Als THQ vor einigen Monaten den Bach runter ging, drohten auch die verschiedenen Projekte des Publishers mitgerissen zu werden. Metro: Last Light stand bei etlichen Unternehmen ganz oben auf der Wunschliste. Ob Koch Media zu Recht so viele Hoffnungen in den Horror-Shooter setzt?

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Metro: Last Light ist eine direkte Fortsetzung seines Videospielvorgängers Metro: 2033. Während der Erstling noch auf dem Buch des Autors Dmitri Alexejewitsch Gluchowski basierte, ist das zweite Metro-Spiel inhaltlich nicht an das literarische Sequel Metro 2034 gekoppelt. Aber keine Angst: Die Handlung von "Last Light" setzt nicht nur nahtlos an seinen Vorgänger an, auch der Held Artjom steht wieder im Mittelpunkt des Geschehens.

Metro: Last Light - Angst, Hektik, geile Grafik

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Eine beängstigende Szene reiht sich an die Nächste - Horror pur!
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Alles auf null?

Und doch ist irgendwie alles anders, denn von Beginn lässt man uns im Ungewissen darüber, ob wir wirklich eine Heldenrolle einnehmen - oder stattdessen für einen Holocaust an den "Dark One" verantwortlich sind. Waren all meine Taten im ersten Teil für die Katz? Diese Frage beantworte ich selbstverständlich an dieser Stelle nicht. Nur so viel: Mehr oder weniger vorhersehbare und eher überraschende Twists gibt es zur Genüge.

Packshot zu Metro: Last LightMetro: Last LightErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: ab 2,83€

Dass das Spiel nicht unter dem Publisher-Wechsel gelitten hat, zeigt das nahezu fehlerfrei ablaufende Spiel. In den zwölf Stunden mit der PC-Version hatte ich nur einen Absturz - das kann in den besten Familien vorkommen. Vielmehr scheint Entwickler 4A Games die zwei zusätzlichen Monate zum Polieren seines Werkes genutzt zu haben.

Herausgekommen ist eine teils nervlich ziemlich aufreibende Tour de Horror, was an den vielen hochgradig spannenden Locations liegt. Das ukrainische Studio hat sich Mühe gegeben, die Szenarien abwechslungsreicher zu gestalten, und hat damit Erfolg. Seltener als in Teil eins werde ich von kurzen Abschnitten aus dem Spielrhythmus gerissen, der Überlebenskampf gegen Mutanten, Spinnenwesen und Menschen wirkt in sich konsistenter. Und spannender.

Metro: Last Light übertrifft seinen Vorgänger nicht in allen Punkten, ist aber trotzdem eine mehr als würdige Fortsetzung des ersten Teils.Fazit lesen

Klar, auch in Metro: Last Light nerven die Entwickler bisweilen mit ihren typischen Markenzeichen: der etwas hölzernen Figurendarstellung, den Schaufensterpuppengesichtern oder dem umständlichen Aufsammeln von Munition und anderen Objekten. Ergonomisch geht anders - hier versucht man leider unnützerweise, einen eigenen Weg einzuschlagen.

Doch darunter leidet zum Glück die grandiose Atmosphäre nicht. Das Abenteuer im Moskauer Untergrund, und oft genug auch an dessen radioaktiv verseuchter Oberfläche, lebt von der steten Ungewissheit. Wer sind meine Freunde, wer meine Feinde? Habe ich genügend Munition für die verschiedenen Waffentypen dabei? Setze ich die besonders durchschlagskräftige Munition zum Ballern ein oder handele ich lieber damit?

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Szenen der letzten gamona-Weihnachtsfeier haben sich auch ins Spiel verirrt...
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Aber vor allem ist es das häufige Gehetztsein, der Druck, genügend Atemluft zum Überleben dabei zu haben. Die Unwägbarkeit des nächsten Tunnels, in der vielleicht wieder eklige Spinnen warten, oder die "Watchmen", werwolfähnliche Bestien, die sich in Rudeln auf mich stürzen. Oder - ich nenne ihn mal den Sumpflevel - ein Areal, in dem auch neue Gegner Jagd auf mich machen und in dem ich so schnell wie möglich einen wichtigen Gegenstand finden muss.

Angst trifft auf Hektik - keine gute Kombination, wenn ich mit heiler Haut entkommen will. Und wenn man von den Entwicklern dann noch ein bisschen im Stich gelassen wird, weil man nur halbwegs weiß, was zu tun ist, kann das auch mal zu Frust führen.

Horror-Atmosphäre pur

Zum Glück passiert das nur sehr selten. Metro: Last Light brilliert gerade dann, wenn eigentlich gar nicht so viel geballert wird, sondern die dichte Geräuschkulisse mich herumschrecken lässt, ich auf meinen eigenen Schatten schieße oder das Übernatürliche ins Spiel kommt. Wenn die Geschichte Zweifel in mir aufkommen lässt, wenn ich auch Entscheidungen über Leben und Tod treffen kann. Nein - muss! Ob ich den gemeinen Nazi am Leben lasse, bewertet niemand. Aber in gewissen Situationen haben meine Handlungen durchaus Auswirkungen.

Die Inszenierung dieser Ereignisse ist fabelhaft gelungen. Vor allem die Wettereffekte wie dichter Regen und Sturmböen an der Oberfläche haben es mir angetan, aber auch das Spiel mit dem Feuer, der herumschwirrenden Glut beherrschen die Ukrainer meisterhaft. In Sachen Stimmung lassen sie ein glaubhaftes Bedrohungsszenario entstehen, das sich aus vielen Quellen speist. Zum einen die Monster, zum anderen aber auch die drei gegeneinander agierenden menschlichen Fraktionen, die Artjom nur immer auszunutzen scheinen.

Leider ist er - wie viele Helden - zu gutgläubig. Ein bisschen mehr Skepsis könnte er bisweilen schon an den Tag legen, aber das schmälert den Gesamteindruck nur wenig. Gerade bei der Gestaltung der einzelnen ruhigen Rückzugspunkte gelingt es 4A Games, das Leben der Überlebenden authentisch wirken zu lassen: Kinder, die trotz des Schreckens um sie herum versuchen, einen normalen Alltag zu genießen, Kunstdarbietungen, Striptease-Einlagen. In diesem Punkt übertrifft Metro: Last Light seinen Vorgänger deutlich.

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Auch für ruhige Momente bleibt Zeit - sie sind der heimliche "Star" des Spiels.
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Was das Ballern selbst betrifft, geben sich die Macher ebenfalls keine Blöße, auch wenn die eher schwachen KI-Kontrahenten für geübte Shooter-Fans kaum eine große Herausforderung darstellen sollten. Dazu agieren sie zu schablonenhaft und überraschen selten mit offensiver Gangart. Auch bemerkt man kaum einen Unterschied zwischen den verschiedenen Fraktionen. Wenn ich schleichend durch die feindlichen Reihen spaziere, bemerkt mich kaum einer der computergesteuerten Wachmänner - obwohl ich nur Zentimeter von ihnen entfernt bin.

Auch das Währungssystem mit der militärischen Munition wirkt letztlich immer noch aufgesetzt. Da ich auch mit den normalen Projektilen problemlos durchkomme, erzeugt das System kaum Druck, mir irgendetwas aufzusparen. Neue Waffen klaue ich von gefallenen Gegnern schließlich im Überfluss. Nur gelegentlich bricht die lineare Levelstruktur auf - Situationen, in denen ich für meinen Forscherdrang mit einigen zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen oder auch Visionen belohnt werde. Prächtig, wie dann die meist düstere Umgebung plötzlich in grellen Farben förmlich explodiert. Ein Gegensatz, der die Handlung hervorragend untermalt. Klasse!