Seht es als zweite Chance oder späte Bestätigung eures guten Geschmacks. Wer schon vor vier Jahren hektisch mit dem Zeigefinger in Richtung Metro wedelte, darf ab diesem Freitag berechtigtermaßen der „Ich hab's ja schon immer gesagt“-Fraktion beitreten. Alle anderen erhalten einen guten Eindruck davon, was nicht erst seit 2010 schiefläuft.

Metro Redux - Uncovered TrailerEin weiteres Video

Unter all den Redakteursfloskeln mag „Weniger ist mehr“ mit zwei zugedrückten Augen noch eine der zutreffenderen sein, beim Shooter-Genre ist dies Binsenweisheit aber eine beinahe schizophren verzerrte. Nicht erst seit Metro 2033 gibt es subtile Gegenpole zu großkalibrigen Call of Dutys und Battlefields, deren Daseinsberechtigung niemand zur Debatte stellt, wohl aber den Mangel an sinnvollem Kontrastprogramm statt schmächtigen Derivaten.

Bereits Deux Ex: Human Revolution war ein kluges Beispiel für sinnvolle spielerische Reduziertheit, Spec Ops: The Line eher ein inhaltlicher Wegweiser in die richtige Richtung. Insofern ist Metro: Redux ein erfreulicher Lichtblick auf zwei Konsolen, die in diesem Bereich bislang wenig bis nichts zu bieten haben und im Wesentlichen dort weitermachen, wo ihre Vorgänger aufgehört haben.

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Klar, es ist und bleibt eine Neuauflage, aber hier wurde mal ausmahmsweise richtig Arbeit in eine Überarbeitung gesteckt.
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Clever, aber wenig erfolgreich

Ich für meinen Teil hätte einen gänzlich neuen Metro-Teil jeder Neuauflage vorgezogen, selbst wenn sie so kompetent gemacht ist wie in diesem Fall. Was hier als griffiges „Redux“ zum (Neu-) Kauf animieren soll, ist im Kern nichts anderes als all die Remastered-, HD- und Definitive-Editionen da draußen, die man schon mal kritisch hinterfragen kann. Auch Deep Silver hat sich nicht beide Beine bei der Überarbeitung ausgerissen, kommt der Versprechung der „vollständig überarbeiteten und verbesserten Version“ aber noch am nächsten.

Weder Metro 2033 und Last Light waren Spiele, an denen es übermäßig viel auszubügeln gegeben hätte, was die Sache für die Redux-Neuauflage nicht unbedingt leichter macht. Speziell der Erstling sorgte mit seiner kruden Bauart allerdings gelegentlich für einen genervten Seufzer und verständnisloses Hochziehen der Augenbrauen. Das ukrainische Studio 4A Games hat einen fabelhaften Job beim Digitalisieren der klaustrophobischen Beklemmung, dem unangenehmen Gefühl des Ausgeliefertseins gemacht, hatte jedoch vergleichsweise wenig Erfahrung auf einem Gebiet, das weithin als„Polishing“ bekannt ist.

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Metro ist noch immer genauso beklemmend wie damals. Atmosphärisch hat der erste Teil die Nase aber etwas vorn.
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Neben unserem damaligen „Atmosphärisch toller Shooter, der jedoch etwas mehr Politur und Feinabstimmung vertragen könnte“-lautenden Fazit vor viereinhalb Jahren äußerte sich das vor allem in überschaubaren Verkaufszahlen. Mit einem Kassenschlager dürfte ohnehin niemand so wirklich gerechnet haben und mit einigen Rabattaktionen in den kommenden Monaten kletterte 2033 zumindest über die „War kein riesiger Erfolg, tat uns aber auch nicht weh“-Marke. Erst als man sich mit dem etwas geschliffeneren, druckvoller nach vorne ausgerichteten Last Light einer breiteren Masse zuwendete, lohnte sich die Geschichte wirklich: Der Nachfolger verkaufte sich binnen einer Woche besser als der Erstling in seiner gesamten Lebensspanne (US-Zahlen).

Letzte Chance: Löst das Ticket für die Metro. Mit der Redux-Version lohnt sich das mehr als je zuvor.Fazit lesen

In der Redux-Version geht Metro 2033 ein paar Schritte auf Last Light zu, zieht Schrauben an Stellen nach, die eine Generalüberholung dringend notwendig hatten, ohne dabei seine Ecken und Kanten zu verlieren. Wir reden hier nicht vom üblichen Technikgeschwurbel, von denen das Gros der Neuveröffentlichung keinen Deut abweicht. Die erneute Umsetzung des gleichnamigen (und verflucht lesenswerten) Endzeit-Romans von Dmitry Glukhovsky profitiert – mehr noch als von seinem neuen Grafikkleid – von seinen spielerischen Anpassungen.

Kann man schon mal machen

Wer 2033 schon auf Xbox 360 und PC so liebte wie es war, hat dank subtiler Änderungen keinen Grund, das hier plötzlich nur noch mit der Kneifzange anzufassen. Aus Last Light bekannte Waffen-Erweiterungen und das Ausbauen der Schleichmöglichkeiten sind allenfalls kleine Schubser in eine weniger vertrackte Richtung als eine Abkehr von allem, was euch lieb und heilig ist. Auch die nachvollziehbarere Intelligenz menschlicher Gegner schlägt in diese Kerbe, ist neben den hinzugekommenen Nahkampffähigkeiten (wer euch den Rücken zudreht, stirbt nun in der Regel durch einen einfachen Handgriff) vielleicht sogar der wichtigste Aspekt beim verstärkten Fokus auf ruhigeres Vorgehen, scheitert aber gelegentlich in der Praxis. Verglichen mit damals eine deutliche Steigerung, aber nach wie vor mit Luft nach oben.

Unter der rauen Oberfläche bleibt Metro 2033 damit noch immer dasselbe verschlossene Spiel, das euch ohne großes Tamtam in die lebensfeindlichen Tunnel der russischen U-Bahn wirft. Eine grobe Marschrichtung gibt man euch noch mit auf den Weg, eine Handvoll Patronen obendrauf, den Rest müsst ihr schon selbst schaffen, friss oder stirb. Auf PlayStation 4 und Xbox One nimmt man dem Titel lediglich einen Teil seiner Willkürlichkeit, nicht jedoch seine Bedrohlichkeit.

Daran ändert auch der optionale Spartaner-Modus nichts, der die Metro deutlich großzügiger mit Munition und anderen Bequemlichkeiten auskleidet, die das (Über-) Leben sowohl angenehmer als auch deutlich offensiver machen. Schon Last Light bot euch dieses Anbiedern an die lautere Gangart des Massenmarkts, jetzt gibt’s ihn eben auch im ersten Teil. Im Survival-Gegenstück bleibt hingegen alles wie gehabt, im Hardcore-Modus solltet ihr ohne Bildschirmanzeigen und andere Annehmlichkeiten dann aber schon endgültig wissen, was ihr tut.

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Es funkelt so hübsch!
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All das gibt’s nun auch in Last Light, das gemeinhin als das offenere, handlungsorientiertere der beiden Spiele gilt. Mit Call of Duty hat all das trotzdem nichts am Hut (danke dafür), als freundlichen Knicks vor dem Massenmarkt kann man das aber schon sehen, was nicht zwingend eine schlechte Sache sein muss. Mit dem nun aus dem Vorgänger übernommenen Survival-Modus wird auch Last Light auf Wunsch eine ordentliche Spur unbarmherziger, dennoch bleibt es der deutliche zugänglichere Teil, für den sich mit dem zusätzlichen Redux-Zusatz ohnehin nicht allzu viel ändert.

Technisch gelingt endlich (der nicht ganz bündige) Anschluss an die PC-Version, die bereits zur ursprünglichen Veröffentlichung ein Brett war, verglichen mit 2033 ist der Unterschied aber eher marginal. Der Erstling hingegen wurde einmal von vorn bis hinten auf die neueste Version der 4A Engine umgemodelt, was mit Controller in der Hand dynamisches Wetter, bessere Animationen, dicke Licht-, Partikel- und [beliebigen Grafikbegriff hier einfügen]-effekte sowie all die anderen Vorzüge bedeutet, die man als Spieler gern auf dem Bildschirm, als PR-Mensch gern in Pressemeldungen sieht. Nur von den derzeit angesagten 1080p ist dort auf der Xbox One nicht zu erkennen, die beide Spiele in 900p und damit immer noch so ansehnlich wiedergibt, dass man schon beide Versionen gegeneinander halten müsste, um konkrete Unterschiede auszumachen.