Die Grand Theft Auto-Reihe hat sie berühmt gemacht. Dass die Jungs von Rockstar Games allerdings noch weitaus mehr auf dem Kasten haben als zynische Sandbox-Gangsterballaden, wissen indes nur die Wenigsten. Und damit ist nicht einmal die stark kritisierte „Menschenjagd“-Serie oder das GTA-ähnliche „Canis Canem Edit“ gemeint.

Schließlich pflegen die Rockstars mit den rasanten „Midnight Club“-Teilen eine mindestens genauso lange wie erfolgreiche Rennspiel-Tradition: Seit im Jahr 2000 das hochgelobte „Midnight Street Racing“ als PS2-Launchtitel einschlug wie eine Bombe, dürfen sich die Fans in regelmäßigen Abständen auf runderneuerte Versionen freuen. Midnight Club Los Angeles soll nun erstmals auch auf den Next-Gen-Konsolen die Qualitätsmesslatte in ungeahnte Höhen hieven.

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Offener Spielplatz

Wer sich ein Rennspiel kauft, will auch ein solches in der Verpackung finden. Eine ebenso einfache wie nachvollziehbare Entwickler-Regel, die in besagtem Genre aber seit unzähligen Jahren zu gepflegter Stagnation geführt hat. Kaum ein Titel, der abseits der üblichen Streckenziel-Rasereien auf innovative Ideen gesetzt hätte. Erst “Midnight Street Racing” wagte 2000 als eines der ersten Rennspiele den Blick über den Tellerrand.

Midnight Club: Los Angeles - Der schicken Mitternachtsraserei vierter Teil: So cool seid ihr noch nie über LAs Straßen geheizt.

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Wer lang genug im Windschatten des Vordermannes fährt, lädt einen speziellen Turbolader auf.
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Statt vorgegebene Strecken abzufahren, durfte man plötzlich ganze Städte nach Belieben erkunden und die Reihenfolge der Rennen selbst festlegen. Die Fans nahmen das Open-World-Konzept begeistert auf. Zuletzt führte die Dub Edition von Midnight Club 3 diese Tradition erfolgreich fort, besonders versierte Fahrer durften nun sogar mehrere Rennmissionen gleichzeitig annehmen – mehr Nonlinearität geht kaum noch.

Weitere Worte bezüglich des Gameplays könnte man sich jetzt eigentlich sparen. Klar ist nämlich schon jetzt: Rockstar wird einen Teufel tun, die bewährten Mechanismen über den Haufen zu werfen. Midnight Club Los Angeles funktioniert die namensgebende Metropole kurzerhand zum Open World-Spielplatz um, würzt mit spannenden Rennmodi nach und setzt ein wahres Sammelsurium an Tuning-Optionen als Sahnehäubchen oben auf.

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Die schönen Reifen: Selbst Burnouts auf der Stelle sind problemlos möglich.
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Schnurgerade Strecken mit unsichtbaren Begrenzungen findet man hier also nicht, stattdessen wird zwischen den Rennen euer Entdeckergeist gefördert – wer genau hinsieht, findet vielleicht eine der vielen Abkürzungen. Bricht man etwa kurz vor der Zielgeraden durch die Glastüren einer amerikanischen Einkaufsmall, um so einige entscheidende Meter einzusparen, schmeckt der Sieg hinterher besonders gut.

Never stop driving

Bei unserer ersten Testfahrt sehr auffällig: Für die vierte Mitternachts-Raserei scheinen sich die Rockstars das Leitmotiv „Mehr Dynamik“ gesetzt zu haben. Auf unnötige Pausen, nervige Ladezeiten oder künstlich gestreckte Spielelemente will man komplett verzichten, im Fokus steht klar das Midnight Club-Kernelement: purer Fahrspaß. Eine übliche Mission verläuft etwa folgendermaßen.

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Ein schnelles Blinken der Scheinwerfer reicht aus, um das nächste Rennen zu starten.
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Während ihr auf den Straßen LAs unterwegs seid, dürft ihr jederzeit eine der Renn-Missionen annehmen. Ob man diese über die Stadtkarte anwählt und sich anschließend per GPS-Pfeil zum Zielort führen lässt oder sich seine Kontrahenten lieber auf der Straße sucht, hängt dabei allein von den Vorlieben der Spieler ab. Hat man seinen Gegner ausgemacht, reicht ein kurzes Aufblinken der Frontscheinwerfer und schon startet das Rennen – ohne Zeitverzögerung, ohne Menügeklicke.

Ist die Mission absolviert, informiert euch eine kleine Anzeige lediglich über das gewonnene Geld und die Reputationspunkte, die euch die rasante Fahrt eingebracht hat – und schon geht’s weiter. Wie in einem gut getimten Action-Feuerwerk im Kino kommt so niemals Leerlauf auf. Ähnlich soll auch der Multiplayer-Modus funktionieren: Ein einziger Tastendruck genügt, um in ein Online-Rennen einzusteigen.

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Dank dynamischer Tag- Nacht-Wechsel dürft ihr auch während der Dämmerung über den Asphalt jagen.
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Beim Stichwort „Dynamik“ fällt zudem ein Feature auf, das in den meisten Rennspielen immer noch weit davon entfernt ist, als Selbstverständlichkeit zu gelten: Neigt sich der Tag in LA dem Ende entgegen, werden auf den Straßen die Schatten länger, die Neonlichter der angrenzenden Tankstellen werden eingeschaltet – es wird Nacht. Spielerische Einflüsse hat der dynamische Tageszeitenwechsel aber aller Voraussicht nach nicht.

Pimp your ride

Aber auch abseits aller gebotenen Dynamik sollte es schon mit dem Ring of Death zugehen, wenn man sich vor dem Bildschirm langweilt. Für die nötige Abwechslung sorgen schließlich gleich 13 verschiedene Missionstypen. Ob man sich jetzt in einem Checkpoint-Rennen beweist, während der „Red Light Racings“ auf eigene Faust den schnellsten Weg zur Zielgeraden sucht oder innerhalb eines Zeitlimits bestimmte Autos an Wagenhändler ausliefert – für eines ist immer gesorgt: jede Menge Speed.

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In unserer Version leider noch nicht spielbar: Auch Motorräder sind wieder mit von der Partie.
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Auslassen solltet ihr die Missionen freilich nicht, sonst gehen euch wichtige Finanzspritzen und Erfahrungspunkte durch die Lappen. Für Anfänger ein Segen: Punkte und Geld gibt es bereits für die bloße Teilnahme an einer Mission, theoretisch müsste man also kein einziges Rennen gewinnen, um das Spiel erfolgreich zu beenden. Wiederholt man also eine Fahrt mehrmals hintereinander, kann man sich ebenfalls ein beachtliches Sümmchen „ercruisen“.

A lot faster and even more furious: Midnight Club 4 brettert mit eingebautem Turbolader an die Spitze der Arcade-Racer.Ausblick lesen

Das hart erkämpfte Geld könnt ihr auf zweierlei Weise verprassen: Stockt ihr in der Garage euren Fuhrpark auf, dürft ihr dank umfangreicher Lizenzpakete aus einer riesigen Palette blitzschneller Vehikel das passende Gefährt für die nächste Asphaltschlacht auswählen. Dabei stehen selbst betagte Oldtimer oder uramerikanische Muscle Cars zur Wahl, wie im Vorgänger darf es bei Bedarf sogar ein Motorrad sein – letztere waren in unserer Version jedoch noch nicht spielbar.

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Schick, aber noch nicht das Maß der Dinge: Dank Tuning dürft ihr jedes Auto gehörig aufmotzen.
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Wer den passenden fahrbaren Untersatz gefunden hat, darf das gute Stück anschließend an die eigenen Vorlieben anpassen und investiert im Tuning-Labor zum Beispiel in bessere Felgen oder steigert die Motor-Leistung. Hohe Simulationsansprüche möchte Rockstar hier allerdings nicht erfüllen: Sämtliche Modifikationen halten sich in anfängerfreundlichen Grenzen. Diese dürfen sich dafür beim Optik-Tuning austoben.

Schöner cruisen

Midnight Club 4 geht hier sogar noch weiter als das betagte Need for Speed: Underground. Neben der fast schon obligatorischen (und verdammt coolen) Unterbodenbeleuchtung, dickeren Spoilern und Mega-Außenspiegeln dürft ihr euch hier sogar im Innenraum austoben und das Armaturenbrett bepinseln, bis die Netzhaut kreischt. Auf den Straßen des World Wide Web dürft ihr dann eure kreativen Ergüsse mit denen anderer Spieler messen.

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Moderne Effekte, tolle Streckendetails: Die optische Pracht überzeugt voll und ganz.
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Wie es sich für einen Next-Gen-Titel gehört, sieht das Ganze durchweg prächtig aus – der hauseigenen Rage-Engine sei Dank. Das Stadtdesign wirkt hochgradig detailliert, bei Crashes schaltet das Spiel kurzerhand in die spektakuläre Zeitlupe, sogar über ein detailliertes Schadensmodell (das übrigens tatsächlich Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit eures Vehikels hat) dürfen sich Racing-Profis freuen. Die grafische Finesse eines „Race Driver: Grid“ bietet Midnight Club 4 dabei allerdings nicht.

Während die vielgepriesene Codemasters-Raserei jedoch lediglich die Karosserien und Streckendetails in prachtvolle Bilder kleiden muss, zaubert Midnight Club 4 gleich eine gigantische Stadt aus dem Engine-Ärmel. Als Vorbild dient dieses Mal Los Angeles, das – obgleich Rockstar keinen 1:1-Nachbau anstrebt - selbst für Kenner der realen Metropole einige verblüffende Deja-Vu-Momente bereit halten dürfte.

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Wer es mit dem Gas übertreibt, wird kurzerhand von den Cops verhaftet.
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Beeindruckt hat uns vor allem die atmosphärische Spielwelt: Los Angeles dient hier nicht einfach nur als aufgesetztes Grafikgerüst für ein paar hitzige Rennen, sondern erscheint beinahe ähnlich lebendig, wie das GTA-Moloch Liberty City: Passanten schreien euch fiese Flüche hinterher, wenn ihr mit Tempo 240 knapp an ihnen vorbei brettert, bei Ordnungswidrigkeiten nimmt die Polizei die Verfolgung auf.