Als Frau im Weltraum hat man's nicht leicht. Nicht nur, dass frau sich ständig mit ungewaschenen Weltraumpiraten und allerlei anderem Ungemach herumschlagen muss – der schlimmste Feind steckt in ihr selbst. Denn das finstere Alter Ego von Samus Aran treibt auch im neuesten Teil der „Metroid-Prime“-Reihe wieder ihr Unwesen.

Und wenn irgendwo eine böse Frau ihre Finger im Spiel hat, kann es eigentlich nur jede Menge Stress und Tränen geben. Das wissen nicht nur leidgeprüfte Spieletester. Doch glücklicherweise gilt diese Regel nicht für das neueste Abenteuer von Samus Aran. Denn „Corruption“ löst eigentlich nur Freudentränen aus.

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Du bist ja besessen!

Metroid Prime 3 fängt da an, wo der zweite Teil endet. Kopfgeldjägerin Samus findet sich zusammen mit anderen Bountyhuntern auf einer föderierten Weltraumbasis ein, um bei der Verteidigung des Planeten Norion zu helfen, der von den Weltraumpiraten bedroht wird. Ein zur Verteidigung eingesetzter Riesencomputer wurde mit einem rätselhaften Virus infiziert und musste abgeschaltet werden.

Metroid Prime 3: Corruption - Besser als Zelda? Metroid ist das nächste Referenzspiel für Nintendos Wii.

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Skandal: Fisting auf der Wii.
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Damit die planetare Abwehr nicht mit heruntergelassenen Hosen erwischt wird, gilt es, eine riesige Abwehrkanone in Betrieb zu nehmen. Dazu müssen drei Generatoren mit Energie versorgt werden. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Noch während der Besprechung mit dem Stationskommandanten wird diese von einer Horde Piraten angegriffen, und Chaos bricht aus. Zu allem Überfluss steuert ein Komet direkt auf den Planeten zu, der ohne die Kanone nicht gestoppt werden kann.

Die Generatoren können zwar rechtzeitig aufgetrieben werden, doch dummerweise vermasselt die totgeglaubte dunkle Samus fast alles. Die hat sich nämlich ebenfalls an den Planeten herangepirscht und startet eine Phazon-Attacke auf ihr Alter Ego und die anderen Kopfgeldjäger, so dass diese in tiefe Bewusstlosigkeit fallen. Erst in letzter Minute gelingt es Samus, die Kanone zu aktivieren, bevor auch sie ohnmächtig wird.

Packshot zu Metroid Prime 3: CorruptionMetroid Prime 3: CorruptionErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Zwar gelingt es dem medizinischen Personal der Station, sie und die anderen Jäger einige Wochen später wiederzubeleben, dabei wird jedoch ihr multifunktionaler Kampfanzug verändert. Das Phazon hat ihm neue Eigenschaften verliehen, so dass die Kopfgeldjägerin fortan in den Hypermodus wechseln kann. Der macht sie unverwundbar und bringt auch mächtig Wumms für die Waffen, verbraucht aber viel Energie und sorgt dafür, dass die gute Samus mehr und mehr von ihrem fiesen Alter Ego besessen wird.

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„Und bei welchem Hairstylisten lassen Sie ruinieren?“
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Hilfe ist nur möglich, wenn die Leviathane zerstört werden, jene Meteoriten, die das Phazon produzieren. Also macht sie sich auf zu den Planeten Bryyo und Elysia, um dort die unangenehmen Teile so schnell als möglich zu erledigen und ihrer Widersacherin endgültig das Handwerk zu legen. Ein Wettlauf mit der Zeit und gegen die fortschreitende Verseuchung beginnt.

(T)Raumschiff

Soviel zur spannenden Rahmenhandlung, die natürlich in erster Linie als Legitimation für reichlich Ballerei und Rennerei dient. Und die ist, wie schon aus den Vorgängern bekannt, mehr als gelungen inszeniert. Mehr noch – mit Corruption ist Samus Aran ein grandioser Einstieg auf der Wii gelungen. Denn sowohl in Sachen Grafik als auch Sound und Steuerung konnte der aktuelle Metroid-Teil seine schon sehr guten GC-Vorgänger toppen.

Bereits das Intro verwöhnt mit stimmungsvoller Musik und gut geschnittenen Filmsequenzen. Und – Tusch bitte! – es wird endlich auch im Hause Aran gesprochen. Die Dialoge zwischen den Figuren bestehen zwar großenteils aus belanglosen Phrasen, doch sie tragen zur Atmosphäre bei. Außerdem werden natürlich auch Anweisungen und Infos über Funk und Gespräche weitergegeben. Insofern lohnt es sich, beizeiten mit Mechanikern und Soldaten zu sprechen, denn manchmal haben die recht interessante Neuigkeiten auf Lager.

Gute Frau – böse Frau. Und mittendrin des Gamers einsame Seele. Metroid Prime rockt das Haus und ist definitiv ein Pflichttitel für alle Wii-Besitzer!Fazit lesen

Eine verzweigte Handlung gibt es nicht. Stattdessen ist das Geschehen sehr linear aufgebaut, so dass bestimmte Ereignisse und Aktionen erst in Kraft treten, wenn man die hierfür notwendigen Voraussetzungen erreicht hat.

Metroid Prime 3: Corruption - Besser als Zelda? Metroid ist das nächste Referenzspiel für Nintendos Wii.

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Spaßig: Geduldsmantras für Autisten.
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Die Gefechte mit den Weltraumpiraten laufen wie immer sehr schnell und actionreich ab. Die Burschen verfügen zwar nur über die Intelligenz von Darmwinden, treten dafür aber zum Teil sehr massiert auf. Damit im Kampf keine Langeweile aufkommt, muss man die Jungs mit unterschiedlichen Mitteln dazu überreden, den Löffel abzugeben. So bringen beispielsweise einige der Viecher Schutzschilde mit, die man ihnen erst mit Hilfe des Beam-Tractors wegnehmen muss, bevor man auf sie anlegt. Dazu greift man die Teile mit dem Strahl, reißt dann die Wii-Mote ruckartig nach hinten und eröffnet danach das Feuer.

Andere Gegner verlangen nach bestimmten Waffenarten, bei Bossen müssen bestimmte Stellen getroffen werden, um deren Lebensenergie zu reduzieren. Wieder andere können nur angefeuert werden, wenn sie ihre Energieschirme deaktiviert haben. All das kennt man so oder ähnlich aus den Vorgängern schon, doch hier macht es dank der actionreichen Wii-Steuerung noch mehr Spaß als früher, weshalb die inhaltlichen Ähnlichkeiten auch nicht negativ ins Gewicht fallen.

Steuerliche Erfassung

Der erste, im Vergleich zum Rest schon gemächlich zu nennende Spielabschnitt auf der frei begehbaren Raumbasis dient gleichzeitig als Tutorial. Hier wird man umfassend mit den Eigenheiten der Wii-Steuerung vertraut gemacht. Mit dem Nunchuk bewegt man Frau Aran durch die weitläufigen Areale, die Wii-Mote fungiert als Knarre und erlaubt das Umsehen.

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Der Berliner Botanische Garten hat unter der Streichung der Subventionen bislang kaum gelitten.
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Wer die Vorgänger auf dem Gamecube gezockt hat, wird nur wenige Minuten brauchen, um sich an die intuitive und sehr exakte Steuerung zu gewöhnen. Einzig die teilweise etwas sprunghaften Bewegungen des Zielkreuzes trüben das Vergnügen etwas, denn die Fernsteuerung reagiert ein wenig zu schnell auf Richtungsänderungen. Dem kann man allerdings entgegenwirken, indem man in den Optionen auf „bewegbare Markierung bei Zielerfassung“ umstellt. Das sorgt dafür, dass man eingeloggte Gegner immer schön im Fadenkreuz hat, was besonders bei hektischen Bewegungen und den Bosskämpfen von Vorteil ist.

Die Buttonbelegung wurde weitgehend von den Vorgängern übernommen, was die Eingewöhnungsphase auf der Wii zusätzlich verkürzt. So lässt ein kurzer Druck auf den C-Knopf Samus zum Morphball werden, die Z-Taste loggt auf Gegner ein. A sorgt für die nötige Waffengewalt, und der B-Trigger lässt die Dame auf Knopfdruck springen. Natürlich können die Belegungen auch den eigenen Wünschen entsprechend angepasst werden. Das ist jedoch aufgrund der optimalen Standardbelegung wenig sinnvoll.

Auch das Interface ist hinlänglich bekannt und erlaubt den schnellen Wechsel vom Battle- in den Scanmodus und zurück. Wie üblich, sollte man sich die Zeit nehmen, soviel wie möglich von seiner Umgebung und den umherwuselnden Gegnertypen zu identifizieren. Das bringt nicht nur massig Credits, sondern deckt auch mögliche Schwachstellen der Viecher auf.

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Im Berliner Tierheim kam es in letzter Zeit zu einigen Unregelmäßigkeiten bei der Hundehaltung.
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Wie gewohnt, sind bestimmte Spielabschnitte nur lösbar, wenn Samus als Ball unterwegs ist. Auf diese Weise erreicht sie abgelegene Stellen, fungiert als Schalter oder zündet die hinlänglich bekannten kleinen Bömbchen. Nervig sind allerdings die häufigen Perspektivwechsel, während man als Murmel unterwegs ist. Besonders die zu Beginn häufigen Jump-and-Run-Elemente erweisen sich als Nervensägen, wenn man nicht über präzise Fingerfertigkeit verfügt. Außerdem erweisen sie sich zuweilen als echte Spaßbremsen, weil sie die sehr schnelle Handlung ins Stocken bringen.

Anfänger werden sich übrigens in den ziemlich verschachtelten Levels gern mal verlaufen. Um nicht die Orientierung zu verlieren, gibt es eine dreidimensionale, frei schwenkbare Übersichtskarte. Die zeigt zwar zuverlässig Samus' Position an, sorgt aber trotzdem nicht unbedingt für mehr Übersicht. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass die Abschnitte in aller Regel so konstruiert sind, dass man den Weg nach kurzem Suchen trotzdem stets findet.

Is' was, Boss?

Spannendstes Spielelement sind die gelungenen Bosskämpfe. Im Laufe ihrer Odyssee trifft Samus nicht nur auf monströse Piratenviecher, gigantische Roboter oder fiese Insekten, sondern tritt auch gegen ihre ehemaligen Verbündeten an, die durch das Phazon ebenfalls infiziert wurden. Und all denen ist durch schnelle Ballerei nicht beizukommen.

Jeder Boss hat seine Schwachstelle, doch die muss zunächst herausgefunden werden. Bis man einen von ihnen in die Knie gezwungen hat, kann so manche Batterieladung der Wii-Mote draufgehen oder man findet sich, wie der bedauernswerte Autor dieser Zeilen, keuchend in einer Ecke des Sofas wieder.

Metroid Prime 3: Corruption - Besser als Zelda? Metroid ist das nächste Referenzspiel für Nintendos Wii.

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Eklig: Novovirus als Kuscheltier.
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Damit die Ackerei nicht in endlose Frustorgien ausartet, haben die Entwickler dafür gesorgt, dass unmittelbar vor Kampfbeginn der Spielstand gespeichert wird. Im Falle eines vorzeitigen Ablebens kann man auf diese Weise schnell wieder die Bühne betreten und sein Glück erneut versuchen. Abhauen ist übrigens nicht, da bei den Endgegner-Raufereien die jeweilige Örtlichkeit in eine Arena verwandelt wird, die nicht verlassen werden kann. Das spornt ungeheuer an.

Singlebörse

Leider haben die Jungs von den Retro Studios den aus dem Vorgänger bekannten Multiplayer-Modus nicht mehr integriert. Das ist schade, denn die Mehrspieler-Duelle haben seinerzeit für eine Menge Spaß gesorgt. Warum es nicht auch auf der Wii möglich sein soll, sich mit bis zu vier Prügelwilligen an der Konsole gegenseitig das Fell über die Ohren zu ziehen, ist unverständlich.

Doch genug mit der Meckerei. Metroid Prime 3: Corruption ist definitiv einer der besten bislang für die Wii erschienenen Titel. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sich das Spiel ausschließlich an Singles wendet. Die sind schließlich die bevorzugte Käuferschicht für Games und brauchen jede Menge Futter für die ansonsten unterbeschäftigten Händchen. Und da bietet die Beschäftigung mit Misses Aran in mancher Hinsicht mehr als jede echte Frau.