampf nun auch fühlbar aus. Eine Entscheidung, die Limbic auf Anraten der Spieler aus der Community traf, die teils als Berater angeheuert wurden. Zudem wurden nicht zuletzt einige weitere unglückliche Änderungen und Maßnahmen der letzten Heroes-Ableger radikal zurückgenommen.

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Die in Quader unterteilten Schlachtfelder bieten mit Baumstämmen, Kisten, Säulen und anderem Gerümpel nette Hindernisse, die den taktischen Anspruch steigern. Vor allem machen sie die Kämpfe aber auch spannender.
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Statt vier gibt es nun wieder sieben Ressourcen – also Gold, Holz, Erz und Kristall plus Edelstein, Quecksilber und Schwefel. Und will man eigene Einheiten von einer eingenommenen Stadt zu einer anderen Transportieren, geht dies jetzt nicht mehr von Zauberhand, sondern via Karawanen, die durchs Land ziehen müssen.

Mehr Tiefe, bitte!

Die Entwickler von Limbic setzen also auf eine wieder komplexere Ökonomie, eine gewisse Verlangsamung und damit ein tieferes und auch entspannteres Spielgefühl. Das ist wohl vor allem im Interesse der langjährigen Fans. Doch gesellen sich auch einige frische Neuerungen dazu, die für zusätzliche Möglichkeiten und taktische Entscheidungen sorgen.

So werden die Spielweltkarten etwas dynamischer und veränderbarer. Brücken können beispielsweise mit Kanonen oder Katapulten zerstört, aber ebenso mit genug Zeit- und Ressourceneinsatz wieder aufgebaut werden. Festungen hingegen können unter Stein- wie Schneelawinen begraben oder gar zerstört werden. Und gelangt der eigene Heroe beim Ritt an einen unpassierbaren See, dann kann er durch einen Tunneleingang in die Unterwelt reiten. Über diesen Umweg wird er dann auf die andere Seite gelangen, aber ebenso darf er dort eine antike Säule zerstören, die das Fundament des Sees trägt. Reitet er zurück an die Oberfläche, dann strömt das Wasser in die Katakomben und der Weg an der Oberfläche ist frei. Nicht überragend intelligent, aber pfiffig!

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Um an nötige Ressourcen zu kommen, müssen über die Spielwelt verteilte Minen übernommen werden. Das ist nicht immer so einfach, werden die doch gerne mal von Monstern oder Geistern bewacht.
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Alles in allem versucht das deutsche Studio hier also wie schon bei Might & Magic X einen neuen Teil einer Serie für jene zu schaffen, die eben dieser Serie schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, die Treue halten. Was dabei herauszukommen scheint, das wirkt wie ein weiter aber eleganter Spagat zwischen Heroes of Might & Magic III, den Kompromiss-Addons für Heroes VI und der Wunschliste der Community: ein Brückenschlag zwischen Jahrzehnten, der bewusst natürlich kein Aber-Millionen-Publikum, sondern eine verdammt treue Spielerschaft ansprechen soll.

Natürlich bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese ersten Eindrücke letztlich bestätigen und Might & Magic: Heroes VII in Gänze an den Pfad und die Tradition seiner gelobten Vorfahren anzuknüpfen vermag. Doch hier muss man eben auf Limbic vertrauen – und zumindest ich kann das guten Gewissens tun.