Ich gebe es zu: Ich hab mich geirrt. Als vor einem Jahr das großartige Metro: The Last Light erschien, dachte ich mir: so toll wie das ausschaut, wird das nach dem Launch der neuen Konsolen sicherlich nochmal ein-zu-eins auf die PlayStation 4 und Xbox One portiert. Das wäre für Entwickler und Publisher schließlich eine schnelle Mark. Aber nein, was machen die verrückten Ukrainer von 4A Games stattdessen? Die kramen sowohl Metro 2033 als auch Last Light hervor, verpassen beiden Spielen eine aufwendige grafische Generalüberholung, schnippeln auch noch mal etwas an den eigentlichen Spielen herum und machen daraus Metro Redux. Einen von der Filmindustrie inspirierten Director's Cut für zwei der atmosphärischen Ego-Shooter der letzten Jahre, wenn man so will.

Metro Redux - Uncovered TrailerEin weiteres Video

Grauenhaft sollen die Bedingungen gewesen sein, unter denen einst Metro 2033 entstand. Statt in einem modernen Bürokomplex wie bei westlichen Entwicklern waren die Osteuropäer in einem schlecht geheizten Raum eingepfercht. Sie saßen dabei nebeneinander auf Campingstühlen und hatten so wenig Platz, dass sie sich gerne mal gegenseitig den Kaffee vom Tisch schlugen oder mit den Ellbogen in die Seite pickten.

Mittlerweile, und dank dem Erfolg von Metro 2033, ist das anders. Zwar müssten Rechner und vor allem Entwicklerfassungen von aktuellen Konsolen immer noch mühsam durch den Zoll „gebracht“ werden. Doch könne man alles nun etwas entspannter sehen – ebenso die eigenen Spiele. Denn abseits des offensichtlichen Grundes, die Titel auf die neuen Konsolen zu bringen und damit noch einmal verkaufen zu können, haben die Entwickler so manches entdeckt, dass sie gerne anders oder besser gemacht hätten. Und tatsächlich: bei einem ersten Anspielen der Redux-Versionen von Metro 2033 und Last Light zeigt sich, dass hier wirklich nicht nur an der Grafik-Schraube gedreht wurde.

Metro Redux - Apokalypse im Director's Cut

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Klar bringt Redux nicht nur die Hautspiele, sondern auch alle Download-Inhalte mit. Im Handel soll das Komplettpaket 40 Euro kosten. Einzeln schlagen die Redux-Teile mit 20 Euro zu Buche.
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Die Geschichte der beiden Spiele ist natürlich noch die gleiche und erzählt noch immer das Schicksal der Menschheit nach einem Atomkrieg, deren Überlebende sich in das strahlensichere U-Bahn-Netzwerk, die Metro, zurückgezogen haben.

Von allem ein Tick mehr

Vor allem das ursprüngliche Metro 2033 macht in der Redux-Fassung einiges mehr her. Kein Wunder auch, ist das Spiel doch mittlerweile schon vier Jahre alt und unter prekären Arbeitsbedingungen entstanden. Daher wurde der komplette Titel zunächst in die aktuelle 4A-Games-Engine aus Last Light portiert. Dann wurden nahezu alle Texturen durch neue oder höher aufgelöste ersetzt und auch die Charaktermodelle sind neu gestaltet.

So lassen sich im Gesicht von Miller, Hunter und anderen Kumpanen jetzt feine Falten und Barthaare ausmachen. Augen wirken mit Reflexionen und Glanz-Effekten nun lebendig. Auf Klamotten hingegen lassen sich Nähte und Webmuster der Stoffe erkennen. Die Haut von Mutanten wirkt jetzt ledrig-feucht und damit herrlich eklig. Und dank der aus Metro: Last Light übernommenen oder neugestalteten Animationen scheinen nun auch Bewegungen nicht mehr so hakelig und teils absurd wie noch von vor einigen Jahre.

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Im Survival-Modus gibt’s weniger Munition. Außerdem dauert das Nachladen und Wechseln zwischen den Waffen etwas länger.
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Am beeindruckendsten jedoch: mit einem neuen Beleuchtungs- und Lichtsystem bekommt das Spiel stellenweise eine gänzlich andere, aber auch passendere Stimmung übergestülpt. So erstrahlt die Erdoberfläche nun in einem kalten Blau-Weiß, wo sie vor vier Jahren noch einfach düster-grau erschien. Überstrahl- und Bloom-Effekte und sichtbarer Frost sorgen dafür, dass das verfrorene Moskau plastischer, abstrakter, unwirtlicher und damit bizarrer denn je erscheint.

Der optische Unterschied zwischen dem Last Light von damals und dessen Redux-Gegenpart ist natürlich weniger krass. Sah das 2013 erschienene Spiel schon ziemlich fein aus, macht es nun einen etwas ausgearbeiteteren Eindruck. Denn auch hier wurden einige Charaktermodelle etwas getunt und bestechen mit aufpolierten Animationen. Einige neue Licht-Effekte sind obendrein hinzugekommen oder wurden angepasst. Feuer und Molotowcocktails hüllen Räume nun nicht mehr in statisches, sondern tatsächlich flackerndes Licht und die Sprünge und Reflexionen in der Gasmaske sind nun feiner, subtiler und damit weniger störend.

Ebenso dürfen nun häufiger stimmige Rauch-, Nebelschwaden und umher wehende Schneegestöber bestaunt werden, was sowohl den Tunneln, Stationen als auch der Oberwelt einen organischeren Anstrich gibt. Nur, dass Gras und Büsche immer noch nur aus flachen Scherenschnitt-Texturen bestehen, mag verstehen, wer will. Aber insgesamt: die restaurierte Optik beider Titel gefällt und dürfte bei Metro-Fans für einige Augenöffner sorgen. Dabei läuft Metro Redux mit 60 Bildern pro Sekunde. Auf PlayStation 4 bei ganzen 1080p und bei Xbox One mit 900p.

Bei diesen Remakes könnte sich manch anderer Entwickler und Publisher gerne etwas abschauen. Toll, wie viel Aufwand, Kleinarbeit und Liebe hier investiert wird!Ausblick lesen

Endlich mehr Härte

Und spielerisch? Alles beim Alten? Teils ja, teils nein. Metro 2033 hat alles Gute aus seinem Nachfolger eingeimpft bekommen: die direktere Steuerung, das komplette Waffenhandling samt möglichen Waffenanpassung und dem befriedigenden Feedback. Auch wurde die gesamte künstliche Intelligenz ausgetauscht. Aber selbst Kleinigkeiten wie das Abwischen von Blut und Dreck vom Visier der Gasmaske ist nun in Metro 2033 möglich. Im Gegenzug darf in Last Light, eben wie im Original, der Chronometer am Handgelenk mit Uhrzeit und Countdown zum Filterwechsel gezückt werden.

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Vor allem in Sachen Licht hat 4A Games kräftig getunt. Das wird vor allem in den nächtlichen Außenarealen kenntlich.
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Schon diese Änderungen sind charmant; lassen beide Shooter viel eher wie aus einem Guss wirken. Zudem aber gesellen sich in beiden Titeln zum Ranger-Modus – der Waffenschaden verstärkt und alle Bildschirmeinblendungen entfernt – zwei Hauptmodi, aus denen zu Spielbeginn gewählt werden darf. Zum Ersten der Survival-Mode: der entspricht quasi dem Spielgefühl von Metro 2033, das mit Munition und Ausrüstung geizt und damit behutsames Vorgehen und viel Schleichen einfordert. Auf der anderen Seite: der Spartan-Mode, der etwas schneller, actionreicher und verzeihender daherkommt – und hie und da mehr Munition fallen lässt.

Der Unterschied zwischen beiden Modi ist tatsächlich spürbar. Last Light mit der gnadenlosen Munitionsarmut und Härte des Originals? Das fühlt sich anders, aber nach ein, zwei Gefechten dennoch richtig an. Aber sowieso stößt man gelegentlich auf neue Situationen. Wo es ging, da hat 4A Games Spielabschnitte, zwischen denen 2010 geladen werden musste, zusammengelegt. Außerdem wurde manch Spielabschnitte verlängert, um ein Gefecht erweitert oder eine cineastische Szene neu interpretiert.

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Vorher und Nachher. War Moskau in Metro 2033 noch dreckig grau, erstrahlt es in der Redux-Fassnung nun eisigkalt, so wie es sich für einen nuklearen Winter gehört.
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Wo sich Artjom im Metro-2033-Original etwa einfach mit seinen Kameraden an der Bibliothek trifft, da muss nun einige Minuten gegen angreifende Mutanten durchgehalten werden, bevor die Kavallerie mit feuernden Gewehren antrabt.

Auch ist die Tag-Nacht-Zeit in Außenarealen nun nicht mehr vordefiniert, sondern richtet sich danach, wie lange man untertage zubringt. All diese Einzelheiten fallen für sich genommen nicht ins Gewicht, machen aber die Spiele insgesamt deutlich runder. Da könnte sich manch Publisher und Entwickler gern für Remakes seiner Spiele inspirieren lassen.