Gut drei Jahre ist es her, als uns Midnight Club begeisterte und mit damals innovativen Features wie einer komplett offenen Stadt und Duellen zwischen Autos und Motorrädern durchstartete. Nun erscheint Midnight Club Los Angeles, das an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen und es mit der durchaus gut aufgestellten Konkurrenz wie Burnout Paradise und Need for Speed aufnehmen will. Wir haben die Motoren warmlaufen lassen und berichten vom Straßenrand.

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Aller Anfang ist schwer!

Bei Midnight Club Los Angeles handelt es sich um ein Rennspiel, das auf der GTA Engine basiert. Wer sich in der Haut von Nico Bellic ausführlich durch die Straßen New Yorks geschlagen hat, wird diesen Umstand auch deutlich wahrnehmen. Gerade zu Beginn wenn ihr noch mit einer uralten Schrottkarre unterwegs seid, kribbelt es geradezu in den Fingern auszusteigen und den nächst besten Sportwagen zu entwenden.

Midnight Club: Los Angeles - Nach GTA 4 der nächste Geniestreich von Rockstar?

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Der Fuhrpark wird von amerikanischen und asiatischen Fabrikaten dominiert.
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Natürlich ist das im virtuellen Los Angeles nicht möglich. Eure Karriere beginnt so, wie sie in jedem Rennspiel beginnt - mit wenig Geld und einem großen Respektdefizit. Statt mit einem getunten Sportwagen fahrt ihr mir einem 20 Jahre alten VW GTI, Nissan Silva oder Scirocco durch die Gegend und nehmt an ersten Straßenrennen teil, um die ersten Dollar zu verdienen. Ob euch die Identifikation mit dem Alter Ego gelingt, hängt davon ab, ob euch der vorgegebene Charakter sympathisch ist oder nicht. Einen Charaktereditor gibt es, wie schon bei GTA, nicht.

Herzstück des Spiels ist die riesige und frei befahrbare Stadt Los Angeles, die bis ins Detail nachgebaut wurde. Ein Tag/Nachtwechsel, wechselnde Wetterbedingungen, Fußgänger und jede Menge Straßenverkehr hauchen der Metropole sehr viel Leben ein. Anders als bei GTA ist euer Handlungsfreiraum jedoch auf das Wesentliche beschränkt: Straßenrennen. Auf einer GPS-Karte werden alle wichtigen Orte wie etwa die Tuningwerkstatt, die gleichzeitig als Autohändler dient, markiert. Auch offene Rennwettbewerbe werden hier in drei unterschiedlichen Farben, die jeweils einen Schwierigkeitsgrad repräsentieren, dargestellt.

Im Schatten von Los Angeles

Wer sich bereits jetzt gelangweilt abwendet und das Spielprinzip womöglich als Adaption dessen betrachtet, was uns bereits andere Hersteller präsentiert haben, sieht sich getäuscht. Schließlich war es ursprünglich die „Midnight Club“-Serie, die dieses Spielprinzip etablierte, auch wenn es heute nicht mehr ganz so frisch wirkt wie vor gut drei Jahren. Ein wenig schade ist jedoch, dass die GTA Engine zwar für die Umgebungsdarstellung gut geeignet ist, die Fahrzeuge dabei jedoch ein wenig untergehen. Besonders die optionale Cockpitperspektive lässt zahlreiche Details vermissen und entspricht nicht dem, was man von anderen Rennspielen gewohnt ist.

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Der Tag/Nachtwechsel sorgt für sehr viel Atmosphäre.
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Insgesamt fällt der Fuhrpark zudem nicht ganz so üppig aus, wie wir es uns gewünscht hätten. Besonders die europäischen Fabrikate kommen eindeutig zu kurz. Zwar gibt es immerhin einen Audi R8 und auch einen RS4, doch dafür müsst ihr auf Ferraris oder Porsche komplett verzichten. Der Schwerpunkt scheint dagegen eindeutig auf amerikanischen und asiatischen Modellen zu liegen. Neben den Autos stehen auch einige Motorräder bereit, die für sehr viel Abwechslung sorgen. Gerade die Rennen, bei denen Autos und Motorräder beteiligt sind, zählen zu den spannendsten Veranstaltungen im ganzen Spiel.

Gutes, wenn auch stellenweise frustrierendes Arcade-Rennspiel, das mit einer detaillierten Metropole und unterhaltsamen Onlinemodi punktet.Fazit lesen

Leider weist das Spiel ein paar Ungereimtheiten auf. So trägt der Zwist mit den Gesetzeshütern zwar zur Atmosphäre bei, doch leider sind diese derart penetrant, dass sie kaum loszuwerden sind. Selbst stark befahrene Highways, auf denen man sich in Gegenrichtung und mit Topspeed durch den Verkehr schlängelt, sind kein Hindernis für die Herren des LAPD. Je länger eine Verfolgungsjagd dauert, desto mehr Bußgeld müsst ihr bezahlen, sofern ihr gefasst werdet.

So versuchten wir zu Beginn des Spiels lange und erfolglos, die immer zahlreicher aufkreuzenden Polizeiwagen abzuschütteln. Am Ende kostete uns der frustrierende, zweifelhafte Spaß dann rund 1500 Dollar und das bei einem Kontostand von 5000 Dollar und Preisgeldern, die sich irgendwo zwischen zwei und dreihundert Dollar bewegen. Wir raten im Falle einer Verfolgung einfach anzuhalten – das kostet nur 100 Dollar und erspart euch nervtötende Verfolgungsjagden.

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Wie schon beim Vorgänger dürft ihr auch diesmal mit Motorrädern durch die City rasen.
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Ebenfalls frustrierend ist der viel zu hoch angesetzte Schwierigkeitsgrad, der kaum Fehler verzeiht. So fahren die Konkurrenten von Beginn an auf sehr hohem Niveau, was absolute Konzentration erfordert. Da ihr bei den Rennen immer Checkpoints abfahrt, die durch farbliche, in den Himmel ragende Balken markiert sind, fühlen sich Anfänger schnell überfordert. Ein Blick auf die Minikarte in der unteren linken Bildschirmecke kann schon ausreichen, um eines der zahlreichen entgegen kommenden Fahrzeuge zu übersehen.

Das ist besonders bei großem Rennfortschritt ärgerlich, da euch dann kaum noch Zeit bleibt, den Rückstand wieder aufzuholen. Ebenfalls ärgerlich ist es, wenn ihr beispielsweise die Abfahrt vom Highway verpasst, was im Eifer des Gefechts schon mal passieren kann. In einem solchen Fall habt ihr ein bis dahin aussichtsreiches Rennen urplötzlich verloren, was extrem frustrierend sein kann.

Frustrierend hoher Schwierigkeitsgrad

Viele der Wettbewerbe bestehen aus mehreren Einzelrennen, die ihr nicht einfach einzeln wiederholen könnt. Bei manchen Wettbewerben wird dann zum Beispiel solange gefahren, bis ein Fahrer drei Rennen gewonnen hat. Das kann sich unter Umständen sehr lange hinziehen. Wenn ihr dann bereits sechs Rennen gefahren habt und im letzten, entscheidenden Rennen durch einen Fahrfehler oder einen unglücklichen Umstand den Sieg verpasst, möchte man das Gamepad am liebsten aus dem Fenster werfen. Wer hier nicht sehr frustresistent ist, wird schnell den Spaß am Spiel verlieren.

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Wer keinen Windschatten bieten möchte, fährt per Knopfdruck und mit viel Geschick auf zwei Rädern.
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Habt ihr den schweren Einstieg jedoch überstanden, nimmt auch die Motivation wieder zu. Schnell wird die alte Karre in Zahlung gegeben und gegen einen brauchbaren Untersatz getauscht. In der Werkstatt dürft ihr euren Boliden dann auch mit Tuningteilen und Performanceupgrades veredeln. Eine Lackiererei steht euch ebenso offen wie ein Decalshop. Insgesamt bietet Midnight Club jedoch im Bereich der Fahrzeugmodifikationen nicht den Umfang, den Genrefans beispielsweise von der „Need for Speed“-Serie gewohnt sind.

Bei der Steuerung sind die Entwickler einen eher arcadelastigen Weg gegangen. So lassen sich alle Fahrzeuge erstaunlich gutmütig lenken, offerieren dabei aber auch wenig individuelle Eigenschaften. Wer bei Topspeed einen Baum oder eine Laterne streift, kommt meistens ohne nennenswerte Beeinträchtigungen davon. Ein Schadensmodell gibt es zwar auch, doch wirkt sich dieses fast nur optisch aus.

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Zahlreiche Tuningteile sorgen für kreative Freiheit bei der Gestaltung eurer Fahrzeuge.
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Gelungen ist erneut das Windschattenfahren, das Fans der Serie schon aus dem Vorgänger kennen. Wer sich in den Slipstream des Vordermanns begibt, lädt eine kleine Turboleiste auf. Ist sie gefüllt, winkt kurzfristig ein Extraschub, den ihr per Knopfdruck auslösen könnt. Damit eure Gegner nicht von eurem Windschatten profitieren, dürft ihr per Knopfdruck auf zwei Rädern fahren, was nicht nur spektakulär aussieht, sondern auch viel Geschick erfordert. Wer seinen Boliden nicht unter Kontrolle hat, landet bei diesem Manöver auch gerne mal auf dem Dach.

Ein besonderer Leckerbissen ist der gelungene Onlinemodus, der euch nicht nur normale Checkpoint- oder Rundenrennen bestreiten lässt, sondern auch mit interessanten „Capture the Flag“-Varianten aufwartet. So düsen bis zu acht Onlinekonkurrenten durch die Stadt, um beim Fahnenklau zu punkten. Zahlreiche Power Ups, die sich überall in der Stadt einsammeln lassen, sorgen für einen zusätzlichen Anreiz. So könnt ihr euch beispielsweise kurzfristig unsichtbar oder unverwundbar machen. Uns hat dieser Spielmodus bereits auf der Games Convention sehr gut gefallen, als wir ihn zusammen mit den Entwicklern antesten durften.